Münster

Hallenbad-Nutzer müssen wohl noch weit länger warten: Öffnung Anfang 2024 mehr als fraglich

Das Münsterer Hallenbad bei einem Schwimmwettkampf - wann gibt es dieses Bild wieder?
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Das Münsterer Hallenbad bei einem Schwimmwettkampf - wann gibt es dieses Bild wieder?

Mehr als 90 000 Besucher – Familien, Schwimmer, Vereine, Schulklassen – waren jährlich ins Münsterer Hallenbad gekommen, ehe die Attraktion in den Sommerferien 2019 schloss. Wegen technischer Mängel und erheblichen Sanierungsstaus machte im vergangenen Herbst die Hiobsbotschaft die Runde, dass das Bad jahrelang nicht mehr öffnen würde.

Münster – Bis Ende 2023 sollte das 4,6 Millionen Euro (netto) teure Werk vollendet sein und das Hallenbad Anfang 2024 wiedereröffnen. Doch selbst dieser weit entfernte Termin wankt inzwischen bedenklich. Denn für einen „Restart“ im ersten Quartal 2024 hätte folgende Zeitschiene eingehalten werden müssen, die im Januar ein Wiesbadener Architekt und ein Hanauer Planungsingenieur den Gemeindevertretern in Haupt- und Finanzausschuss sowie Bau- und Planungsausschuss präsentiert hatten: Schon im Sommer dieses Jahres hätte die Fachplanung aufgenommen werden müssen, Ende 2021 hätte in diesem Fall Baubeginn sein können. Dann schließlich hätten die Sanierungs-, Modernisierungs- und Umbauarbeiten bis Ende 2023 abgeschlossen werden können. Was mittlerweile jedoch Makulatur ist.

Denn geplant ist noch lange nichts, obwohl der Sommer 2020 vorbei ist. „Erst muss die Finanzierung stehen“, nennt Bürgermeister Gerald Frank (SPD) neben allgemeinen Verzögerungen durch die Corona-Situation den Grund. Die Gemeinde müsste bis 2024 jeweils Beträge im Hunderttausender- beziehungsweise Millionenbereich bereitstellen – was sie aus Sicht des Ende September die Amtsgeschäfte an Joachim Schledt (parteilos) übergebenden Rathaus-Chefs nicht ohne die Hilfe anderer staatlicher Ebenen schafft.

Doch auf welches Geld genau zählt man? Der Antrag für Mittel aus dem SWIM-Programm des Landes Hessen ist laut Frank gestellt; dieses Programm allerdings ist weit überzeichnet und dürfte es auf Jahre bleiben, sodass Münster daraus kaum mit einer signifikanten Summe rechnen kann.

Sogar der von der Politik regelmäßig als „Leuchtturm-Projekt“ gefeierte Hallenbad-Neubau in Dieburg, den der gerade mal 200 Mitglieder große Wassersportverein ohne nennenswerte staatliche Bauzuschüsse stemmt, hätte aus „SWIM“ kaum mehr als 100 000 Euro zu erwarten gehabt. Weil die auch noch an eine (zu einer zeitlichen Verzögerung von einem Jahr führenden) europaweiten Ausschreibung verknüpft gewesen wären, verzichtete der WSV Dieburg bei seinem Sieben-Millionen-Projekt fürs Erste ganz auf „SWIM“-Mittel.

Frank hofft darüber hinaus auf Bundesmittel, für die ein konkreter Topf freilich noch nicht parat steht, und den Landkreis Darmstadt-Dieburg. Letzterer ist Schulträger und hat gerade mit Blick aufs Schulschwimmen ein Interesse am Erhalt des Münsterer Bads, zumal es im Ostkreis Darmstadt-Dieburg ansonsten nur noch die Hallenbäder in Dieburg (das neue Sportbad soll am 1. September 2021 eröffnen) und Groß-Zimmern gibt. In Dieburg engagiert sich der Kreis mit einer Bürgschaft für den vom Verein aufgenommenen Millionenkredit sowie der Zusage von festen, zum Status quo im alten Dieburger WSV-Bad am Campus deutlich angehobenen Bahnmieten. Signifikante Zuschüsse für den Bau gewährt der Kreis auch bei diesem sehr besonderen bürgerschaftlichen Engagement – normal baut in Deutschland der Staat die Bäder und kein noch so großer Verein – aber selbst dort nicht.

Da alle Hoffnungen auf große Summen für Münster derzeit also als eher vage bezeichnet werden müssen, bleibt der Gemeinde fürs Erste nur die Wahl zwischen dem weiteren Aufschub des Projekts oder die schnelle Sanierung des Bads auf Pump –samt des Risikos, den Großteil der Schulden auch tatsächlich allein abstottern zu müssen. Eine Prognose, die den Nutzern konkrete Hoffnung auf eine halbwegs absehbare Rückkehr des Schwimmvergnügens in der Gersprenz-Gemeinde machen würde, wagt Frank auf seine letzten Amtstage nicht.

Bei der Frage, wie es so weit kommen konnte, schieben sich der Sozialdemokrat und die oppositionelle CDU die Schuld gegenseitig zu: Frank moniert falsch investiertes Geld zur Amtszeit von CDU-Bürgermeister Walter Blank und verschlossene Augen vor manchem Missstand, etwa beim Brandschutz, der Technik in den Katakomben und der Filteranlage („Man wusste schon damals, dass sie unzureichend war“). Die Christdemokraten werfen Frank vor, das Sicherstellen der Zukunftstauglichkeit des Münsterer Hallenbads vor allem in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit verbummelt zu haben.

Einig sind sich die Protagonisten nur darin, dass die Gemeinde die fast fünf Millionen Euro Planungs- und Sanierungskosten aus eigener Kraft kaum wird stemmen können – im Zuge des finanziellen Aderlasses durch die Corona-Auswirkungen erst recht nicht. (Von Jens Dörr)

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