Nach Abschied: Frank will kein Mandat mehr

Münsters Noch-Bürgermeister zieht sich nach der Amtsübergabe aus der Lokalpolitik zurück

Will nach seinem Abschied aus dem Rathaus-Chefsessel kein politisches Mandat in Münster mehr übernehmen: Bürgermeister Gerald Frank, der die Geschäfte Ende September an Wahlsieger Joachim Schledt übergibt.
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Will nach seinem Abschied aus dem Rathaus-Chefsessel kein politisches Mandat in Münster mehr übernehmen: Bürgermeister Gerald Frank, der die Geschäfte Ende September an Wahlsieger Joachim Schledt übergibt.

Gerald Frank strengt keine Kandidatur mehr fürs Parlament an. Und auch Abteilungsleiter Olaf Burmeister-Salg verlässt das Rathaus.

Münster – Am 28. September übergibt Gerald Frank (SPD) nach der verlorenen Bürgermeister-Wahl sein Amt an den siegreichen Nachfolger Joachim Schledt (parteilos). Es ist nicht nur der Abschied vom Chefsessel im Rathaus, den der 61-Jährige damit vollzieht: Auch sonst will Frank in der Münsterer Lokalpolitik kein Mandat mehr übernehmen.

„Ich habe das Ganze mit Leidenschaft betrieben und hätte es gern sechs Jahre mit Power weitergemacht“, sagt der scheidende Bürgermeister, der bei der Zwei-Mann-Wahl Ende April zwar absolut gesehen mehr Stimmen erhielt als bei seinem Sieg gegen drei Konkurrenten 2014, relativ gesehen aber mit einem Anteil von 43 Prozent das Nachsehen gegenüber Schledt hatte.

Das Votum der Wähler hat Frank akzeptiert und wirft sich selbst wenig vor: „Ich habe alles nach bestem Wissen und Gewissen gemacht und hatte auch das Gefühl, ein gutes und offenes Verhältnis zu den Menschen zu haben.“ Unter anderem aus seinen Sprechstunden seien „viele mit einer Lösung rausgegangen“. Er hoffe, die Münsterer hätten gespürt, „dass ich mich als Anwalt der Bürger verstanden und pragmatisch gehandelt habe“.

Wieso er dann trotzdem verloren habe, was Amtsinhabern bei Bürgermeister-Wahlen in Deutschland seltener passiere als ihre Wiederwahl? „Ich bin nicht unnahbar“, geht Frank auf einen oft zu hörenden Vorwurf ein. „Allerdings bin ich auch nicht der Kumpel, der gleich zu jedem Du sagt.“ Dass man manches hätte anders machen können, wisse man im Nachhinein immer besser, sagt Frank allgemein. Und räumt ein, angesichts seiner Wahlniederlage „vielleicht ein bisschen verletzt“ zu sein.

Während es noch offen sei, wie es für ihn ab Oktober beruflich weitergehe, hat Gerald Frank seine kommunalpolitische Zukunft in Münster schon entschieden: Er bleibe zwar „ein politischer Mensch“, werde in der Gemeinde aber kein Mandat mehr anstreben. „Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, antworte ich gern“, sagt er mit Blick auf den künftigen Austausch innerhalb des SPD-Ortsverbands. Er schließe aber aus, dass er sich auf der sozialdemokratischen Liste bei den Hessischen Kommunalwahlen im März 2021 um einen Platz in der Gemeindevertretung bewerbe. Dies sollte ein Bürgermeister a.D. am besten grundsätzlich nicht tun, findet Frank. Jegliche kritische Äußerung am neuen Rathaus-Chef könne dann als Retourkutsche für den Wahlkampf oder den Amtsverlust missverstanden werden. Außerdem wisse er es „zu schätzen, dass ich meine Freizeit wieder frei gestalten kann und abends nicht mehr in die Sitzung muss“.

Zu einer gewissen Kollegialität gehört es auch, den Amtsnachfolger zwar nicht klassisch wochenlang einzuarbeiten, ihm im Vorfeld des Antritts aber doch Rede und Antwort zu stehen und gewisse Einblicke zu ermöglichen. Für die nächsten Wochen haben Gerald Frank und Joachim Schledt dazu mehrere Gesprächstermine vereinbart, was Schledt ausdrücklich lobt. Ein wenig aufgestoßen war dem Bürgermeister in spe zuletzt hingegen ein von Frank ausgesprochenes „Kontaktverbot mit den Mitarbeitern der Gemeinde“. Dies, so Schledt, habe es ihm bislang erschwert, erste Bande zu seinen neuen Verwaltungskollegen zu knüpfen.

Noch ehe der alte Bürgermeister Ende September seinen Stuhl im Rathaus räumt, verlässt eine andere Führungskraft die Gemeinde: Auf eigenen Wunsch hin geht Ende August Olaf Burmeister-Salg. Er war Abteilungsleiter für die Wirtschaftsförderung, die Kultur, den Sport und die Öffentlichkeitsarbeit, spielte zuletzt unter anderem bei der Ansiedlung neuer Unternehmen im „Seerich“ eine zentrale Rolle. Laut Gerald Frank steht der Nachfolger von Burmeister-Salg noch nicht fest. Womöglich werde seine Stelle nicht mit einem externen Zugang neu besetzt, sondern die Aufgaben aufs bestehende Personal verteilt. (Von Jens Dörr)

Verlässt Ende August die Gemeinde: Olaf Burmeister-Salg, Abteilungsleiter für die Wirtschaftsförderung, die Kultur, den Sport und die Öffentlichkeitsarbeit.

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