Neuer Anlauf fürs Breitefeld

Schmuddel-Ortsteil soll „städtebauliche Aufwertung“ erfahren

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Der verwunschenen gelegene Ortsteil Breitefeld soll eine Aufwertung erfahren. 

Es soll sich wieder einmal etwas bewegen im Ortsteil Breitefeld. Dies jedenfalls versprechen zwei Anträge für die kommende Sitzung der Gemeindevertretung. Der Straßenausbau soll vorangebracht werden und eine Änderung des Bebauungsplanes eine „städtebauliche Aufwertung des Plangebietes“ bewirken.

Münster – Für den arg vernachlässigten Ortsteil zeichnete das Planungsbüro Reitzel einen Entwurf, wie ein Straßenausbau, der diesen Namen auch verdient, aussehen könnte. Diesen zur baulichen Umsetzung auch zu beschließen, bittet die Verwaltung nun die Politiker.

Im ehemaligen Kasernengebiet sollen rund ein Kilometer Straßen mit einer Gesamtfläche von etwa 10 000 Quadratmetern „grundhaft erneuert“ werden. Dies forderte auch eine Analyse zum Ortsteil, die mithilfe der Hochschule Darmstadt/HDA in den Jahren 2015/16 erstellt worden war und zu der eine 2016 vorgestellte Bestandsaufnahme zählt. Sie ergab einerseits, dass der Ortsteil gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf – zumindest was den Zustand der Gebäude angeht – es aber Nachholbedarf für die Infrastruktur gibt.

Alle Entwicklungsversuche gescheitert 

Das Gelände wurde Jahrzehnte von der US-Army betrieben, 1965 aufgegeben und Mitte 1997 zum neuen Ortsteil Breitefeld erklärt, der als Misch- und Gewerbegebiet ausgewiesen und auch so genutzt werden sollte. Doch nur in 19 von 32 Gebäuden herrscht auch Betriebsamkeit. Allen Bestrebungen zum Trotz, das heruntergekommene Areal zu entwickeln und voranzubringen, scheiterten bislang. Gewerbetreibende, die sich dort ansiedelten, beklagen das negative Image, fehlende Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr und eben auch den Zustand der heruntergekommenen Straßen und Wege.

Nun sieht die Entwurfsplanung des Ingenieurbüros neben der grundhaften Erneuerung der Straßen auch vor, einem öffentlichen Busverkehr die Wendemöglichkeit in Form eines Kreisels einzurichten. Weiterhin sollen die bereits bestehenden Festsetzungen aus dem Bebauungsplan – wie beispielsweise straßenbegleitende Bäume – umgesetzt werden.

„Neuwertig“ bis „abrissbedürftig“

Zum baulichen Zustand der Immobilien vergaben die HDA-Studenten den Gebäuden Bewertungen von „neuwertig“ bis „abrissbedürftig“, dreimal auch „schlecht“. Doch was den angehenden Umweltingenieuren und Bauingenieure noch als „sanierungsbedürftig“ erschien, mutet Unstudierten einfach „ruinös“ an.

Wesentliche Teile des zu ändernden Bebaungsplanes sollen nun eine städtebauliche Aufwertung herbeiführen. Dazu gehört schon die Erschließung des Breitefeldes über die Munastraße, die mit einem Radweg versehen werden soll (wir berichteten). Im Beschlusspapier für die Lokalpolitiker heißt es, das Breitefeld solle „an die aktuellen Standortanforderungen ansässiger und ansiedlungswilliger Unternehmen angepasst“ werden. All’ die Ideen des studentischen Entwicklungskonzeptes – sie kommen im Text des neu zu beschließenden Aufstellungsbeschlusses noch nicht vor. Hierin geht es zunächst um die „planungsrechtlichen Voraussetzungen“ für die vonseiten der Gemeinde „geplanten Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen der verkehrlichen Infrastruktur“, die geschaffen werden sollen. Bevor es schöner wird, müssen zunächst einmal die „Festsetzungen zur Entwässerung“ der im Ortsteil befindlichen Immobilien überprüft und auf die Kapazitäten kommunaler Anlagen angepasst werden. Alles dies sei nötig, um eine Aufwertung des Quartiers betreiben zu können.

Und die Belange des Arten-, Natur- und Umweltschutzes müssen auch noch berücksichtigt werden, liegt der vernachlässigte Ortsteil doch mitten im zu weiten Teilen noch immer munitionsverseuchten Wald.

Es gibt also nach wie vor viel zu tun. Ob’s nach den Beschlüssen auch mal angepackt wird, werden die kommenden Jahre zeigen.

VON THOMAS MEIER

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