Integration in Vereine schwierig

Wie Flüchtlingskinder beim Tanzen auf andere Gedanken kommen

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Unter der Anleitung von Zumba-Trainerin Lija Rapp kommen die Flüchtlingskinder aus Groß-Zimmern in „Sunny’s dance school“ in Münster auf andere Gedanken.

Bei vielen erwachsenen Flüchtlingen in Groß-Zimmern ist Andreas Eibisch einfach nur der „big, good guy“. 

Münster – Ein großer, guter Typ also, nicht nur von kräftiger Statur, sondern auch einer, der kräftig für die in ihrer Heimat meist mit schlimmen Lebensumständen konfrontierten Neubürger anpackt. Die Kinder der Asylsuchenden sagen meist „Andreas“ und lernen erfahrungsgemäß ohnehin viel schneller Deutsch als die Älteren. Fürs gesunde Ankommen in der neuen Heimat, ob übergangsweise oder dauerhaft, gehört gerade bei den Jüngsten auch die Zerstreuung. Denn mit den oft schlimmen Erfahrungen im Gepäck bringt besonders der Sport auf andere Gedanken. In der Münsterer Tanzschule „Sunny’s dance school“ hat Eibisch einen Verbündeten gefunden.

In der Bewegung Ablenkung finden: Tanzschule engagiert sich für Geflüchtete

Deren Betreiberin, Eysun Sirinaga-Kiefer, kennt und schätzt Eibisch schon länger. Der Mann, der sich im Auftrag der Gemeinde Groß-Zimmern (praktisch ehrenamtlich) als Sportcoach für die minderjährigen Flüchtlinge engagiert, sagt über die Tanzschul-Chefin und die Kooperation: „Ich habe gewusst, dass sie sich schon länger sozial engagiert.“ Entsprechend kam Eibisch auf Sirinaga-Kiefer zu, als er neue Impulse für sein samstägliches Sportangebot für die Zimmerner Flüchtlingskinder setzen wollte. Mehrmals schon fuhren sie nun schon mit dem roten Kleinbus der Jugendförderung nach Münster, um sich zu coolen Klängen auszupowern.

In „Sunny’s dance school“ nahm sich Zumba-Trainerin Lija Rapp der Gruppe an. Sie umfasst bis zu 15 Kindern, mehrheitlich Mädchen. Weswegen Eibisch auch die Jugendlichen Anna Eibisch und Luisa Wejwoda mitnahm, die den Draht zu den Mädchen haben. Auch diese beiden jungen Groß-Zimmernerinnen opfern ihren Samstagnachmittag, um den Flüchtlingskindern etwas Gutes zu tun.

Abschalten unter professioneller Anleitung

Bei Rapp lernen sie die Zumba-Fitness kennen. Die rhythmischen Bewegungen zur Musik sind nicht mit dem klassischen Hip-Hop- und Videoclip-Tanzen vor dem Studiospiegel gleichzusetzen, sorgen aber ebenfalls für Kondition und körperlichen wie seelischen Ausgleich. Gerade letzteren Aspekt darf man bei mitunter traumatisierten Kindern nicht gering schätzen.

Der Nachwuchs in Eibischs Sportgruppe kommt aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und der Türkei. Sirinaga-Kiefer ermöglicht ihnen das Abschalten unter professioneller Anleitung, aber zum Freundschaftspreis.

Wenn sich die Flüchtlinge aus Groß-Zimmern nicht dem lateinamerikanischen Fitnesstrend in Münster widmen, nutzt Sportcoach Eibisch mit ihnen die Sporthalle der Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule, um dort mit ihnen Volleyball zu spielen, zu turnen oder gerade die Jüngsten (in der Gruppe sind Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren) auch koordinativ zu schulen.

Flüchtlingskinder bleiben bisher unter sich: Auch deutsche Kinder willkommen

Weshalb es dafür ein Angebot braucht, in dem die Flüchtlingskinder unter sich bleiben? „Grundsätzlich sind die zwei Sportstunden am Samstag von 16 bis 18 Uhr auch für deutsche Kinder offen, was bisher aber leider nicht angenommen wird“, erläutert Eibisch. Die Integration in die lokalen Vereine sei außerdem schwierig: Die machten zwar tolle sportliche Angebote und seien auch aufnahmebereit. „Das Problem ist aber meist, dass die Kinder der Flüchtlingsfamilien dort nicht regelmäßig hingehen, wenn man sie nicht persönlich hinbringt“, so Eibisch. Die Unterstützung durch die Eltern – so diese überhaupt noch leben und bei ihren Kindern in Groß-Zimmern sind – sei in dieser Hinsicht nicht allzu ausgeprägt.

Jens Dörr

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