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Frankenbachgelände das heißeste Eisen

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Von: Jens Dörr

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Für das Münsterer Frankenbachgelände existiert eine „sehr hohe Nachfrage“. Noch können Gemeinde und HLG die Fläche aber weder ganz noch in Häppchen verkaufen.
Für das Münsterer Frankenbachgelände existiert eine „sehr hohe Nachfrage“. Noch können Gemeinde und HLG die Fläche aber weder ganz noch in Häppchen verkaufen. © Dörr

Ende vergangenen Jahres merkte im Zuge der Münsterer Haushaltsdebatte ein Gemeindevertreter an, dass im kommunalen Etat für 2022 Mittel fehlten, um die Entwicklung des Frankenbachgeländes voranzubringen. Ruht bei Münsters nächstem Baugebiet, auf CDU- und FDP-Bestreben inzwischen als reines Gewerbegebiet geplant, also still der See? Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) tritt diesem Eindruck entgegen.

Münster – „Es gibt kein Projekt, in das ich so viel Zeit stecke wie in dieses“, betont der Rathauschef. „Es ist das heißeste Eisen, das ich gerade schmiede.“ Man merkt Schledt an, dass er einiges zu berichten hätte, was sich hinter den Kulissen der 3,2 Hektar großen Industriebrache im Münsterer Südwesten tut. Teils könne er dies aber „noch nicht so offen kommunizieren, wie ich mir das wünsche“. Etwas allgemeiner gefasst, macht Schledt durchaus Hoffnung auf eine baldige und erfolgreiche Entwicklung des einstigen Domizils nicht nur der Firma Frankenbach, sondern früher auch der Firma Goebel.

„Es gibt eine sehr hohe Nachfrage nach den Flächen“, sagt Schledt. „Wir hatten sogar zwei Interessenten, die das Gelände komplett übernommen hätten.“ Bei einem dieser beiden Interessenten stehe mittlerweile aber fest, dass er in seiner derzeitigen Kommune bleibe. „Der andere ist noch nicht ganz raus, macht für seinen neuen Standort aber die Vorgabe, dass man von dort in 30 Minuten mit dem ÖPNV in Frankfurt ist.“ Was von Münster aus weder mit Bus noch Bahn gelingt.

Trotz solch großer Offerten sei es keine ausgemachte Sache, das Areal an nur einen Interessenten zu verkaufen. Schledt selbst tendiert ebenfalls zu einer anderen Vergabe: „Ich würde es bevorzugen, wenn wir das Frankenbachgelände aufteilen und dort mehrere Interessenten zum Zuge kommen lassen würden.“ Was nicht nur externe Zugänge aus der Wirtschaft meint, sondern auch Münsterer Unternehmen, die sich vergrößern wollten. „Sieben oder acht“ örtliche Firmen (die im jüngsten Baugebiet „Im Seerich“ noch keinen Platz bekommen hätten) hätten im Rathaus „Expansionsfantasien“ hinterlegt.

Noch sei man aber nicht so weit, die 32 000 Quadratmeter ganz oder in Häppchen zu verkaufen, erläutert Schledt. Die Hessische Landgesellschaft (HLG) hat das Frankenbachgelände im Auftrag der Gemeinde erworben und würde im Auftrag des Münsterer Rathauses auch die Verkaufsgespräche mit den Interessenten führen. Die Kommune ist dabei stets eng eingebunden und hat letztlich das entscheidende Wort, wer sich im neuen Gewerbegebiet ansiedeln darf. „Noch muss die HLG aber einige Hausaufgaben machen“, sagt Schledt, ohne ins Detail zu gehen.

Auf die Erledigung dieser „Hausaufgaben“ wartet die Gemeinde derzeit. Die Bedeutung der Auswahl der „richtigen“ (Gewerbesteuer, Jobs und Ausbildungsplätze nach Münster bringende oder im Ort haltende) Unternehmen fürs Frankenbachgelände ist jedenfalls groß. Die langfristigen Auswirkungen dieser Entscheidung haben auch CDU und FDP höher gewichtet als den unmittelbaren Gewinn der Gemeinde beim „Handel“ mit dem Bauland.

Denn der ursprüngliche Plan – ein Mischgebiet samt Wohnhäusern – hätte im Saldo fast eine Million Euro in den Münsterer Säckel spülen sollen. Nun fürchten manche hingegen ein Drauflege-Geschäft. Schledts Ziel liegt dazwischen: „Ich arbeite daran, mit einer schwarzen Null rauszukommen.“ Die denkbare (nicht vom Bürgermeister geäußerte) Möglichkeit, das Münsterer Hallenbad auf dem Frankenbachgelände neu zu bauen und den alten Hallenbad-Standort lukrativ in Grundstücke für Wohngebäude umzumünzen, ist da freilich noch nicht eingepreist. (Jens Dörr)

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