Seiner eigenen Garderobe Schmied

Walter Haus kann nicht von seiner Berufung lassen: Fasziniert vom Jugendstil

Legt letzte Hand an: Firmengründer Walter Haus schmiedete sich mit 77 Jahren eine Garderobe im Jugendstil. Foto: Th. Meier
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Legt letzte Hand an: Firmengründer Walter Haus schmiedete sich mit 77 Jahren eine Garderobe im Jugendstil.

Walter Haus kann nicht die Hände vom Eisen lassen: Er verbiegt es auch im Alter von 77 Jahren noch grad so wie es ihm gefällt.

Münster –  Und jetzt hat der Firmengründer der Schlosserei und Kunstschmiede Metallbau-Haus wieder ein Werk beendet: Ganz für sich persönlich schmiedete er sich ein 25 Kilogramm schwere Garderobe: „In Jugendstil – etwas, an das ich mich vormals noch nicht wagte. “.

Eigentlich ist Haus, gebürtiger Münsterer, gelernter Maschinenschlosser. „Heute sagt man Industriemechaniker dazu“, klärt der Firmengründer auf, der sein Leben lang über viele Jahre dem frönte, was er selbst liebevoll „Kunst aus dem Keller“ nennt.

In seiner Lehrzeit führte den damals 16-Jährigen ein Ausflug der Berufsschulklasse nach Amorbach auch in eine große Kirche: „Dort stand ein großes, mächtiges schmiedeeisernes Gitter im Kirchenraum. Das faszinierte mich mit seinen vielen Verzierungen. Mein Interesse fürs Leben war geweckt. So etwas wollte ich auch bauen können.“ Doch zunächst verschlug es den Schlosser ins ganz profane Berufsleben, der Kunstschmiederei war einzig seine Freizeit im Keller vorbehalten. Und der war in der Münsterer Straße, kurz hinterm Bahnhof vor Altheim.

Münster: Walter Haus hilft auch im Ruhestand wo er kann

28 Jahre lang, bis 1993, arbeitete der Freizeitschmiedekünstler hauptberuflich in Offenbach bei MAN Roland. Dort baute er Aggregate für Druckmaschinen, etwa für die legendäre „Roland-Rekord“. Dann machte er sich selbstständig. Seine feierabendliche Schmiedekunst hatte sich in Münster und Umgebung längst herumgesprochen, er hatte Aufträge für hand- und maßgefertigte schmiedeeiserne Hoftore, Fenstergitter, Einfahrten und vieles mehr in großer Zahl. „Soviel, dass ich dem allein gar nicht nachkommen konnte“, erinnert sich Haus.

Und auch der Platz an der Münsterer Straße war schnell zu knapp bemessen. Bis 2002 bestritt der Alleinunternehmer dort sein Tagwerk. Im Juli 2002 übernahm der älteste Sohn Jörg Haus das Unternehmen, und schon nach kurzer Zeit folgte mit der Expansion der Umzug der Firma in die Straße An der Beune. Auf der 2 000 Quadratmeter großen Fläche entstand eine erste Fertigungshalle, weitere An- und Umbauten sollen folgen. Ende 2007 war auch das zweite Firmengebäude, die Lagerhalle, fertiggestellt.

Walter Haus ist zu dieser Zeit lange schon im Ruhestand. Den er allerdings überwiegend in der neuen Firma verbringt. Er hilft, wo er kann, und er beschäftigt sich mit dem kunstvollen Kunstschmieden, sooft es geht.

Und dann fiel im zu Hause auf, dass da ja eine ganz unpassende Garderobe im Flur die Kleidung der Hausbewohner und Gäste aufnimmt: Zwei Bretter, ein paar Haken. Schnörkel- und einfallslos, nicht würdig, im Heim eines schmiedenden, gestaltenden Handwerkers zu sein. „Also überlegte ich. Etwa in der Art von Jugendstil wollte ich schon immer mal machen, und so schaute ich im Internet nach, um mich zu inspirieren“, berichtet Haus.

Die dekorativ geschwungenen Linien sowie großflächigen floralen Ornamente, die dem Jugendstil eigen sind, gefallen dem Kunstinteressierten schon immer, und auch die Aufgabe von Symmetrien habe seinen Reiz: „Die schönsten schmiedeeisernen Hoftore sind assymetrisch“, sagt Haus.

Mit Sternfuß ist seine Garderobe stolze 1,30 Meter hoch, der eigentliche Korpus misst 90 mal 200 Zentimeter. Neun Haken sind verarbeitet, fünf große für schwerere Garderobe, zwei mal zwei als Paar.

Haus hat Bedenken, dass seine Auffassung der Kunstschmiedekunst ausstirbt. „Zu wenige Metallbauer beschäftigen sich heute mit den alten Techniken“, sagt er. Und der Lehrling im Betrieb seines Sohne habe ihm auch schon angedeutet, solche Mühen seien in Zeiten des 3D-Drucks obsolet.

VON THOMAS MEIER

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