Vor 80 Jahren errichtet

Zukunft des ehemaligen Muna sieht freundlicher aus

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„Lebensgefahr! Betreten verboten!“: Die Zukunft des der Öffentlichkeit verbotenen Muna-Areals sieht immerhin etwas freundlicher aus. Bald sollen Wisente und Przewalski-Pferde angesiedelt werden und beispielsweise ein Museum und Aussichtspunkte das Gelände der Öffentlichkeit unter kontrollierten Bedingungen wieder erschließen.

Vor 80 Jahren errichtete die Wehrmacht die ehemalige Munitionsanstalt (Muna) in Münster. Jetzt sieht die Zukunft des Areals immerhin freundlicher aus.

Münster – Es gibt Jubiläen, die Grund zur großen Sause bieten, und solche, die vor allem nachdenklich stimmen. Zu letzterer Kategorie gehört der „Runde“, den die ehemalige Munitionsanstalt (Muna) im Ortsteil Breitefeld aktuell hat: Vor 80 Jahren, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, errichtete die Wehrmacht die Anstalt zur militärischen Versorgung ihrer Luftwaffe. Später nutzte die US-Army das 280 Hektar große Areal, das bis heute in weiten Teilen verseucht und für die Menschheit gesperrt ist. Immerhin: Die Zukunft der Muna sieht freundlicher aus.

Ursprünglich hieß die Muna „Lufthauptmunitionsanstalt Dieburg“ und diente den Nazis zur Fertigstellung und Lagerung von Munition ihrer Luftwaffe. Die Munition lagerte in oberirdischen Bunkern – was das riesige Grundstück bis heute größtenteils einer Nutzung entzieht: Denn als die Amerikaner gegen Kriegsende 1945 der Muna immer näher kamen, sprengte die Wehrmacht mehrere Bunker samt Munition in die Luft. Später folgten weitere Sprengungen, was zur Verseuchung des Waldgebiets westlich von Münster führte. Nur stellenweise wurden die Kampfmittel in der jüngeren Vergangenheit beseitigt, die Vollendung dieses viele Millionen Euro teuren Prozesses könnte noch Jahrzehnte andauern. Bis heute weisen Schilder die Öffentlichkeit auf die Lebensgefahr bei Betreten des Areals hin.

Das gehört heute weitgehend dem Bund, den ab 1997 entwickelten, rund 250 Einwohner zählenden Ortsteil Breitefeld einmal ausgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten zunächst die Amerikaner die Muna weiter, die nun statt Dieburg Münster im Namen trug und „Muenster Ammo Depot“ hieß. Die Amerikaner bauten – mit einigem Abstand zu den Munitionsbunkern – eine Kaserne und stellten die Depots im Kalten Krieg auch der NATO zur Verfügung, die dort in den 1980ern sogar Atomwaffen lagerte. Erst Ende 1991 durfte die Region in dieser Hinsicht durchatmen, weil die letzten nuklearen Waffen abgezogen worden waren. Vier Jahre später zogen die Amerikaner ab.

Während die Gefahr einer nuklearen Katastrophe für Münster und die Umgebung also gebannt und das Kasernengelände zu einem Mischgebiet umgewidmet worden ist, stellte sich in den vergangenen Jahren auch die Frage, was man mit dem verseuchten Wald am sinnvollsten tun könnte, wenn ein Ende der Kampfmittelräumung und die Freigabe für den Menschen nicht absehbar sind. Die Antwort hat die dort (gezwungenermaßen) lange in Ruhe gelassene Natur selbst erleichtert: Der Muna-Wald, seine Lichtungen und Gewässer eignen sich als wildes Biotop, das einigen Arten schon seit Jahrzehnten weitgehend unberührte Rückzugsgebiete schafft.

Andere sollen angesiedelt werden: Wisente und Przewalski-Pferde scharren buchstäblich schon mit den Hufen. Naturpädagogische Angebote, etwa ein Museum, ein Erlebnispfad und Aussichtspunkte, könnten der Öffentlichkeit zumindest unter kontrollierten Bedingungen Teile des Muna-Areals wieder erschließen. „Touristisch urbar machen“, nennt dies zum Beispiel Olaf Burmeister-Salg von der Münsterer Wirtschaftsförderung und kann sich auch eine touristische Vermarktung gemeinsam mit dem nahen UNESCO-Welterbe Grube Messel vorstellen.

Bauliche Vorbereitungen auf der Fläche, wo sich der Bund auch deshalb engagiert, weil er ökologische Ausgleichsmaßnahmen für den Bau einer ICE-Strecke nachweisen muss, sind gerade in den vergangenen zwei Jahren vorgenommen worden. Die Gemeindevertreter (Mehrheitsbeschluss zur Erschließung) und die EU (Zuschuss aus dem Förderprogramm Leader für die ersten Personal-, Planungs- und Konzeptausgaben) flankieren die Bemühungen des Bunds mittlerweile. Am 25. Juni (Kulturhalle, Uhrzeit noch offen) sollen das Projekt und die ersten konzeptionellen Schritte in einer Informationsveranstaltung öffentlich und detailliert vorgestellt werden.

VON JENS DÖRR

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