Veranstaltung

Rund 120 Interessierte bei Präsentation zu Muna-Planungen in aufgeheizter Kulturhalle

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In wahrlich aufgeheiztem Hallenfoyer verfolgten rund 120 Bürger die Präsentation des naturpädagogischen Muna-Projektes.

Dafür, dass es sehr heiß war im Foyer der Kulturhalle, kamen unerwartet viele Besucher zur Präsentation dessen, was schon bald alles auf dem ehemaligen Muna-Gelände passieren soll. Über 100 Stühle hatte Udo Schneider Dienstagabend gestellt, nochmals 20 holte er hinzu.

Münster – Der Ansturm dürfte die Veranstalter freuen, zeigt es doch, dass Tiere selbst bei tierischer Hitze noch die Menschen bewegen und interessieren. Dies belegten auch die vielen Fragen, die aus Besucherreihen kamen.

Die wichtigsten Antworten zuerst: Bereits im kommenden Frühjahr sollen sich eine Herde von zehn bis zwölf Wisenten auf dem 260 Hektar großen Areal tummeln, plus ein halbes Dutzend Wildpferde. Mit der Errichtung eines naturpädagogischen Museums soll umgehend begonnen werden, es wird in einem der verbliebenen Bunker untergebracht. Dabei vergessen die Planer auch nicht die Geschichte der ehemaligen Munitionsfabrikation und die Zeit unter US-Regentschaft. Die Finanzierung ist bis 2021 gesichert.

Bürgermeister Gerald Frank freute sich über den großen Zuspruch der Veranstaltung. Olaf Burmeister-Salg von der Abteilung Wirtschaftsförderung und die extra eingestellte Projektkoordinatorin Anna Wojtusch stellten in einer mit vielen Grafiken und Bildern bestückten, gut zwanzigminütigen Leinwand-Präsentation die geplanten Abläufe vor (wir berichteten ausführlich). Und dann durfte auch schon die Besucherschar ihre Fragen loswerden. Die Infrastruktur beschäftigte die Bürger am meisten. Und so verwunderte die erste Frage nach der geplanten Zuwegung zum neuen Erlebnispark mit pädagogischen Hintergrund nicht. Burmeister-Salg zeigte an Planskizzen den 1,4 Kilometer langen Weg über die Tongrubenschneise nahe des Freizeitzentrums Münsters auf. Barrierefrei solle der Zugang zu den naturpädagogischen Angeboten gestaltet werden, doch verdeutlichte der Planer, dass der Weg, der sich derzeit nach den Sturmschäden noch in miserablem Zustand befindet, überwiegend zu Fuß erlaufen werden soll. Keinesfalls sei ein individueller Autoverkehr bis ins Zielgebiet geplant, wenngleich per Pkw und in Bussen etwa Behinderte und Kindergartengruppen bis zum Museum transportiert werden sollen, denen man den langen Weg zu Fuß nicht zumuten könne. Die Schneise werde deshalb auch nicht asphaltiert, sondern mit einer wassergebundenen Decke versehen.

Dies führte zur Folgefrage: „Wie hat sich die Gemeinde denn die Parksituation dort vorgestellt?“ Burmeister-Salg verwies auf den großen Wendehammer vor der Tongrubenschneise, dort sei problemlos Platz für 30 bis 40 Autos zu schaffen. Er unterstrich dabei aber auch, dass man an normalen Tagen nicht mit Anstürmen rechne und auch pro Woche bislang höchstens zwei Bustouren angedacht seien.

Hier wurde die Eigentumsfrage ins Spiel gebracht. Das Areal gehöre der Bundesanstalt für Immobilien (BimA) und bleibes es auch, lautete die Antwort. Es würden allerdings verbindliche Pacht- und Gestattungsverträge geschlossen.

Eine Schrankenlösung komme nicht in Frage, lautete eine Antwort. Schließlich müssten Einsatz- und Rettungsfahrzeugen der Weg offen gehalten bleiben, zudem diene die Schneise nach wie vor Wanderern und Radfahrern, um beispielsweise von und nach nach Dieburg oder Messel zu gelangen.

Koordinatorin Wojtusch ergänzte, dass der Weg bereits zum pädagogischen Konzept gehöre. An Halteschneisen und Ausweichbuchten sollen Schautafeln zu Flora, Fauna und Geschichte des Areals informieren.

Ob das alles mit dem Naturschutz vereinbar sei, wurde gefragt. Man arbeitete eng mit der Unteren Naturschutzbehörde zusammen, alle Auflagen würden erfüllt, und auch Hessen Forst als Partner achte darauf.

Die Frage, wie viel Personal gebraucht wird und wer dies bezahle, kam auf. Bis 2021, so Burmeister-Salg, sei dies bereits geklärt und das Projekt mit Mitarbeitern versorgt. Wojtusch, die eigens dafür eingestellt wurde, erklärte, dass später freilich einiges ehrenamtlich, etwa vom noch zu gründenden Verein, abgedeckt werden sollte. Außerdem könnten durch Sponsoring eventuell 450-Euro-Kräfte bezahlt werden.

„Keine finale Aussage“ wollten die Präsentatoren treffen zum Nachgehakten: „Heißt das, es kommen keine Kosten auf uns Bürger zu?“

Die emotionalsten Anfragen kamen zum Schluss. Nachdem Bilder verdeutlicht hatten, dass aus ehemaligen gesprengten und mit Wasser vollgelaufenen Bunkern bald Tränken für Bison- und Wildpferdherden werden, mehrfach erwähnt worden war, dass eine komplette Entmunitionierung des Gesamtareals in absehbarer Zeit nicht vorgesehen sei, wollte eine Frau wissen: „Habt ihr keine Angst, dass ein Wisent mal versehentlich auf Munitionsreste trampelt?“

„Das Risiko, dass Tiere auf etwas treten können, ist da“, gab Wojtusch unumwunden zu. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiere, sei sehr gering. Teile des Geländes seien sondiert, dort, wo Publikum hin dürfe, sei garantiert alles Gefährliche entfernt worden, und auch die Weiden der Tiere seien augenscheinlich frei. „Wir hoffen, das nichts passiert“.

VON THOMAS MEIER

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