Industriegebiet

Wie geht es mit dem Frankenbach-Gelände in Münster weiter? Plus-Energie-Wohnsiedlung oder Gewerbegebiet

Ob für die Plus-Energie-Wohnsiedlung auf dem Frankenbachgelände die Schranken offenbleiben oder geschlossen werden, ist noch nicht entschieden.
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Ob für die Plus-Energie-Wohnsiedlung auf dem Frankenbachgelände in Münster die Schranken offen bleiben oder geschlossen werden, ist noch nicht entschieden.

Wie soll es weitergehen mit dem Frankenbach-Gelände in Münster? Gegenwärtig ist die 3,2 Hektar große Fläche eine Industriebrache, die als Stellplatz für nicht benötigten Lastkraftwagen und deren Auflieger dient.

Münster- Während dort die Fahrzeuge auf ihren Einsatz warten, laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für die künftige Nutzung des Frankenbach-Areals. Wie die Nutzung des Frankenbach-Gelände aussehen soll, darüber sind sich Kommunalpolitik und bald auch Verwaltung nicht einig. Bisher ist eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe geplant. Auf etwa 70 Prozent des Areals soll Wohnraum für Menschen unterschiedlicher Einkommensklassen entstehen sowie soziale Einrichtungen wie ein Kindergarten und eine Seniorenwohnanlage. 30 Prozent sind für Gewerbeansiedlung vorgesehen.

Das Mischgebiet soll als sogenannte Plus-Energie-Siedlung mehr Energie produzieren als es selbst verbraucht. Dazu sollen alle Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energie ausgeschöpft werden – von der Solaranlage über Wind- und Wasserkraft bis zur Biothermie. Die Hessische Landgesellschaft (HLG), die das Gelände im Auftrag der Gemeinde Münster gekauft hat und entsprechend den Vorstellungen der Kommune entwickelt, hat biothermische Probebohrungen bereits durchgeführt. Auch alternative Mobilitätsformen wie die gemeinsame Nutzung von Autos und Fahrrädern sollen in der Siedlung etabliert werden.

Seit vor knapp einem Jahr Gemeinde und HLG ihr gemeinsames Projekt vorstellten, ist die politische Opposition in der Gemeindevertretung skeptisch. Nach der Vorstellung der CDU soll auf dem Frankenbachgelände ein reines Gewerbegebiet entstehen. Die Gewerbesteuereinnahmen seien im Vergleich zu anderen Kommunen zu gering, weshalb die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe forciert werden müsse. Für Wohnraum sei das Gelände wegen seiner Nähe zur Bahnlinie außerdem ungeeignet.

Mit Joachim Schledt, der im Herbst die Amtsgeschäfte von Bürgermeister Gerald Frank übernimmt, haben die Christdemokraten einen Befürworter. Schledt trat als Parteiloser zur Bürgermeisterwahl an, wurde aber von der Münsterer CDU unterstützt. Er strebt für das Frankenbachgelände ebenfalls eine Nutzung als reines Gewerbegebiet an. Bei der jüngsten Bauausschuss-Sitzung stellten Vertreter der HLG den aktuellen Planungsstand vor und beantworteten Fragen der Ausschuss-Mitglieder, die ausschließlich aus den Reihen der CDU kamen.

Sie erfuhren, dass gegenwärtig durch die Vermietung der Lkw-Parkflächen auf dem Frankenbachgelände etwa 20 000 Euro monatlich eingenommen werden. Die Mieteinnahme fließt in die Gemeindekasse. „Wegen der Corona-Pandemie sind zur Zeit viele Fahrzeuge nicht auf der Straße, weshalb die Einnahmen höher als üblich sind“, erklärte HLG-Projektleiter Tim Gerhard. Der Mietvertrag gelte voraussichtlich bis Juni 2021.

Auch ein reines Gewerbegebiet sei als Plus-Energie-Anlage möglich. Sollte die Gemeinde, die die Hoheit über die Entwicklung des Geländes hat, umplanen, müsse entsprechend neu kalkuliert werden. Nach jetzigem Planungsstand mit überwiegender Wohnbebauung sei ein Überschuss von knapp 900 000 Euro kalkuliert.

„Die HLG entwickelt Wohngebiete nicht mit dem Ziel, den höchstmöglichen Profit herauszupressen. Vielmehr sollen die Bodenpreise gedämpft werden, damit Baugrundstücke erschwinglich bleiben“, sagte Gerhard. Die Gemeinde erhalte nach Projektabschluss den Überschuss, jedoch müsse sie auch den Verlust tragen. (zeta)

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