In Münster kämpfen wie Gladiatoren

Wandergesellschaft Frisch-Auf hat eine neue Abteilung gegründet

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Die neue Gladiatorengruppe von Frisch-Auf trainierte im Wanderheim erstmals auch den Freikampf. 

Die Spiele sind eröffnet! Im Münsterer Wanderheim haben sich nun erstmals vier Frauen sowie ein Mann als Gladiatoren versucht. 

Münster –  Unter dem Gruppennamen „Ludus Chimairae“ hat die Wandergesellschaft Frisch-Auf eine neue Abteilung ins Leben gerufen, die fortan dem aktiven Gladiatorenkampf ebenso frönen will wie der theoretischen Beleuchtung des historischen Themas.

Wie’s kommt? Wie so oft über einzelne, engagierte Personen: Elena Hechler ist Jugendleiterin des Wandervereins, der sich neben seinem Kerngeschäft und Nordic Walking bisher vor allem der Musik und dem Volkstanz widmete. 

Und: Hechler, die klassische Archäologie („mit Provinzen im Nebenfach“) studiert, gehört schon seit einiger Zeit einer der wenigen Gladiatorengruppen in Deutschland an. Die entstand aus einer Gruppe geschichtlich interessierter Studenten an der Frankfurter Goethe-Uni. Weil ihr Kümmerer nach Gießen umzog und das für die im Rhein-Main-Gebiet lebenden Teilnehmer fortan zu weit weg war, hatte Hechler die Idee, die Gruppe dem Münsterer Verein anzuschließen.

Der war offen für den Vorschlag, „und wir brauchen in der Wandergesellschaft junge Leute“, so Hechler, die den Kampfnamen „Meduna“ trägt. Mit Isabelle Gräfen, die bereits seit 2016 als Gladiatorin aktiv ist, fand man auch eine Trainerin. 

Nun unterrichtete sie erstmals einige junge Leute im Wanderheim. Neben der Handvoll Kämpfer in den 20ern, die aus Münster, Neu-Isenburg und Offenbach kamen, war auch Maria Porzenheim zugegen. Sie leitet in Dieburg das Museum im Schloss Fechenbach. „Vom archäologischen Schwerpunkt her ist das Römische in Dieburg am stärksten vertreten“, sagte sie. „Deshalb sind wir sehr an einer Kooperation interessiert.“

Wie die genau aussehen könnte, wird sich ebenso noch herauskristallisieren wie Größe und Zusammensetzung der Gladiatorengruppe in Münster. Einsteigen oder erst mal nur reinschnuppern kann weiterhin jeder, der volljährig ist. Minderjährige können unter Umständen ebenfalls aufgenommen werden. 

Ansprechpartner ist der neue Fachbereichs-Vorsitzende Lennart Strommer, z 0179 4397835, E-Mail: l.strommer@web.de. Möglich ist es aber auch, auf das Kämpfen zu verzichten und ausschließlich zu den theoretischen Einheiten zu kommen.

Einmal im Monat will man sich mit dem Ursprung und der Entwicklung der Gladiatur und dem Leben der Gladiatoren beschäftigen. „Drei, vier weitere Interessierte, die nur zum theoretischen Teil kommen wollen, gibt es schon“, berichtete Hechler. Zu ihrer ersten Weihnachtsfeier will die neue Abteilung eine Gladiatorenausstellung in Basel besuchen.

Das Wiedererwecken und Nachempfinden der römischen Kultur und speziell der Gladiatur soll freilich auch über Choreografien und Freikampf funktionieren. „Experimentelle Archäologie“ nennt sich der Ansatz, wobei gerade im Freikampf leichte Blessuren nicht auszuschließen seien.

Die Anfänger beginnen mit den Choreos, die eines Tages auch auf Veranstaltungen vorgeführt werden könnten. „Dabei lernt man die Kontrolle über die Waffen“, erläuterte Hechler. Trainiert wird vor allem mit Holzwaffen; neben Theorie und Training zählt auch die eigene Fertigung der Ausrüstung zu den Schwerpunkten von „Ludus Chimairae“.

VON JENS DÖRR

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