Abenteurerin Margot Flügel-Anhalt zu Gast in Münster

Mit dem Motorrad 18.000 Kilometer durch Asien

Margot Flügel-Anhalt und Johannes Meier stellten sich und ihren Film „Über Grenzen“ im Münsterer Kino vor.
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Margot Flügel-Anhalt und Johannes Meier stellten sich und ihren Film „Über Grenzen“ im Münsterer Kino vor.

Margot Flügel-Anhalt aus Nordhessen ist 18.000 Kilometer mit dem Motorrad durch Asien gefahren. Von ihren Erfahrungen erzählte sie in einem Kino in Münster.

Münster - Im Jahr 2003 brachte der japanische Motorradhersteller Honda das Modell XR 125 L auf den Markt. 15 Jahre später fand eine der spritzigen kleinen Enduros mit nur elf PS ihre wahre Bestimmung auf einer mehr als 18. 000 Kilometer langen Tour durch Asien. Im Frühjahr 2018 beschloss Margot Flügel-Anhalt über Polen und die Ukraine bis Kasachstan, Iran und Afghanistan zu reisen.

Dabei wollte die reise- und abenteuerlustige Nordhessin gar nicht auf zwei Rädern, sondern auf vier Beinen unterwegs sein. Anstelle eines Motorrades sollte ein Muli gesattelt werden. Doch das Vorhaben scheiterte an den Gebirgsjägern der Bundeswehr, die keines ihrer zähen kleinen Tragetiere entbehren konnten. „Das hat mir in letzter Instanz sogar der Oberbefehlshaber des Tragetierwesens der Bundeswehr gesagt“, berichtete Flügel-Anhalt nun im Kino Kaisersaal-Lichtspiele in Münster.

Dort stellte Flügel-Anhalt mit Regisseur Johannes Meier im Rahmen der „Internationalen Wochen“ den Kinofilm vor, der aus ihrer mehrmonatigen Reise entstanden ist. „Über Grenzen“ heißt der Film, der kein einfaches Reisetagebuch sein soll, wie Meier erklärte. „Es ging eher um das Vorwärtskommen als Abenteuer. Um die Begegnung mit Menschen in einem ganz anderen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontext.“ Der Film zeige die Perspektive einer Durchreisenden.

„Über die Grenzen“

Tatsächlich habe es sehr erhellende und ungefilterte Begegnungen gegeben. „Der Film wirft ein Licht darauf, wie Menschen in einem Regime leben, wie sie auf eine freie Frau reagieren, die mit einem Motorrad unterwegs ist. Und das in Ländern, in denen Frauen nicht selbstständig Auto fahren dürfen, von einem Motorrad ganz zu schweigen“, erzählt Flügel-Anhalt. Dass die 64-Jährige auf ein Bike steigen konnte, liegt an einer Gesetzesänderung, die vor einigen Jahren in Deutschland in Kraft trat.

„Ich habe meinen Klasse-3-Führerschein 1972 gemacht und gehöre damit zu jenen Menschen, die auch ohne Motorradführerschein ein Motorrad bis 125 Kubikzentimeter Hubraum fahren dürfen“, erklärt sie. Ihr Sohn habe sie darauf aufmerksam gemacht. „Als ich erfuhr, dass ich ein kleines Motorrad fahren darf, habe ich einige Fahrstunden genommen, und beschlossen, meine Reise auf zwei Rädern zu machen.“

Eine Tour Richtung Osten sei schon lange ein Wunsch gewesen. „Sonst habe ich mich immer nach Westen bewegt, meist zu Fuß. Aber dort ist man schon nach recht kurzer Strecke am Atlantik, der jede Reise beendet.“ In der entgegengesetzten Richtung gibt es zumindest keinen Ozean, der die Reise beenden könnte. Dafür musste Flügel-Anhalt einige „krasse Offroad-Strecken“ bewältigen. Musste? „Ja, ich wusste, dass ich mich einigen physischen und psychischen Herausforderungen stellen muss, und wollte es auch durchziehen.“ Besonders anstrengend, auch für das kleine Motorrad, sei die Überquerung des mehr als 4 000 Meter hohen Pamir-Gebirges gewesen. Auf diesem Abschnitt war das Film-Team dabei, das nur zwölf der 117 Reisetage begleitete.

Mit der Helmkamera gefilmt

„Den größten Teil der Reise war ich allein und habe mit einer Helmkamera oder dem Handy gefilmt“, erzählt die spät berufene Bikerin. Immer wieder hätten sich Fragen und besorgte Gedanken aufgedrängt: Wird es einen Unfall geben? Wird das Motorrad durchhalten? Gerät sie in ein Attentat, wie jenes, von dem einige andere Reisende berichteten? Zwar habe sie einen Unfall gehabt. „Aber ich bin unversehrt zurückgekommen“, erzählt sie. „Zusammen mit vielen unvergesslichen Eindrücken und der Erkenntnis, dass wir hierzulande in großem Luxus leben, Meinungsfreiheit genießen und einen Schutzraum haben.“

Für die Kino-Betreiber, die Familie Müller-Herzing, waren die Filmvorführungen – besonders jene mit Protagonistin und Regisseur – ein großer Erfolg. Die zugelassene Zahl der Kinobesucher wurde an fast allen Terminen erreicht und mit ihnen wurde auch das Interesse der Menschen an dem mit großer Leidenschaft geführten Kino deutlich. (zeta)

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