Vermieter reduziert Monatsmiete

Neue Hoffnung fürs Lädchen

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Will im kommenden Jahr das zehnjährige Bestehen des Altheimer Lädchens unter ihrer Regie feiern: Felicitas Lauszat.

Altheim - Das Altheimer Lädchen steht auf der Kippe, da zu wenige Bürger dort einkaufen. Durch das Entgegenkommen des Vermieters ist die Zukunft zumindest kurzfristig gesichert. Nun hat sich auch Bürgermeister Gerald Frank eingeschaltet. Von Jens Dörr 

Noch vor ein paar Tagen stand das Altheimer Lädchen vor dem Aus: Die – neben einer Bäckerei – einzige Einkaufsmöglichkeit im 2700 Einwohner zählenden Münsterer Ortsteil trug sich mit dem Gedanken, den Mietvertrag für das Erdgeschoss des Objekts in der Kirchstraße zu kündigen. Dank einer Reduzierung der Monatsmiete, auf die sich Lädchen-Betreiberin Felicitas Lauszat vor Kurzem mit dem Vermieter einigte, gibt es nun neue Hoffnung. Trotzdem drücken weiterhin die Kosten und es fehlt Umsatz.

Denn die reine Kaltmiete für das Lädchen, das Lauszat 2009 (damals mit einer inzwischen ausgestiegenen Geschäftspartnerin) übernommen hatte, sei auf der Ausgabenseite nur einer der Knackpunkte. „Die Nebenkosten fressen einen auf“, sagt die Unternehmerin, für die unter anderem der Strom einen heftigen Batzen darstellt. So sind die Stromkosten für den Betrieb der energiefressenden Kühltruhen enorm. „Monatlich habe ich Fixkosten von 4500 bis 5000 Euro“, rechnet Lauszat vor. Unter anderem eine Angestellte und nach Bedarf zwei Mini-Joberinnen muss sie bezahlen. „Dann habe ich aber noch kein einziges Produkt eingekauft.“

Insofern sei die gerade erzielte Mietsenkung ein wichtiger Schritt, der die Schließung fürs Erste abgewendet habe. „Andernfalls hätte ich wegen entsprechender Fristen nun kündigen müssen, um am 18. Januar nächsten Jahr dichtzumachen. So können wir stattdessen am 18. März 2019 das zehnjährige Bestehen des Lädchens feiern.“ Dennoch müssten sich bis dahin weitere Dinge ändern, damit das Lädchen auch eine mittel- und langfristige Zukunft habe.

Die wichtigste Entwicklung wäre die Steigerung des Umsatzes. Rund 40 Prozent mehr pro Monat müssten es sein, um davon auskömmlich leben und das Einkaufsangebot dauerhaft aufrecht erhalten zu können, sagt Lauszat. Denn derzeit bezahle sie zwar alle Rechnungen, habe dafür aber schon einen Kredit aufgenommen. Darüber hinaus gönnt sie sich selbst wenig, kaum Urlaub oder sonstigen privaten Luxus. „Meine letzte Steuererklärung hat einen Gewinn von 10 000 Euro ausgewiesen.“ Das sei letztlich das, womit sie als Lohn für die langen und anstrengenden Arbeitstage auskommen müsse. „Würde ich nicht mit meinem Mann zusammenleben, ginge das gar nicht.“

So aber kämpft Felicitas Lauszat weiter für das Altheimer Lädchen. Sie habe treue Kunden, die ihr am Herzen lägen und sich mitunter auch über die normale Geschäftsbeziehung hinaus für sie einsetzten. Mehrere rührende Geschichten weiß die Betreiberin zu erzählen, gerade aus der jüngeren Vergangenheit, als der Ernst der Lage zunehmend Ortsgespräch wurde. Ein Achtjähriger wollte gar sein Sparschwein plündern und ihr 50 Euro schenken, damit er auch künftig sein Eis bei ihr kaufen könne. „Wenn er dann kein Geld mehr dafür habe, könne er ja anschreiben lassen“, schmunzelt sie über die liebe Idee des Lütten. Die Altheimer Kinder seien neben den Älteren die treuste Kundschaft. Beide Gruppen kauften in der Regel jedoch nur für geringe Beträge ein.

Rund zehn Prozent der Altheimer, so schätzt Lauszat grob, zählten zu ihren Kunden. Die damit verbundene Hoffnung: Wenn zumindest ein Teil der 90 Prozent der anderen Haushalte jede Woche ein paar Euro im Lädchen lasse, könne sich der Umsatz hin zu einem gesunden, tragbaren Niveau entwickeln. Auswahl ist durchaus vorhanden „und meine Preise sind die gleichen wie bei Rewe“, sagt die Händlerin. Neben Lebensmitteln, Getränken und diversen Artikeln für den täglichen Gebrauch warten die Kühlregale mit den Milch- und Wurstprodukten und eine Theke mit Backwaren auf die Kunden. Zwei Bäckereien aus der Region liefern täglich frisch an. „Wenn ich zumachen würde, fielen in Altheim auch die Post- und die Lotto-Annahmestelle weg“, schildert Lauszat weitere Serviceleistungen. Sogar schmutzige Wäsche kann man im Lädchen abgeben, sie wird von dort in die Reinigung gebracht und kann später sauber wieder abgeholt werden.

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Neben all diesen „harten“ Faktoren sei auch die „weiche“ soziale Bedeutung des Altheimer Lädchens wichtig für den Ort und gerade die weniger mobilen Menschen, die bei ihr einkauften. Felicitas Lauszat ist sich sicher: „Das Lädchen ist ein Treffpunkt, wo man bei einem Kaffee auch einfach mal ein schönes Schwätzchen halten kann. Das tut vielen Menschen gut.“ Möglich ist das einerseits während der regulären Öffnungszeiten – 7.30 bis 12.30 Uhr sowie 14.30 bis 18 Uhr, montags und samstags nachmittags geschlossen, sonntags komplett geschlossen.

Darüber hinaus steht explizit die Zukunft des Altheimer Lädchens im Fokus einer Infoveranstaltung, zu der Bürgermeister Gerald Frank für Freitag, 20. Juli, um 18.30 Uhr ins Altheimer Gustav-Schoeltzke-Haus, Raiffeisenstraße 1, einlädt. „Gerade für ältere Menschen ist eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort eine Grundvoraussetzung“, betont er. Gemeinsam mit den Bürgern möchte er diskutieren, wie die Existenz des Geschäfts für die Zukunft gesichert werden kann.

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Bislang unterstützt die Gemeinde das Lädchen noch nicht, was womöglich durch Einkäufe für Veranstaltungen der Gemeinde denkbar wäre. Im Ort gibt es bereits Beispiele; So ordert etwa der Turn- und Sportverein immer mal wieder größere Bestellungen.

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