Tipps für „unattraktiven Umbau“

Als Schleichweg missbrauchte und desolate Lehr-Straße in Münster wird grundsaniert

Zahlreiche Autofahrer nutzen die Friedrich-Lehr-Straße in Altheim innerorts als Abkürzung von Dieburg nach Richen. Fotos: Th. Meier
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Zahlreiche Autofahrer nutzen die Friedrich-Lehr-Straße in Altheim innerorts als Abkürzung von Dieburg nach Richen. 

Sie ist in bedauernswertem Zustand und wird als Schleichweg benutzt: Gleich zwei gute Gründe, weswegen sich die Gemeindevertreter seit geraumer Zeit mit der grundhaften Erneuerung der Friedrich-Lehr-Straße in Münsters Ortsteil Altheim beschäftigen. 

Altheim – Wichtig genug, am kommenden Montag, 22. Juni, nochmals vom Bau- und Planungsausschuss ab 19. 30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses öffentlich behandelt zu werden.

Für die Anwohner schön, für Verkehrsteilnehmer, die sie als Abkürzung zwischen Dieburg und Richen nutzen, unattraktiv – derart soll sie umgestaltet werden, die Lehr-Straße. Mit dieser Zielsetzung setzte sich das Planungsbüro von Prof. Jörg von Mörner aus Dieburg auseinander. Er stellte mehrere Lösungsansätze vor, die in mehrere Umbauvarianten mündeten, die das Dreieicher Ingenieurbüro Hermann Schäfer im Auftrag der Gemeinde in eine Vorplanung umsetzte. Wichtig: Bei der Sanierung sollen auch der Kanal und seine Hausanschlüsse mit betrachtet werden.

Die Friedrich-Lehr-Straße durchquert den Ort in seiner Tempo-30-Zone in unterschiedlicher Ausprägung. Zwischen Sudetenstraße und der Straße Im Kamp ist sie rund 8,20 Meter breit und hat beidseitig Gehwege, später wird die Fahrbahn auf 5,80 Meter verengt, von der Wald- bis zur Kreuzstraße ist eine Fahrbahn auf etwa sieben Metern als Asphaltfläche erkennbar und es gibt keine ausgewiesenen Gehwege. Laut Experten erhalte man dort „den Eindruck, dass der Autofahrer bevorrechtigt gegenüber Fußgängern ist“.

Der Straßenzug hat kein einheitliches Gesicht, ist mal breit, dann schmal und Pflanztröge sollen die Tempo-30-Regelung erzwingen.

Und zwischen Kreuz- und Kirchstraße sieht der wandelbare Straßenzug der Lehr-Straße so aus, als sei er sogar schon saniert. Hier hat die Fahrbahn eine Breite von nur noch 4,20 Meter. Es gibt einen schmalen Gehsteig und auf anderer Seite einen 60 Zentimeter breiten Schrammbord.

Damit Tempo-30 auch eingehalten wird, wurden Einfahrtsbereiche in den Straßenzug optisch abgehoben, Sperrflächen mit Pflanzkübeln wechselseitig angeordnet. Das gesamte Sammelsurium verkehrslenkender Maßnahmen gilt es, bei einer Neustrukturierung übersichtlicher und verständlicher zu fassen. Und freilich optisch ansprechender.

Mehrere Varianten mit farblichen und baulichen Möglichkeiten werden den Gemeindevertretern am Montag vorliegen. Die Straße für Schleichwegler unattraktiv zu machen erreiche man am ehesten, „indem man zum einen die Straße als verkehrsberuhigten Bereich ausweist und zum anderen den Verkehrsfluss durch Einbauten verlangsamt und stört“, heißt es im Planentwurf. In allen drei entwickelten Varianten wurde nun diese Vorgabe umgesetzt: „Durch die parkenden Autos beziehungsweise die Grünflächen wird der Verkehr abgebremst und gezwungen, aufeinander zu achten und Rücksicht zu nehmen.“

Durch bauliche Erhöhungen und Farbwechsel des Fahrbahnbelags in den Kreuzungsbereichen werde die Aufmerksamkeit ebenfalls erhöht. Die Verkehrsexperten erklären: „Durch die Ausweisung von Mischflächen mit Beschilderung als Verkehrsberuhigter Bereich reduziert sich die Geschwindigkeit am meisten, da die Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind und aufeinander achten müssen.“

Die nun vorgelegten Vorplanungen dienen lediglich zum Aufzeigen von Gestaltungsmöglichkeiten. Die eigentliche Planung muss, wenn die Gemeindevertreter eine Ausbauvariante auswählten, noch im Detail ausgearbeitet werden.

Die drei zur Wahl stehenden Varianten allein für den Straßenausbau kosten zwischen 655 000 und 672 000 Euro. Und es gilt für etwaige Überraschungen beim Asphaltaufbruch oder im Boden: Wenn ich nur wüsst, was drinnen steckt ...

VON THOMAS MEIER

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