Technische Mängel

Schließung des Hallenbads in Münster trifft Triathleten hart

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Ins Dieburger Trainingsbad wich der VfL Münster fürs Triathlon-Feriencamp raus. Am Beckenrand steht Trainer und stellvertretender Vorsitzender Andreas Kropp. Im regulären Betrieb muss der Verein wegen der Schließung des Münsterer Bads derzeit mit wesentlich weniger Wasserzeit auskommen.

An der öffentlichen Begehung des wegen technischer Mängel derzeit geschlossenen Münsterer Hallenbads hat Andreas Kropp aus zweierlei Gründen nicht teilgenommen.

Münster – „Ich hätte meinen Mund nicht halten können“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des VfL Münster zum einen. Zum anderen fungierte er während der zweiten Herbstferien-Woche zusammen mit Joshua Steinmetz als Trainer des Triathlon-Camps des Vereins und war dabei sowohl mittags als auch abends eingespannt (siehe Infokasten).

Den VfL treffen die infrastrukturellen Probleme an Münsters Sportstätten wie kaum einen zweiten Verein im Ort und der Region. Im Frühjahr behinderte die Sanierung des Gersprenzstadions die Triathleten länger als erwartet – und aus Sicht des Vereins auch länger als nötig. Besonders der Baufirma machte der VfL damals Vorwürfe, darüber hinaus dem Rathaus für eine mangelhafte Informationspolitik. Die Gemeinde wiederum verwies auf die nicht immer zuverlässige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Das schob den Schwarzen Peter dem Wetter zu, das keine schnellere Durchführung der Arbeiten zugelassen habe.

Während dem VfL zwar vor den nächsten Sanierungsschritten im Stadion graut, der Verein mit Blick aufs Laufen aber mit dem Ausweichen auf die (nicht der Norm entsprechende, weil zu kurze) Kunststoff-Bahn auf dem städtischen Sportplatz in Dieburg und Einheiten in Wald und Flur behelfen könnte, „trifft uns die Schließung des Münsterer Hallenbads mit voller Wucht“, wie Kropp herausstellt.

Schließung des Hallenbads in Münster: Folgen für 40 Athleten

„Das ist für uns das wesentlich größere Problem“, sagt er und ist auch deshalb verärgert, weil es ihm zu verstehen schwerfällt, wie die Beteiligten in Bad und Rathaus offenbar jahrelang über gravierende Mängel in der Münsterer Liegenschaft hinwegsehen konnten.

Die 80 Triathleten des VfL, von denen 40 regelmäßig ins Training kommen, sehen sich derzeit mit den Folgen konfrontiert. „Uns fehlen Wasserzeiten“, stellt Kropp das Problem heraus. Schließlich ist das Schwimmtraining der Athleten besonders an feste Zeiten und vom Verein fest gemietete Bahnen gebunden. Die im Münsterer Hallenbad neben 17 schulischen Nutzern aktuell und auf noch nicht konkret absehbare Zeit auch den Vereinen fehlen.

Wobei die VfL-Regie alle Hebel in Bewegung setzte, als das Malheur bekannt wurde: Die Münsterer nahmen Kontakt zum Wassersportverein Dieburg auf, der in der Nachbarschaft noch bis Ende 2020 das Trainingsbad am Campus (das dann abgerissen wird, der WSV errichtet einen Sportbad-Neubau neben dem Dieburger Freibad) betreibt.

Weniger Wasserzeiten in Ausweich-Schwimmbad

Dort ist der VfL Münster zwar untergekommen – auch in den vergangenen Tagen mit seinem Triathlon-Feriencamp für Kinder und Jugendliche. „Wir haben unter dem Strich aber deutlich weniger Wasserzeiten als vorher“, klagt Kropp. Dienstags und freitags war der VfL im Münsterer Hallenbad je vier Stunden auf mehreren Bahnen unterwegs, dazu sonntags zwei Stunden.

In Dieburg sind es nun montags und samstags je eine Stunde und sonntags anderthalb Stunden. „Das reicht gerade den Athleten unseres Regionalliga-Teams nicht“, verdeutlicht Kropp die Beeinträchtigung der sportlichen Ambitionen. „Außerdem haben wir Athleten, die sich für 2020 auf eine Langdistanz vorbereiten. Denen fehlt einfach Wasser.“ Erste Mitglieder haben schon zur Notlösung gegriffen und sich zusätzlich beim WSV Dieburg angemeldet, um im Trainingsbad, in dem es keine öffentlichen Badezeiten, sondern nur Dauermieter gibt, weitere Schwimmzeiten nutzen zu können.

Eins musste man sogar ganz einstampfen: „Wir wollten eigentlich ein Schulprojekt mit der Altheimer Regenbogenschule fahren“, sagt Kropp. „Das mussten wir streichen.“ Für den Verein sei es insgesamt „unverständlich, dass Münster, Dieburg und der Landkreis es nicht schaffen, ein gemeinsames Bad zu bauen“. Denn selbst wenn das Münsterer Bad wieder öffne und das neue Sportbad in Dieburg in Betrieb gehe, „reichen die Kapazitäten immer noch nicht aus“.

Von Jens Dörr

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