Kommunalwahl: Neue Mehrheit erscheint rechnerisch möglich / CDU bleibt stärkste Kraft

FDP in Münster in Sektlaune

In der Kulturhalle Münster wurden gestern Stimmzettel ausgezählt.
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In der Kulturhalle Münster wurden gestern Stimmzettel ausgezählt.

Vorhang zu – und (fast) alle Fragen offen: So ist der vorläufige Stand der Dinge, nachdem am Sonntagabend bei der Gemeindewahl in Münster alle Wahlzettel mit Listenkreuzen ausgezählt wurden.

Münster- Aktuell liegt eine Fortführung der bisherigen Koalition aus SPD und ALMA-Die Grünen ebenso im Bereich des Möglichen wie der Wechsel der Mehrheit hin zu einer Koalition aus CDU und FDP oder aber einer „Ampel“ aus SPD, FDP und ALMA. CDU und SPD verloren deutlich an Zustimmung, die ALMA blieb stabil. Die FDP jubelte und könnte zum Mehrheitsmacher werden. „Wahlsieger“ ist auf jeden Fall jetzt schon die Wahlbeteiligung, die in Münster deutlich auf 52,21 Prozent (2016: 46,85 Prozent) zulegte.

Die CDU erreicht nach den bisher ausgezählten Stimmen 39,34 Prozent und damit rund fünf Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren. Die SPD büßte noch heftiger ein, lag am Sonntagabend nach Auszählung aller Listenkreuze (die aber nur auf der Hälfte der Stimmzettel zu finden waren) bei 29,43 Prozent. 2016 waren es noch 38,83 Prozent gewesen. Die ALMA liegt bei 17,56 Prozent, einen Prozentpunkt höher als vor fünf Jahren. Dies alles ist zu sehen im Kontext, dass 2016 die FDP nicht dabei war und die gültigen Stimmen auf nur drei Parteien entfielen. Nun traten die Liberalen an und fühlten sich gestern Abend ein wenig wie der Phoenix, der aus seiner Asche aufersteht: Die derzeit 13,67 Prozent sind mehr, als die meisten Kandidaten der Liberalen erwartet hatten.

„Wir hatten im Mittel mit zehn Prozent gerechnet“, sagte FDP-Spitzenkandidat Jörg Schroeter. „Wir sind freudig über das Ergebnis und dürfen nun ein Glas Sekt trinken.“ Was die Liberalen in einer Videorunde am Sonntagabend auch direkt taten. „Wir sind für frischen Wind und ein anderes Klima in der Gemeindevertretung angetreten“, so Schroeter weiter. „Nun warten wir mal, was sich bis zum amtlichen Endergebnis tut.“ Schroeter rechnete damit, dass durchs Kumulieren und Panaschieren „vor allem die CDU noch zulegen wird“.

Ohne dass der FDP-Spitzenkandidat am Sonntag eine Präferenz für eine Koalition abgab, ergäbe sich nach dem momentanen Zwischenstand unter anderem die Perspektive für eine schwarz-gelbe Koalition und damit eine Ablösung der bisherigen rot-grünen Mehrheit. Laut Trendergebnis könnte die CDU mit 15 der 37 Sitze im Münsterer Ortsparlament rechnen. Die FDP käme auf 5 Sitze, die SPD auf 11 und ALMA-Die Grünen auf 6. Zur absoluten Mehrheit sind 19 Sitze nötig.

CDU-Spitzenkandidat Thorsten Schrod gab zu Protokoll, „dass es uns klar war, dass wir angesichts einer weiteren Partei an Stimmen einbüßen. Wir sind aber wieder die klar stärkste Kraft geworden.“ Insofern sehe er gute Chancen, „um mit einer neuen Mehrheit Münster auf einen anderen Kurs zu bringen“. Hinsichtlich der noch auszuzählenden Stimmzettel peile die CDU an, „noch über die 40-Prozent-Marke zu springen“.

Für die SPD sagte Karin Kreher, die auf Platz zwei hinter Spitzenkandidat Timmy Mersch angetreten war, dass ihre „Gemütslage sehr positiv“ sei. „Ich bin der Meinung, dass die CDU abgestraft wurde“, interpretierte sie das Trendergebnis. Mit Blick auf die SPD sei sie „optimistisch, dass es sich noch zu unseren Gunsten wendet“.

In der Tat könnte jeder Sitz mehr oder weniger bei einer der vier Parteien in Münster zu Wochenbeginn zum Zünglein an der Waage werden. Patricia Marquas, Spitzenkandidatin von ALMA-Die Grünen, war „schon mal sehr erfreut. Die Wähler haben uns weiter ihr Vertrauen geschenkt. Ich hoffe, dass wir noch auf sieben Sitze kommen.“ (Jens Dörr)

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