Ein Jahr ohne Antwort

Dunkle Straße in Münster: Stadt reagiert mit überraschendem Vorschlag

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Die Troppauer Straße, von der Stettiner aus gesehen. Im kompletten Straßenzug leuchtet nur eine Lampe.

Oskar Jürgen Illing hat Münster einen Beschwerdebrief geschrieben wegen der dunklen Troppauer Straße. Die Stadt reagiert spät und mit einem interessanten Vorschlag.

  • Straße in Münster seit über einem Jahr zu dunkel
  • Oskar Jürgen Illing wendet sich an den Bürgermeister
  • Stadt Münster macht überraschenden Vorschlag

Münster – Irgendwie klingt Oskar Jürgen Illing sehr ernüchtert und resigniert, als er die jüngste Post aus dem Rathaus, geschickt als Antwort auf seine vor über einem Jahr ausgelöste Beleuchtungs-Bitte, kommentiert.  „Ich dachte, es sei bald Bürgermeisterwahl.“ Dabei wollte er mit seinem Schreiben vom 21. Februar 2019 doch nur auf einen Missstand aufmerksam machen. Eine dunkle und erhellende Langzeit-Geschichte gleichermaßen.

Damals schrieb Oskar Illing direkt an den Verwaltungschef im Rathaus: Mit „Sehr geehrter Herr Frank“ wandte er sich mit einer Beanstandung persönlich an den Bürgermeister. Er bat ihn, doch mal bei Dunkelheit durch die Troppauer Straße zu gehen. „Stockdunkel“, warnte ihn der Bewohner von Hausnummer 5 vor. Seine Gattin und andere befragte Frauen hätten Angst, bei Dunkelheit allein aus dem Haus zu gehen. Bei allem Verständnis, sparen zu wollen, gehe die Sicherheit der Bürger doch vor, schrieb er, dankend, dass sich der Amtschef sich der Sache annehme.

Und siehe da, bereits am 27. Februar 2019 sollte er Rückmeldung bekommen. Ein Zwischenbescheid kam aus der Verwaltung, man habe „e-netz Südhessen“ angeschrieben und dort einem Herrn Krawatz mitgeteilt, dass es nächstens stockdunkel in der Troppauer Straße sei. „Bitte teilen Sie uns mit, welche Maßnahmen getroffen werden können, um dem Sicherheitsbedürfnis der Anlieger in dieser Straße Rechnung zu tragen“, hieß es in der E-Mail, die Illing per Kopie bekam.

Münster: In der Troppauer Straße leuchtet nur eine Straßenlampe

Bis zum Januar hörte der Beschwerdeführer nichts mehr, sah nur, dass es nachts weiterhin zappenduster blieb. Illing wandte sich am 21. Januar 2020 erneut schriftlich an „Bürgermeister Gerald FRANK“, unterstrich das „persönlich“. Und wies darauf hin, dass er fast ein Jahr keine Information erhalten habe, was denn aus seinem Thema geworden sei oder werde: Die Lichtverhältnisse seien in der Straße „absolut nicht zu akzeptieren“. Er riet erneut: „Gehen Sie mal bei Dunkelheit durch die Straße, dann werden Sie unser Anliegen nachvollziehen können.“ Illing bat den Verwaltungschef, sich der Sache anzunehmen, „in der Hoffnung, überhaupt eine Antwort zu erhalten.“

Nun hat Illing die Antwort, doch statt froh, macht sie ihn eher sprachlos. Mit Schreiben vom 5. Februar kommt Frank zurück auf Illings Mails vom Februar 2019 und Januar dieses Jahres. Er entschuldigt sich für „die verzögerte Bearbeitung des Vorganges“, kommt dann aber gleich auf die Entega, die auf Anfrage festgestellt habe, dass „die Leuchtenabstände in der Troppauer Straße ca. 55 m betragen“ und nach Einschätzung der Entega keine ausreichende Beleuchtung möglich sei, „ohne eine erhebliche Blendung zu erzeugen“.

Münster: Gemeinde kann Kosten für Straßenbeleuchtung nicht tragen

Um Illings Anliegen nach einer Verbesserung der Situation Rechnung zu tragen, habe man den Energieversorger gebeten, einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten. Und die Entega habe empfohlen, zwei weitere Leuchten zu stellen, „um eine Beleuchtung nach DIN 13201 zu erhalten“. Erläuternd folgt: „Die Kosten für diese zusätzlichen 2 Aufsatzleuchten,Anliegerstraße’ LED inkl. der Stahlrohrmasten 4,5 m Nh und der erforderlichen Tiefbaumaßnahmen belaufen sich auf 6 217,75 Euro inkl. Mwst.“

So weit, so erhellend. Doch was Illing dann staunen ließ: „Aufgrund der derzeitigen angespannten Haushaltslage kann die Gemeinde die Kosten nicht tragen“, heißt es im bürgermeisterlichen Schreiben. Und: „Bei einer Kostenübernahme durch Sie jedoch wäre die Umsetzung dieses Projektes kurzfristig möglich.“

Der Verwaltungschef bittet abschließend „um eine kurze Mitteilung, ob dieses Projekt weiterverfolgt werden soll“. Es ist anzunehmen, dass sich Illing nun ein wenig Zeit nehmen wird.

VON THOMAS MEIER

Währenddessen hat die Stadt Münster seine Neubürger zu einem Empfang ins Foyer der Kulturhalle eingeladen.

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