Allgemeinheit muss zahlen

„Problem immer schlimmer“: Mehr illegaler Müll in der Corona-Krise

Ein unschönes Problem hat sich in Corona-Zeiten in Münster noch verstärkt: Wilder Müll. Es werde immer schlimmer, sagen Beobachter.

  • In der Corona-Krise landen haufenweise Plastikverpackungen illegal in der Umwelt
  • Das Problem hat sich in Münster (Kreis Darmstadt-Dieburg) verstärkt
  • Nicht nur bei Bürgern sorgt der illegale Müll für Ärger

Münster – Überquellende Altkleidercontainer und öffentliche Mülleimer, im Wald entsorgte Reifen oder Bauschutt, massenweise Garten-Grünschnitt am Straßenrand: Auch in Münster (Kreis Darmstadt-Dieburg) häuft sich, wie in vielen anderen Kommunen, im wahrsten Sinne des Wortes ein Problem, das für viel Ärger sorgt – und für das die Allgemeinheit am Ende bezahlen muss: durch steigende Müllgebühren.

Münster (Darmstadt-Dieburg): Corona-Krise verschärft Müllproblematik

Die Corona-Krise hat die Müll-Problematik in Münster noch einmal verschärft: Da die Restaurants Essen über mehrere Wochen nur zum Mitnehmen anbieten durften, landeten haufenweise Plastikverpackungen in der Landschaft, zudem waren die meisten Deponien in der Region zeitweise geschlossen. Die Müllabfuhr und die Leerung von Altglas- und Altkleidercontainern erfolgten jedoch auch während dieser Zeit regelmäßig. Und seit einigen Wochen sind auch die Deponien wieder geöffnet. Dennoch wird derzeit regelmäßig illegal Müll entsorgt, im großen wie im kleinen Stil. Erst kürzlich stieß der gemeindliche Bauhof auf 140 alte Autoreifen und 300 Kilogramm Fleischreste, die im Wald entsorgt worden waren. Auch gefährliche Stoffe wie Dämmmaterial und anderer Sondermüll wird regelmäßig entdeckt.

„Wir beobachten in den letzten Jahren, dass dieses Problem immer schlimmer wird, auch ganz unabhängig von Corona“, sagt Thomas Szamatulski, Leiter des Münsterer Bauhofs. Er und sein Team werden von Bürgern häufig auf das Problem angesprochen. Jedoch kann der Bauhof in den allermeisten Fällen auch nicht mehr tun, als ein Entsorgungsunternehmen anzufordern, das den Unrat beseitigt. Der Bauhof ist nicht die gemeindliche Müllabfuhr. Zwar kümmert sich das Team um die Leerung der Mülleimer im Gemeindegebiet – eine Tour, die oft täglich gefahren wird – allerdings ist das nur eine von vielen Aufgaben.

Corona-Krise in Münster: Nicht nur bei den Bürgern sorgt der wilde Müll für Ärger

Während der kritischen Phase der Corona-Zeit zwischen März und Mai kam noch erschwerend hinzu, dass das Bauhofteam in Münster mit weniger Mitarbeitern unterwegs war, um Infektionsrisiken untereinander möglichst auszuschließen und Risikogruppen zu schützen. Mittlerweile sind zwar wieder mehr Mitarbeiter im Einsatz, doch auch im weitgehenden Normalbetrieb bleibt es schwer, dem Müllproblem neben allen anderen Aufgaben Herr zu werden. Viel Zeit kostet bei der anhaltenden Trockenheit auch in diesem Jahr die Wässerung der Bäume und Pflanzen im Gemeindegebiet.

Der wilde Müll während Corona in Münster sorgt nicht nur für Frust bei Bürgern, die sich bei der Gemeindeverwaltung beschweren, sondern auch beim Bauhofteam selbst. „Oft leeren wir vormittags die Mülleimer, aber nachmittags sind sie schon wieder randvoll mit Säcken voller Hausmüll – für die Bürger sieht das dann so aus, als hätten wir die Eimer überhaupt nicht geleert“, schildert Szamatulski. Eine Sisyphos-Arbeit, die am Ende teuer zu stehen kommen kann. Je öfter der ZAW externe Entsorgungsunternehmen beauftragen muss, um große illegale Müllablagerungen zu beseitigen, desto mehr Kosten entstehen – und schlagen sich früher oder später in steigenden Abfallgebühren im gesamten Landkreis nieder.

Wichtig auch in der Corona-Krise: Münster bittet seine Bürger den Müll korrekt zu entsorgen

Eine andere Handhabe als dringende Appelle an das Gewissen eines jeden einzelnen hat die Gemeinde Münster nicht. Überlegungen wie eine Videoüberwachung von Container-Standorten oder dauernde Kontrollen sind aus organisatorischen, datenschutzrechtlichen oder personellen Gründen nicht möglich. „Die Gemeinde bittet daher alle Bürger dringend, im Sinne der Umwelt und der Solidarität untereinander Abfall korrekt zu entsorgen“, betont Bürgermeister Gerald Frank.

Hausmüll gehört getrennt in die schwarze, blaue oder grüne Tonne oder den gelben Sack, nicht in öffentliche Mülleimer. Altglas- und Kleidercontainer sind im gesamten Gemeindegebiet verteilt. Wenn diese wirklich mal voll sind, muss das Leergut wieder mitgenommen und bis zur nächsten Leerung abgewartet werden – und es draf nicht einfach massenweise Unrat neben den Containern abgeladen werden.

Müllproblem in Münster wegen Corona: Sonderabfälle können beim Bauhof abgegeben werden

Für Bauabfälle gibt es die Bauabfallsammelstelle im Feld Richtung Eppertshausen (samstags von 8 bis 14 Uhr), Klein-Elektroschrott, Batterien und Co. können beim Bauhof abgegeben werden (dienstags 15 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 7.30 bis 9 Uhr). Zudem besteht die Möglichkeit, telefonisch oder online Sperrmüll oder Elektroschrott beim ZAW anzumelden.

Weitere Informationen zum Thema Mülltrennung und -entsorgung gibt es im Internet auf zaw-online.de.  

tm

Auch ein Feldweg bei Münster war mit illegalen Abfällen zugemüllt. Der Gemeinde reichte es, sie griff durch.

Eigentlich wollte er nur einen Motorradtrip machen. Wegen der Corona-Krise sitzt ein 41-Jähriger Mann aus Münster seit Mitte März in einem kleinen marokkanischen Dorf fest. Wer nach einer lauen Sommernacht durch Frankfurt radelt, muss sich durch haufenweise zerbrochene Flaschen und Plastikmüll hindurchschlängeln. Ein Grund ist die Corona-Krise,wie fnp.de* berichtet.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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