Gersprenz und Wiesen vor der Tür

Gemeinde und „Haus der Kinder“ eröffnen den ersten Naturkindergarten

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Auf dem Gelände der Schützen (rechts) ist Münsters erster „Naturkindergarten“ entstanden. Blick ins Innere (links): In der Hütte sorgt ein Holzofen für Wärme.

Wer den Flyer der Münsterer Kinder-Tagesstätte „Haus der Kinder“ liest, ahnt schon, dass es sich um eine etwas andere Art der Kinderbetreuung handelt. 

Münster – „Die Kinder benötigen täglich: einen wetterfesten Rucksack; wetterfeste Kleidung; wetterfestes Schuhwerk und Gummistiefel.“

 Seit Mitte September betreibt die Kita aus der Stettiner Straße eine Art Zweigstelle am anderen Ende des Orts: den ersten „Naturkindergarten“ der Gemeinde, angesiedelt auf dem Gelände des Schützenvereins Waidmannsheil. Am Freitagnachmittag wurde jenes Angebot offiziell eingeweiht, das bald bis zu 20 Kindern ab drei Jahren zur Verfügung stehen soll.

Die Idee, das Betreuungsangebot in der von Münster selbst betriebenen Kita um einen Naturkindergarten zu erweitern, hatte Yvonne Degoutre. Bei der bloßen, erstmals im Februar 2018 geäußerten Absicht beließ es die Erzieherin aus dem „Haus der Kinder“ jedoch nicht: Flankiert von der Kita-Leitung und mit Unterstützung aus dem Rathaus sowie der Schützen blieb sie am Ball. Eine Reihe von Sponsoren, die Michael Uebel zusammentrug, half bei der Umsetzung. Insbesondere die Firmen Knapek, Kraus und Günther & Winkler schenkten der Einrichtung ihre Leistungen und ermöglichten es mit, dass vor zwei Wochen die ersten Kinder das Areal in Beschlag nehmen konnten.

Gemeinde mietet das Gelände

Die Gemeinde mietet das etwas oberhalb des Schützenhauses gelegene Gelände vom Verein. Dort steht schon länger eine Holzhütte, in der sich die Kinder künftig aufwärmen, etwas essen oder auch mal drinnen spielen können. Inzwischen steht dort ein Holzofen, der das kleine Gebäude erwärmt. Einige Meter weiter gibt es nun ein neues Häuschen mit den sanitären Anlagen. Vor allem aber: viel Platz, um draußen zu spielen und zu toben - und landschaftlich reizvolle Anlaufstellen direkt vor der Tür.

Denn nur wenige Meter vom Naturkindergarten entfernt fließt die Gersprenz aus Münster hinaus und strebt nach Osten dem Main entgegen. Ebenfalls lediglich ein paar Schritte müssen die Kleinen zurücklegen, um ins Naturschutzgebiet „Hergershäuser Wiesen“ zu gelangen. „Wir wollen mit dem neuen Angebot zurück zur Natur“, erläutert Degoutre den Ansatz. „Der Hauptaufenthaltsort ist draußen – auf dem Gelände und in der Umgebung.“

Mit Feldern, Wiesen, Wald und eben Münsters Flüsschen existieren ausreichend Ziele, wenn es auf dem eingezäunten Gartengrundstück der Schützen einmal langweilig werden sollte. Wann dem Drang vom Gelände weg nachgegeben wird, bestimmen die Kids maßgeblich mit: „Die Partizipation spielt eine sehr große Rolle“, betont Degoutre: „Die Kinder entscheiden mit, wann wir was machen.“

Acht Kinder als Pioniere

Acht Jungs und Mädchen sind seit dem Start Mitte September so etwas wie die Pioniere – auch wenn es im Ortsteil Altheim seit Kurzem bei der privat betriebenen „Blumenkinder“-Einrichtung ein ähnliches Angebot gibt. Sie gewöhnen sich peu à peu ein und sollen die Natur als umfassenden Bildungsort und wichtigen Bestandteil ihrer persönlichen Entwicklung begreifen lernen. Das Erleben und Kennenlernen unterschiedlichster natürlicher Materialien, Tiere und Pflanzen soll die jungen Menschen stärken.

Der typische Tagesablauf sieht dabei vor, dass sich die Erzieherinnen und Kinder um 8 Uhr am Parkplatz der Kläranlage treffen und von dort ein Stück gemeinsam zum Naturkindergarten gehen. Derzeit werden die Kinder noch direkt mit dem Auto gebracht. Für das morgendliche Erlaufen von Münster aus liegt das Areal gerade für die kurzen Beine zu weit außerhalb. Morgenkreis und Frühstück, eine ausgiebige Ausflugs- und Projektzeit sowie ein Abschlusskreis mit zweitem Frühstück um die Mittagszeit sollen weitere Anker des neuen Angebots des „Hauses der Kinder“ werden. Bis März 2020 soll die maximale Auslastung mit 20 Ü3-Kids erreicht sein.

VON JENS DÖRR

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