INTERVIEW Bürgermeister Gerald Frank ist bereit für eine zweite Amtszeit

„Natürlich trete ich an“

Will 2020 erneut für das Münsterer Bürgermeister-Amt kandidieren: Rathaus-Chef Gerald Frank (SPD). Foto: Dörr

Münster – Die Sommerferien bedeuten alljährlich auch eine lokalpolitische Pause. Zwar werden die Dinge auf Verwaltungsebene weiter vorangebracht, doch verringert sich die Schlagzahl unter anderem durch den Wegfall von Ausschuss- und Gemeindevertreter-Sitzungen.

Selbst der Bürgermeister macht mal Urlaub – vorher beantwortete Münsters Rathaus-Chef Gerald Frank (SPD) aber noch Fragen zu einigen politischen, aber auch zu persönlichen Themen.

Herr Frank, wie zufrieden gehen Sie in diese Sommerpause?

Ich bin schon zufrieden. Wir kommen bei unseren Hauptprojekten wie dem Ausbau der Kinderbetreuung – zum Beispiel durch den baldigen Anbau einer weiteren Gruppe in der Kita „Im Rüssel“ – und bei der energetischen Modernisierung der Kulturhalle voran. Zudem haben wir in diesem Jahr jede Menge Bürgerbeteiligung gehabt. Zum Beispiel beim Fassadenprogramm als Anfang der „Aktiven Kernbereiche“: Mit Anwohnern und Bürgern haben wir in drei informellen Veranstaltungen intensiv über den Bebauungsplan gesprochen. Ich bin immer happy, wenn die Leute dorthin kommen. Es bewährt sich, macht die Sache besser.

Viele Münsterer wünschen sich eine direkte Mitsprache, gerade wenn es um Maßnahmen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld geht. Ein Beispiel waren die Baumfällungen in der Gerhart-Hauptmann-Straße.

Da war die Schlagzeile leider, dass wir schlechte Informationspolitik gemacht hätten, weil wir relativ kurzfristig die Baumfällung mitgeteilt haben und zu einem Ortstermin eingeladen hatten, um aufzuklären. So etwas gab es in Münster vorher überhaupt noch nicht, dass man Bürger so vor Ort über die Gründe informiert und sie in die Neugestaltung einbezieht. Die Baumfällungen waren erforderlich, da die Bäume über Versorgungsleitungen liegen, die sie ebenso gefährden wie zum Teil Mauern der umliegenden Gebäude.

Sie haben nach dem Vor-Ort-Austausch mit den Anwohnern ein unter Bürgerbeteiligung zu erstellendes Grünkonzept für Münster angeregt. Was ist bisher draus geworden?

Das „Grüne Band“ war ja schon in unserer Bewerbung für das Städtebau-Programm drin. Wir brauchen aber noch Zeit. Allein durch den Sturm „Fabienne“ haben wir im Gebiet, das der Münsterer Bauhof betreut, 236 Bäume verloren. Mit weiteren, die krank oder von der Trockenheit bedroht sind, sind es wohl an die 300 Bäume, die wir neu setzen müssen. Jeder neue Baum kostet uns aber 1 000 Euro. Trotzdem: Nach den Ferien wird es ein Treffen mit den Anwohnern der Hauptmann-Straße geben,

Wie ist man mit der Anfrage eines Anwohners des kleinen Neubaugebiets am Mäusberg umgegangen (separater Artikel zum Thema folgt, Anm. d. Red.), der den noch immer nicht umgesetzten Endausbau der dortigen Straßen und die unbefriedigende Kommunikation mit dem Rathaus kritisiert hat?

Ich habe ihn eingeladen. Er war da, hat mir das erklärt. Dann hat er sich die Mühe gemacht, seine Vorstellungen in einem kleinen Konzept niederzuschreiben, und es vorgestellt. Ich wollte ursprünglich schon für 2018 die Fertigstellung am Mäusberg in das Städtebauförderprogramm Stadtumbau reinnehmen und entsprechende Fördergelder einsetzen. Leider wurden wir aber erst 2019 in das Programm „Aktive Kernbereiche“ aufgenommen, wozu der Mäusberg nicht gehört. Deshalb haben wir den Endausbau für dieses Jahr fest im Haushalt eingeplant. Es wird noch in diesem Jahr umgesetzt. Die Pläne zur Umsetzung wurden mit den Anwohnern im Rathaus schon besprochen und auch Anregungen von ihnen aufgenommen.

Wo wären gern schon weiter?

Bei der Sanierung des Rathauses und des Schwimmbads sowie beim Rathaus-Platz. Bei Rathaus und Schwimmbad geht es aber trotz der für 2019 nun abgeplanten Mittel für die Sanierung weiter, da wir im selben Zug ja weitere Planungsmittel ins Investitionsprogramm eingestellt haben.

Wie geht es beim Ankauf des Frankenbach-Geländes voran?

Die Hessische Landgesellschaft und wir sind weiter mit dem Eigentümer im Gespräch.

An der Stelle des jetzigen Norma-Markts will ein Investor einen Komplex für Wohnen und Gewerbe errichten. Wie geht es hier weiter?

Norma und der Investor haben leider noch keine Einigkeit erzielt. Da gibt es einige Pläne. Ich wünsche mir an dieser Stelle was städtebaulich Attraktives sowie Wohnungsbau.

Im Neubaugebiet „Am Seerich“ soll die Ansiedlung eines Netto-Markts ausgemachte Sache sein ...

Es ist noch keine Tinte trocken.

Eröffnet Netto im „Seerich“, ist der Netto-Markt in der Darmstädter Straße dann Geschichte?

Damit ist zu rechnen.

Auf dem Gelände der einstigen Kultdisko „Tropical“ soll ein Mix aus Wohnen und Gewerbe neu entstehen. Wie ist hier der Stand?

Das ist schon konkret und weit gediehen. Aber es wurde noch kein Bauantrag gestellt.

Mal ein „weiches“ Thema: Wann haben die Münsterer – die Feste der Vereine ausgeklammert – wieder was Größeres zu feiern?

Für 2020 ist eine Vereins- und Gewerbeschau auf der „Beune“ in Planung. Die hatten wir ja 2017 schon, das kam super an. Auch die Gewerbemeile mit Eppertshausen schließe ich nicht für alle Zeit aus.

Ihre erste Amtszeit als Bürgermeister endet kommendes Jahr. Treten Sie 2020 erneut zur Bürgermeister-Wahl in Münster an?

Natürlich trete ich an.

Hat die SPD Sie schon nominiert?

Es gab noch keine Nominierung, ich gehe aber fest davon aus.

Wann findet die Wahl statt?

Den Wahltag hat die Gemeindevertretung noch nicht beschlossen. Der Termin wird aber noch vor dem nächsten Sommer liegen.

Weil zumindest medial derzeit die Rede von steigender Aggressivität auch gegenüber Lokalpolitikern ist, abschließend die Frage: Inwiefern haben Sie in den bisherigen fünf Jahren ihrer ersten Amtszeit diesbezüglich Negatives erlebt?

Ich bin – zumindest außerhalb des Parlaments – noch nie persönlich beleidigt worden. Auch bedroht wurde ich noch nie.

Das Gespräch führte Jens Dörr.

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