Kein Mann weniger Worte

Jörg Becker liest mit ganzem Körpereinsatz

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Jörg Becker mit Standard-Zubehör: Leselampe, Buch, Wasser und ein Gläschen Rotwein

Münster - Premiere im Foyer der Kulturhalle: Erstmals ist eine Lesung auf Jazz-Pop getroffen. Dafür kamen „der kleine Mann mit Witz“, Jörg Becker, und The Four Dukes nach Münster. Von Peter Panknin 

Wer mal so richtig entspannen will, greift auch heute noch zum gedruckten Buch und liest selbst. Eventuell untermalen dezente musikalische Rhythmen den Leseabend, Genießer gönnen sich dazu noch ein Gläschen Wein. Diese Gedankenwelt brachte die Leiterin der Büchereien Münster und Altheim, Jasmin Frank, und Lena Brunn, im Rathaus der Gemeinde zuständig für das Programm in der Kulturhalle, zusammen. Gemeinsam organisierten sie etwas, das es so bisher noch nicht auf der Bühne gab – eine Lesung mit musikalischer Untermalung im Foyer der Kulturhalle Münster. Für die Lesung konnten die beiden Damen Jörg Becker gewinnen. Becker ist als gebürtiger Hesse kein Mann von wenigen Worten, begann seine berufliche Entwicklung als Jurist, setzte sie als Reiseleiter fort und ist im Augenblick erfolgreich damit beschäftigt, „recht komische Texte“ von Autoren vorzulesen, die er mit eigenen Erfahrungen aus seinem Leben als Reiseleiter anreichert. Gestik und Mimik sind wesentliche Bestandteile seiner Lesungen, die recht plastisch und fantasieanregend in das Ohr des Publikums eindringen. Ergebnis: Die Muskulatur entspannt sich, mindestens ein Lächeln ist die Folge, auch lautes Lachen ist nicht ausgeschlossen.

Natürlich trägt ebenso der Inhalt der Lesung zu dem Ergebnis bei. Dazu nutzt Jörg Becker gerne Texte von Horst Evers – ein neuzeitlicher Autor, der kleine absurde Begebenheiten und Beobachtungen aus dem Alltag zu pointierten und humorvollen Anekdoten verarbeitet. Als Beispiel sei hier die Geschichte des Mannes genannt, der mit seinem Wunsch in der Bäckerei, heute ein Brot von gestern für morgen vorbestellen zu wollen, die Verkäuferin zur Verzweiflung brachte. Wenn es nicht allein der Text war, die Mimik von Jörg Becker brachte die Zuschauer im gut besetzen Foyer der Kulturhalle zum Lachen.

Nicht von Horst Evers, sondern aus Beckers Erfahrungsschatz, erheiterte die Geschichte über eine Bergrettung in Irland das Publikum, denn die Retter suchten zunächst den Berg, dann kam ein Seenotrettungshubschrauber und fand keinen geeigneten Landeplatz. Neben dem Thema „Reisen“ spielten auch die Blöcke „Kinder“ und „Krankheit“ eine erheiternde Rolle. Den Vater, der mit gutem Beispiel vorangehen wollte und daher die bestellte Riesen-Portion Nudeln unter den Augen seines vierjährigen Sohnes aufessen wollte, stellte Becker so überzeugend dar, dass die Zuhörer sogar den Verzehr der letzten Bissen mit lautem Runterzählen untermalten.

Bilder: Fest in der Kulturhalle

Bevor es in die Pause ging, stellten sich die Musiker der Gruppe The Four Dukes vor. Sie stammen aus Mainz, Langen und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, also fast „einheimische Gewächse.“ Alle vier haben ein Musikstudium abgeschlossen, spielen seit etwa fünf Jahren zusammen und haben als gemeinsames Instrument das Saxophon auserkoren. Manuel Weis spielt Alto und Sopran, Christian Hamm das Alto, Alexander Gärtner Bariton und Alexander Hanke Tenor. Gemeinsam bringen sie Stücke aus dem Genre Jazz-Pop zu Gehör, was so manchen Zuhörer zum rhythmischen Schnippen mit den Fingern verleitete. Entspanntes Genießen war angesagt bei Titeln wie „I feel good“ von James Brown oder „Sir Duke“ von Steve Wonder. Auch nach der Pause ging es zunächst mit Musik weiter.

„Spielt noch einen, ich bin noch nicht verkabelt“, bat Jörg Becker seine musikalischen Begleiter, die seinem Wunsch nach dem verklungenem Gelächter aus dem Publikum gerne nachkamen. Der Musik folgten die Themenblöcke Reisen und Krankheit, dargestellt mit Geschichten über Brot in London, den rollbaren Koffer, der sich selbstständig machte, und wie es so ist, wenn man „Blinddarm“ hat und bereit ist, ihn der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Den Abschluss des Abends gestalteten nochmals The Four Dukes mit zahlreichen Stücken aus ihrem gekonnt gespielten Repertoire. Nach den fälligen Zugaben der Musiker und von Jörg Becker machte sich ein gut gelauntes, hochzufriedenes Publikum auf den Heimweg. Viele Stimmen wünschten sich, mehr solche Veranstaltungen in Münster.

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