Projekt der Deutschen Bahn

Erste Wisente beziehen Munaweiden in Münster

So sollen sie schon nächste Woche am Rande Münsters grasen: Wisente. Dieses Exemplar lebt im benachbarten Wildpark Hanau. Foto: Thomas Meier
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So sollen sie schon nächste Woche am Rande Münsters grasen: Wisente. Dieses Exemplar lebt im benachbarten Wildpark Hanau.

Bald kommen drei Bison-Kühe ins abgezäunte Areal der Munaweiden in Münster.

Münster – Schon in der kommenden Woche werden die ersten drei Wisente auf dem Munagelände angesiedelt. Das ist der Auftakt zum von der Deutschen Bahn gesponserten Wisentprojekt mit dem naturpädagogischen Museum.

Diese Nachricht, von Bürgermeister Gerald Frank auf seiner Seite in einem Social-Media-Netzwerk verkündet, bestätigte auf Nachfrage die Projektleiterin für Münsters naturpädagogisches Erlebnisgelände, Anna Wojtusch. Und auch die maßgeblich am Projekt beteiligte Bundesforstbehörde erklärt: „Dies ist ein Meilenstein in der Projektentwicklung. . “. 

Schon Mitte 2010 berichtete unsere Zeitung als erstes Medium vom „Wisent unterm Wachturm“-Vorhaben auf dem Munaareal. Innerhalb des 260 Hektar großen Geländes zwischen Münster und Urberach entstanden in Jahrzehnten militärischer Nutzung einzigartige Biotope, für deren Erhaltung die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit dem hessischen Forstbetrieb Konzepte entwickelte. Wo seit 1939 bis in die 90er Jahre Munition gelagert und gesprengt wurde, sollen nun Wisente grasen. Förster und Naturexperten sprechen von einer „einmaligen Biodiversität auf der einzigartigen Konversionsliegenschaft“, sie alle preisen deren Flora und Fauna in den höchsten Tönen, auf dem sich doch ein so wertvolles ökologisches Ensemble etabliert habe, dass es eines fundierten Perspektivenkonzeptes bedürfe, um das Habitat für die Bewohner rundherum und für die gesamte Republik zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Abgeschirmt liegt die verbotene Landschaft, sie gilt als noch immer munitionsverseucht, belastet, neudeutsch als No-go-Area schlechthin. Der Großbrand im vergangenen Jahr machte die Situation nicht besser. Doch wo sich seit langen Zeiten scheinbar nichts zu tun schien, entwickelte und entwickelt sich eine Natur, wie sie es sonst in der Kulturlandschaft Deutschlands nie vermocht hätte. Allerdings: Freies Betreten wird auch in absehbarer Zeit auf dem Muna-Gelände nicht möglich sein.

Die drei für kommende Woche in Münster erwarteten Wisent-Kühe kommen aus einer Herde in Nordrhein-Westfalen und bilden die Vorhut der hier angedachten etwa zehnköpfigen Herde. Bis Ende Mai sollen weitere Europäische Bisons, wie diese Art Rinder auch genannt werden, aus anderen Herden kommen.

Die ersten Münsterer Wisente stammen aus dem umweltpädagogischen Waldinformationszentrum Hammerhof bei Hadernhausen. Auf 80 Hektar beherbergt die 2004 gegründete Umweltbildungseinrichtung des NRW-Landesbetriebes Wald und Holz eine große Wisentpopulation.

„Eigentlich sollten sie sich schon im von 80 Prozent bewaldeten Munaareal tummeln“, sagt Lukas Hahne, Funktionsbereichsleiter Naturschutz des Bundesforstbetriebs in Ober-Aula. Doch die Coronavirus-Wirren brachte auch den Projektablauf erheblich durcheinander.

Publikum wird es kommende Woche zur Ankunft der lange erwarteten Ur-Viecher, die vom Aussterben bedroht waren und es in freier Natur immer noch sind, nicht geben. „Die Tiere müssen sich erst an die neue Umgebung, die abschnittsweise immer noch munitionsbelastet ist, gewöhnen. Und die Herdenbildung darf auch nicht gestört werden. Wenn einmal die Plattform für Besucher am eingezäunten Areal errichtet ist – sie wird gerade gebaut – wird es eine große Begrüßungsfeier geben“, sagt Hahnel.

Und auch Przewalski-Pferde werden noch kommen. Ende des Jahres, heißt es.

VON THOMAS MEIER

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