Container als Übergangslösung

Neues Juz am Abtenauer Platz?

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Im alten Juz (Bild unten) ist ein Kindergarten eingezogen. Neue Räume entstehen auf dem Abtenauer Platz. Dann werden die nicht mehr zutreffenden Letter am alten Juz übermalt.

Münster - Für die Münsterer Jugendarbeit ist es schon jetzt die Meldung des Jahres: Bald wird es einen neuen Jugendpfleger geben und der Abtenauer Platz noch weiter zum Treffpunkt für Kinder und Jugendliche ausgebaut.

Sogar ein neues Jugendzentrum (Juz) soll dort entstehen – wenn auch zu Beginn nur in Form einer Containerlösung. Es waren anstrengende Stunden für Detlev Pröve: Als Abteilungsleiter für Soziales oblag es ihm in den vergangenen Tagen, möglichst schnell ein neues Jugendpflegekonzept zu erarbeiten. Das fast 30-seitige Ergebnis präsentierte der Verwaltungsmitarbeiter diese Woche im Ausschuss für Soziales, Kultur und Vereine. Dort diskutierten die Parteivertreter das Für und Wider der Vorlage, um daraus eine Sache mit breitem Konsens für die finale Genehmigung durch die Gemeindevertretersitzung zu machen.

Zum Dreh- und Angelpunkt der Jugendpflege soll der Abtenauer Platz werden, da dieser schon jetzt durch die Skateranlage und den Basketballkorb beliebter Anlaufpunkt ist. Alternative Räumlichkeiten, wie sie sich über der Bücherei im Storchenschulhaus oder auch am Bahnhof anbieten, kommen an die Lage beim Feuerwehrplatz nicht heran. „Hier am Rand von Münster lässt sich auch mal laut und ungestört sein“, erklärt Pröve und hebt damit ein wichtiges Wohlfühlargument junger Menschen heraus. Für die bisher dort nicht vorhandenen Räumlichkeiten sind sich SPD, CDU und ALMA einig, dass sich erstmal mit Containern Abhilfe schaffen lässt. Diese könnten dann künftig einem Neubau weichen. Wenn auch erstmal nur als Container-Lösung wäre damit ein neues Juz geschaffen und endlich ein Nachfolger für die bisherige Einrichtung neben der Langsmühle gefunden.

Zuerst als Flüchtlingsunterkunft und dann als Kindergarten genutzt, entspricht das Gebäude schon seit Monaten nicht mehr seiner eigentlichen Bestimmung. Stattdessen wurde es zum Sinnbild für eine Jugendarbeit, die in Münster gegenwärtig kaum noch vorhanden ist. Bis auf Ferienspielangebote und den Altheimer „Kidsclub“ mit Aktionen für ganz Kleine, bleiben ältere Jugendliche momentan fast komplett außen vor, was von CDU immer wieder heftig kritisiert und mit Vorwürfen gegen Bürgermeister Gerald Frank verbunden wurde. Die Argumente gründeten nicht zuletzt darauf, dass Münster zu den Kreis-Kommunen mit den meisten Kindern und Jugendlichen zählt. Schon deshalb sei es laut den Christdemokraten inakzeptabel, dass die Jugendpflege als Waisenkind behandelt wird. Angriffsfläche bot zudem die Tatsache, dass es – mit dem Ende der kommunalen Zusammenarbeit mit Eppertshausen – seit mehreren Jahren faktisch keinen Jugendpfleger mehr gibt. Zwar bringt sich mit Kristina Löbig eine Verwaltungsmitarbeiterin 20 Wochenstunden in die Kinder- und Jugendarbeit, wie den Kidsclub, ein und auch Abteilungsleiter Detlev Pröve kehrt ab und an seinem Schreibtisch den Rücken, um während der Ferienspiele zu betreuen und anzuleiten. Für die CDU ist diese Handhabe in einer expandierenden Kommune wie Münster völlig unzureichend, weshalb sie die Jugendpflege zum Dauerthema erhob.

Sogar eine Sondersitzung der Gemeindevertreter wurde jüngst eingeleitet und damit der Druck auf ein neues Jugendpflegekonzept aus dem Rathaus erhöht. Mit heißer Nadel wurde das in den vergangenen Tagen von Detlef Pröve gestrickt. Die Vorlage im Ausschuss verbucht die CDU nun als Erfolg: „Die ersten Ergebnisse liegen diesen Sommer schon vor. Ohne unseren Druck wären die meisten Sachen erst 2019 zum Tragen gekommen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Schrod. Das von Pröve erstellte Konzept sieht auch die Wiederbelebung einer offenen Jugendarbeit vor, die nach der Schließung des alten Juz aufgrund fehlender Räume zum Erliegen kam. Mit den Containern als neues Juz wäre wieder ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche vorhanden. Dieser kann dann mit Angeboten, darunter Spezielles für Mädchen, wie es die SPD wünscht, unterfüttert werden. Auch eine mobile, aufsuchende Jugendarbeit („Streetwork“), bei der die Jugendpflege alle Treffpunkte von Jugendlichen im Ort aufsucht und für Probleme ihre Hilfe anbietet, ist angedacht. In Münster kommt für den Einsatz eines ausgewiesenen Jugendpflegers der glückliche Umstand zum Tragen, dass im Haushalt bereits eine Planstelle für Soziales mit 30 Wochenstunden verankert ist.

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„Diese muss jetzt nur noch mit der geeigneten Person besetzt werden. Dann kann’s umgehend losgehen“, sagt Pröve. Geld für die Container wäre ebenfalls vorhanden: Hier kann auf insgesamt 10.000 Euro zurückgegriffen werden, die für Verwendungen solcher Art bereitliegen. Vor allem die vorhandene Planstelle erweist sich als Gold wert: „Ein neues Jugendpflegekonzept ist eng an mehr Personal geknüpft. Ohne diese Grundlage ist eine Jugendarbeit, wie sie derzeit gewünscht und gefordert wird, nicht möglich“, erklärt Pröve.

Von SPD, CDU und ALMA wurde zudem unisono die Schaffung eines Jugendbeirats für gut befunden, der wie ein Seniorenbeirat als Interessenvertreter auftritt. Die ersten Aktiven darin sollen über die Schülervertretungen an den lokalen Schulen gefunden werden. Ein weiterer Vorschlag, einen Jugendring mit Hilfe der Vereine zu etablieren, fand bei den Parteien keinen Anklang. Hier sprach man sich gegen eine Vermischung der Jugendarbeit von Vereinen und Gemeinde aus. „Die Aufgabe der Gemeinde ist es, die Vereine zu unterstützen und ihnen zuzuarbeiten“, hieß es im Ausschuss aus allen Lagern übereinstimmend und mit dem Willen zur konstruktiven Zusammenarbeit. Der war an diesem Abend in einer Form vorhanden, wie er zwischen den zwei großen Parteien in Münster eher Seltenheitswert hat. (mj)

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