Aber Ängste bei Bewohnern in den Kreis-Heimen

„Keine Coronainfizierten in Asyl-Unterkünften“: Helfervereine haben kaum noch Kontakte

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Münsters großes Flüchtlingsheim in der Goebelstraße: Noch gibt es im ganzen Kreis keinen Fall von Coronainfektion bei den über 2800 Asylbewerbern, doch herrschen in den Unterkünften Verunsicherung und Ängste.

Knapp 260 Flüchtlinge leben derzeit in den beiden Kommunen, momentan ziemlich isoliert. Denn die Hilfsvereine haben kaum Kontakte zu den Flüchtlingen in Corona-Zeiten. 

Münster/Eppertshausen – Aus dem Landkreis signalisieren die Verantwortlichen des Fachbereichs Zuwanderung und Flüchtlinge aber vorsichtige Entwarnung: Bislang habe es in keinem Heim im Landkreis, der zur Zeit 2802 Geflüchtete betreut, einen Fall von Corona gegeben. Einzig eine Person befinde sich derzeit in Quarantäne zur Beobachtung.

Jan Stemme, Vorsitzender des Ende Juli 2015 gegründeten Vereins Arbeitskreis Asyl in Münster, bedauert, dass der Verein seit Wochen nahezu überhaupt keinen Kontakt mehr zu Flüchtlingen habe, die überwiegend im eigens dafür gebauten Haus in der Goebelstraße und in angemieteten Wohnungen in der angrenzenden Darmstädter Straße untergebracht seien. Erst kürzlich seien zwölf neue Flüchtlinge in Münster untergebracht worden, zu denen man noch überhaupt keinen direkten Kontakt habe herstellen können.

In Hintergrund arbeite man aber weiterhin der Vereinsklientel zu, wo immer es gehe, sagt Stemme. Für die momentan 170 Flüchtlinge schaue man, was man an Zuschüssen organisieren könne, sorge sich um kleinere Investitionen, die den Menschen das Leben in schweren Zeiten erleichtern helfen. So sei es erst dieser Tage gelungen, 750 Mund-Nase-Masken über die Firma Danmedics aus dem Ortsteil Breitefeld „praktisch zum Selbstkostenpreis“ für die Asylbewerber zu erstehen.

Der Asylkreis besteht aus etwa 30 Mitgliedern, von denen ein Drittel aktiv ist. Doch die engeren Kontakte, beispielsweise über die Hausaufgabenhilfe, sind praktisch vollends zum Erliegen gekommen. Einzig ab und zu fällt noch eine betreute Ärztefahrt an, dann aber unter allen dazugehörigen Sicherheitsbeschränkungen.

Spezifische Probleme mit den Flüchtlingen im Kreisgebiet in Bezug auf die Coronapandemie seien bisher nicht zu verzeichnen gewesen, heißt es aus der Kreisverwaltung auf Nachfrage. Und bei dem derzeit einzigen Quarantänefall in einer Kreisunterkunft handele es sich um einen Reiserückkehrer aus dem Ausland, der in einer seperaten Wohnung untergebracht sei. „Bisher gibt es keine Infizierten in Unterkünften“, heißt es.

Doch hätten die Geflüchteten „natürlich Ängste und sie sind auch verunsichert in dieser Zeit. Sie gehen aber sehr verantwortungsbewusst mit der Situation um,“ berichten die zuständigen Stellen im Kreisamt. Viele Asylanten hätten Kontakte in ihre Heimatländer, beispielsweise in den Iran oder in Flüchtlingslager in anderen Länder, in denen die Situation sehr viel dramatischer sei.

Belastend wirkt sich dennoch auch hier das Besuchsverbot in den Unterkünften aus, geregelt in Pandemiezeiten durch die Verordnung des Landes: „Die Kontakte der Mitarbeitenden und der Geflüchteten erfolgen hauptsächlich per Mail und Telefon“, informiert der Kreis, und alle übrigen geltenden Hygieneregeln müssen eingehalten werden. In allen Unterkünften sei frühzeitig umfassend und mehrsprachig über alle Regeln und Verordnungen informiert worden.

VON THOMAS MEIER

Um sie vor einer Corona-Infektion zu schützen hat eine Flüchtlingshelferin aus dem Kreis Offenbach eine syrische Familie bei sich zu Hause aufgenommen.

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