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Neues Finanzamt soll 2024 fertig sein

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Von: Jens Dörr

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Derzeit liegt das ehemalige Post-Gelände – hier fotografiert von der Konrad-Adenauer-Straße aus – ungenutzt und verwahrlost da. Jetzt kommt Fahrt hinein: Schon Mitte 2024 soll hier das neue Finanzamt Dieburg stehen.
Derzeit liegt das ehemalige Post-Gelände – hier fotografiert von der Konrad-Adenauer-Straße aus – ungenutzt und verwahrlost da. Jetzt kommt Fahrt hinein: Schon Mitte 2024 soll hier das neue Finanzamt Dieburg stehen. © Dörr, Jens

Die Investorengruppe Biskupek Scheinert Moog hat einen Mietvertrag mit dem Land Hessen geschlossen und hofft auf schnellen Baubeginn für das neue Finanzamt in Dieburg.

Dieburg – Der Neubau des Finanzamts Dieburg auf dem früheren Gelände der Post wird konkret: Die Darmstädter Investorengruppe Biskupek Scheinert Moog, der das 7 069 Quadratmeter große Areal zwischen Schießmauer, Konrad-Adenauer-Straße und Schlossgarten gehört, hat den Mietvertrag mit dem Land Hessen geschlossen. Parallel zum weiteren Bauleitverfahren wollen die Unternehmer, darunter der aus Dieburg stammende Ulrich Scheinert, in den nächsten Monaten an der Baugenehmigung arbeiten und hoffen auf eine schnelle Fertigstellung des Projekts – „ab heute in zwei Jahren“, sagt Scheinert.

Das am Rande der Innenstadt und nahe der Goetheschule gelegene Grundstück, das wie die alte Postimmobilie verwahrlost und ein klassischer Schandfleck an prominenter Stelle ist, ist schon seit einigen Jahren im Besitz der Gruppe. Ulrich Scheinert, neben Peter und Roland Biskupek sowie Nicolas Moog einer von vier Partnern, hatte sich dort zunächst Wohnbebauung vorgestellt. Eine Realisierung scheiterte aber an unterschiedlichen Vorstellungen von Investoren und Stadtpolitik, was die bauliche Mächtigkeit der angedachten Mehrfamilienhäuser betraf. Eine Debatte, die es in Dieburg derzeit auch bei der Bebauung des St.-Rochus-Geländes gibt, wo die Kontroverse zwischen wirtschaftlich möglichst lukrativer Flächenverwertung und städtebaulicher (oft mit einer weniger üppigen Flächennutzung einhergehenden) Attraktivität eher zwischen den Projektentwicklern und den Anwohnern herrscht.

Nach Jahren des Stillstands und des Verfalls der ehemaligen Post – die Stadt hatte hinsichtlich eines Ankaufs zwischenzeitlich vergeblich die Fühler ausgestreckt, Scheinert der Lokalpolitik „Schikane“ und Mitschuld am erlahmten Wohnbauprojekt vorgeworfen –, änderte eine neue Entwicklung die Pläne für die begehrte Fläche grundlegend: Das Land Hessen tat kund, mit dem Finanzamt den alten (wenige Jahre zuvor erst millionenschwer sanierten) Standort in der Marienstraße verlassen zu wollen und wurde im September 2020 von Scheinert als neuer Interessent für das Post-Areal präsentiert. Dort will die Gruppe seither auf eigene Kosten das neue Finanzamt Dieburg bauen und anschließend langfristig an den Staat vermieten.

Seit fast zwei Jahren lag ein entsprechender Vertrag unterschriftsreif in Wiesbaden vor – nun ist er unterschrieben, wie sowohl Scheinert als auch Bürgermeister Frank Haus (parteilos) in diesen Tagen bestätigen. Zuvor hatten die Stadtverordneten dem neuen Vorhaben der Investoren auch deshalb zugestimmt, weil das Land Hessen für den Fall, einen Neubau nicht innenstadtnah und damit in attraktiver Lage für seine Beschäftigten zu bekommen, mit dem Wegzug der Behörde aus der Gersprenzstadt und damit der Abwanderung von rund 150 Arbeitsplätzen gedroht hatte. Ein Neubau beispielsweise im baldigen großen Baugebiet „Dieburg Süd“ wurde vom Land als nicht wünschenswert angesehen. Da viele Stadtverordnete am Eingang des Schlossgartens gern auch dringend benötigten neuen Wohnraum gesehen hätten und im alten Finanzamt in der Marienstraße nach dem Umzug erst mal ein markanter Leerstand entstehen wird, trafen selbst die größten Befürworter den umstrittenen Beschluss mit vernehmbarem Zähneknirschen.

Nach den jüngsten Justierungen an der Planung strebt das Vorhaben nun aber seiner Umsetzung entgegen. Laut Angaben der Investorengruppe beträgt das Projektvolumen rund 25 Millionen Euro. Von den fast 10 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sollen 5 823 oberirdisch entstehen und bis zu 200 Mitarbeitern der hessischen Finanzverwaltung Platz bieten. Mitarbeiter und Kunden sollen fast nur in einer Tiefgarage parken, wo 108 der insgesamt 116 Stellplätze errichtet werden. „Wir hoffen, dass wir die Baugenehmigung in einem halben Jahr haben und Anfang nächsten Jahres mit dem Bau beginnen können“, sagt Scheinert. „Dann könnten die Finanzbeamten Mitte 2024 einziehen.“ (Jens Dörr)

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