Ende einer Ära

Familie Kreher gibt Pausenkiosk und Mensa an Aue-Schule nach 36 Jahren ab

Isolde Kreher und Tochter Julia Wolf geben den Bewirtungsbetrieb in der Aue-Schule notgedrungen ab.
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Isolde Kreher und Tochter Julia Wolf geben den Bewirtungsbetrieb in der Aue-Schule notgedrungen ab.

An der Aue-Schule endet eine Ära. Auch hier trägt das Coronavirus mit Schuld.

Münster – Mit Wehmut blickt Isolde Kreher zurück in die Zeit, in der sie an der Schule auf der Aue zum ersten Mal belegte Brötchen, Gebäck, Milch und Kakao verkaufte. Das war 1984. Was mit dem kleinen Pausenkiosk im Foyer der Schule begann, mündete schließlich in die Verantwortung und Ausgabe des kompletten Schulessens. Nach den Sommerferien wird diese Ära zu Ende gehen, wenn Isolde Kreher schweren Herzens ihre geliebte Aue-Mensa und auch den Pausenkiosk aufgeben muss.

Mit der Corona-Krise hat diese Aufgabe nichts zu tun. Der Landkreis schrieb das Catering an der Aueschule bereits im Februar neu aus. Der Caterer Sander aus dem Hunsrück, mit dem Krehers seit elf Jahren zusammenarbeiteten, sah sich nicht in der Lage, die Anforderungen und Bestimmungen des Landkreises umzusetzen. Doch ohne kompetenten Zulieferer geht es nicht, denn Essen für mehrere hundert Schüler täglich frisch zuzubereiten – dazu fehlen Krehers die Kapazitäten.

Isolde Kreher packte stets tüchtig an. Ihre unkomplizierte Art sprach sich schnell herum, und so fragten vor vielen Jahren noch weitere Schulen an, denen man aber absagen musste: „Die Personalsuche war stets schwierig, das konnten wir nicht leisten“, erklärt sie. Not macht erfinderisch. Und was eigentlich nur als einwöchige Vertretung von Papa Hans vor acht Jahren begann, hätte sich Tochter Julia anfangs auch nicht gedacht: Der studierten Betriebswirtschaftlerin machte die Arbeit in der Aue-Mensa so viel Spaß, sodass sie ihren alten Job bei Pirelli kündigte und fortan mit ihren Eltern zusammenarbeitete. Der Aueschule half sie zudem maßgeblich bei der Organisation des kostenfreien Nachmittagsangebotes. Das will sie auch weiterhin machen.

Chefin Isolde Kreher war stets erfinderisch, was das Essensangebot anging. Vor 36 Jahren liebten die Schüler ihre Leberkäsweck, die sie zeitweise aus einem Hexenhäuschen im Foyer der Aueschule heraus verkaufte. Das Hexenhäuschen bauten Schüler während einer Projektwoche gemeinsam mit ihrem Lehrer Sepp Neuner. Mittlerweile sind seit einigen Jahren die Pizzabrötchen legendär. „Meine Devise lautete: Was ich nicht mag, wird nicht verkauft“, blickt die Mensabetreiberin zurück. Und so waren ihre Kinder auch immer mal Versuchskaninchen, was das Pausenangebot anging: „Wenn sie es mochten, bekamen es auch die Aueschüler“.

An die Orientierung an den Schüler-Essenswünschen erinnert sich auch Sabine Behling, Direktorin der Aueschule: „Spezielle Vorlieben wurden immer berücksichtigt und die Essensplanung individuell angepasst. Kinder durften immer mal zur Probe essen und es hat allen geschmeckt.“

Für die Aueschüle waren die Krehers zudem stets mehr als „nur“ die Caterer: „Uns empfingen schon vor der ersten Stunde viele Schüler, wollten uns helfen oder einfach nur einen Plausch halten“, erzählt Julia Wolf.

Isolde Kreher steckte stets viel Herzblut in ihre Arbeit, daher fällt ihr der Abschied sehr schwer. Blickt sie zurück, so funkeln ihre Augen: Die Idee, den Kioskbetrieb auf eine Mensa auszuweiten, stammte vor 20 Jahren vom ehemaligen stellvertretenden Schulleiter Dr. Claus Walther. Mit ihm bildeten Krehers ein „Dreamteam“. Der Pädagoge, seit acht Jahren im Ruhestand, wirkte einst bei den Planungen für den Mensatrakt samt Küche maßgeblich mit. Das plötzliche Ende der Ära Kreher/Wolf ist seiner Ansicht nach „den Leistungen der Familie unwürdig und stillos“. Gleichzeitig kritisiert er das Handeln des Schulträgers: „Lokalen, alteingesessenen Caterern wird vom Landkreis der Wind aus den Segeln genommen. Große, arrivierte Firmen übernehmen deren Geschäfte und beenden lange gewachsene Traditionen. Was zählt, ist ein möglichst günstiger Essenspreis bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung. Das kommt einem Spagat gleich und ist eine traurige Entwicklung.“

Corona kam für die Krehers zur Unzeit. Außer der Kündigung der Schulmensa, die ins Haus flatterte, musste man Mitte März schauen, was mit dem bereits angeschafften Schüleressen geschieht. Das Tiefgekühlte mussten sie vernichten, das Frühstücksangebot verschenkten sie an die Dieburger Tafel.

Als zehre die „Corona-Zeit“ mitsamt all ihren Einschränkungen nicht schon genügend an ihrem Nervenkostüm, kämpften die Krehers parallel um den Fortbestand der Aue-Mensa. Unterschiedliche Modelle entstanden, doch keines davon ließ sich umsetzen. Schulleitung, Kollegium, Schülervertretung und der Elternbeirat machten sich für Krehers beim Landkreis stark, baten um Verlängerung des Betriebs, betonten die persönlichen, engen Verbindungen. „Das war sehr rührend und hat uns in der schweren Zeit getröstet“, erzählt Isolde Kreher. Doch der Kreis hat den Nachfolger der Krehers, die Firma „Bantschow und Bantschow“ aus Kleestadt, längst gefunden.

Die Krehers macht die Aufgabe sehr traurig. Und auch für die komplette Schulgemeinde war die Nachricht vom Betreiberwechsel ein Schock, denn in den vergangenen 36 Jahren sind Krehers feste Bestandteile des Schullebens geworden. „Unsere Schule verliert ein liebgewonnenes Familienmitglied, das eine große Lücke hinterlässt. Ich persönlich werde die Fürsorge der Familie Kreher/Wolf besonders vermissen, die mich 19 Jahre lang begleitet hat“, bedauert Direktorin Behling das Ende der Zusammenarbeit. tm

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