Buch von Autor Thomas Fuhlbrügge

Krimi „Muna“: Eine fiktive Geschichte, die voller historischer Fakten ist 

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Befasst sich in seinem vierten Roman „Muna“ mit einem der geheimnisvollsten Orte der Region: der Altheimer Autor Thomas Fuhlbrügge.

Der Altheimer Autor Thomas Fuhlbrügge erzählt in seinem neuen Krimi „Muna“ eine fiktive Geschichte, die zugleich voller historischer Fakten ist. Stilistisch ist das Buch ein Schritt nach vorn.

Münster – Ohne dass er’s beabsichtigte, hat Autor Thomas Fuhlbrügge den optimalen Veröffentlichungstermin für seinen neuen Münster-Altheim-Krimi gewählt: Just in den Tagen, da in der ehemaligen Munitionsanstalt das Renaturierungsprojekt von Bund, Bahn und Gemeinde mit der Ansiedlung von sechs Wisenten die nächste Stufe erreicht hat, ist sein Buch „Muna“ erschienen. Das 341-seitige Werk (als Taschenbuch erhältlich bei Books on Demand, ISBN 9783751907934) ist der vierte Roman des Altheimers und der dritte mit Lokalbezug.

Der könnte gerade bei „Muna“ – wie schon bei den historischen Münster-Altheim-Krimis „Gassenspieß“ und „Massengrab“ sowie beim im Pazifik spielenden Krimi „Nauru“ reicht Fuhlbrügge für den Buchtitel ein Wort – kaum größer und aktueller sein. Einen Moment lang habe er sogar überlegt, seinen Roman erstmals im Heute spielen zu lassen. „Aber da passiert ja gerade nicht so viel“, habe er sich im vergangenen Jahr gesagt, als der 45-Jährige sein neues Projekt begann.

Also verfrachtet Fuhlbrügge, der seine Brötchen als Lehrer an der Babenhäuser Bachgauschule verdient und für den das Schreiben ein (ambitioniert betriebenes) Hobby ist, seine Geschichte ins Jahr 1996. Kurz zuvor hatten die Amerikaner die Muna verlassen, ein Jahr später sollte Münster mit der Entwicklung des Ortsteils Breitefeld beginnen. Die letzten Atomwaffen waren bereits 1991 abgezogen worden, in der Region hatte das für Aufatmen gesorgt. Was der Altheimer Autor mittlerweile sehr gut nachvollziehen kann: „Wenn man bestimmte Fachbücher liest, wird einem schon ein bisschen bange, wie die Amerikaner mit ihren Nuklearwaffen umgegangen sind. Es gab ja auch in Münster Unfälle.“

Wobei die 81-jährige Historie der als Luftwaffen-Munitionsanstalt von den Nazis gegründeten Militärstätte längst nicht so umfassend erforscht und dokumentiert sei, wie man das vermuten könnte. „Als ich recherchiert habe, was man so alles über die Muna finden kann, habe ich festgestellt, dass es dazu gar nicht so viel gibt“, berichtet Fuhlbrügge. Der Münsterer Wilhelm Schledt half ihm mit einigen Zeitungsartikeln weiter, Kai Herd vom Heimat- und Geschichtsverein, der mal zur Muna ausgestellt hatte, tauchte für ihn ins Archiv ab. Fuhlbrügge zapfte aber auch andere Quellen an: „Ich hatte unter anderem Kontakt zu einem Schatzsucher, der illegalerweise schon mal auf dem Gelände war.“

Selbst hat Fuhlbrügge das verbotene, längst nicht komplett entmunitionierte und damit teils lebensgefährliche Areal noch nie betreten. „Das ist auch gar nicht schlimm“, sagt er mit Blick auf sein Buch. „Mein Krimi hat ja wieder einen historischen Kern, die Geschichte selbst ist aber rein fiktiv.“ Ohne seinen persönlichen Besuch im geheimnisvollen Muna-Wald, in den alten Bunkern oder an den durch Sprengungen entstandenen Tümpeln könne er seiner Fantasie noch besseren Gewissens freien Lauf lassen.

Die Story lässt der Altheimer 1996 während der Fußball-EM spielen, leitet sie aber durch den RAF-Anschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt drei Jahre zuvor ein. Auslöser des Falls, den Hauptfigur Kommissar Rüssmann beackert, ist eine Explosion auf dem Muna-Areal, die zunächst einem Blindgänger zugeschrieben wird. Die zerfetzte Leiche eines jungen Mannes, die der Protagonist vor Ort verdeckt, führt aber zu ganz anderen Erkenntnissen – und einem tödlichen Geheimnis, das die Muna zumindest in Fuhlbrügges Werk birgt.

In das lässt der Schriftsteller, der auch schon Kinderbücher und religionspädagogische Ratgeber geschrieben hat, wie gewohnt seinen schwarzen Humor einfließen. Früher unterrichtete er an der Alfred-Delp-Schule in Dieburg, „da erlaube ich mir einen satirischen Blick auf meine früheren Kollegen“, lächelt er. Lokales kommt in „Muna“ in Serie vor, vom Altheimer Lädchen bis zur Münsterer Feuerwehr. „Ich denke, es werden sich in meinem Buch eine Menge Leser entdecken und wiederfinden“, sagt Fuhlbrügge, und man merkt, dass ihm diese Vorstellung Vergnügen bereitet.

Stilistisch sieht er indes eine Entwicklung, die man als Leser im Vergleich etwa mit dem Vorgängerroman „Massengrab“ nachvollziehen kann: Fuhlbrügges Sprache ist – ausgehend von schon vorher hohem Niveau – durch kürzere Sätze und das Ausmerzen von Füllwörtern noch dichter und flüssiger zu lesen geworden. Was nicht von ungefähr kommt: Inzwischen gehört der Familienvater aus dem Münsterer Ortsteil einer Autorengruppe an, die sich monatlich trifft und sich stilistisch auf den Zahn fühlt. „Diejenigen, die ,Muna’ schon gelesen haben, finden, dass das Buch noch besser ist als die vorherigen“, lauten Fuhlbrügges bisherige Rückmeldungen.

Natürlich sei auch der Stoff ein dankbarer gewesen: „Ein geheimer Ort direkt vor der Haustür, ein weißer Fleck auf der Landkarte: Das lechzte einfach danach, fiktiv und zugleich mit historischen Fakten in eine Geschichte gepackt zu werden.“ Deren Details und Ausgang sollen auch diesmal hier nicht verraten werden.

Was anderes verrät Thomas Fuhlbrügge aber bereits jetzt, mit Blick auf die bald errichtete Aussichtsplattform auf dem Muna-Areal: „Ich stelle mir vor, wie ich dort stehen werde, mir die Landschaft betrachte und meine erfundene Geschichte ins Gedächtnis rufe.“

VON JENS DÖRR

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