Nicht für die Katz’, für Vögel wird gekocht

Vielschichtiges Projekt von Arthaus und Regenbogenschule läuft unter Corona-Bedingungen

Es wird Vogelfutter gemacht – und zwar aus Abstandsgründen im Klassenzimmer, statt in der Schulküche. Alle tragen zudem Masken. Von links: Emilia, Luis, Sabrina Schäfer, Greta, Emma.
+
Es wird Vogelfutter gemacht – und zwar aus Abstandsgründen im Klassenzimmer, statt in der Schulküche. Alle tragen zudem Masken. Von links: Emilia, Luis, Sabrina Schäfer, Greta, Emma.

Holzlöffel rühren wie kleine Ruder in märchenhaft riesigen Kochtöpfen, hinter ihnen fliegt ein Schneebesen durch die Luft, es qualmt und duftet, aus dem einen Topf hüpft ein Tänzer, in dem anderem brodelt eine Suppe, auf einem dritten trommeln vier Zwerge einen wilden Rhythmus, und irgendwo sitzen Eltern und schlucken brav das, was ihnen die Zöglinge auftischen – so oder so ähnlich hätte es bei der Weihnachtsaufführung in der Altheimer Regenbogenschule ablaufen können: bunt, spektakulär und im besten Fall lecker. Es wäre eine würdige Gesamtkomposition aller vier Ateliers des aktuellen, vom ArtHaus organisierten Kinder-Musiktheaterprojekts gewesen, von der Theater-, der Koch-, der Capoeira- und der Rhythmusgruppe. Aber dann kam Corona.

Münster – Und jetzt ist alles anders. Die Theaterkinder von Grundschullehrer Max Petermann und die Trommler von Kai Bergerin halten Abstand, die kleinen Köche von Sabrina Schäfer dürfen nicht mit Lebensmitteln kochen und schon gar nichts essen, und die kleinen Kampfkunsttänzer von Capoeira-Trainer Antonio La Delfa kommen im November überhaupt nicht zum Zug. Und statt ihre Künste – ähnlich der „ArtHaus-Kunstkantine“ – in einer großen gemischten Inszenierung vor den Eltern zusammenzuführen, werden die vier Ateliergruppen am 12. Dezember einzeln und nacheinander zeigen, was sie drauf haben: an den Fenstern des Arthauses in Altheim, sozusagen als Innendarstellung für äußere Beobachter, oder gleich selbst im Freien.

„Jedenfalls, wenn alles gut geht“, meint Max Petermann, der die Idee zum „In der Nachtküche“ genannten Projekt hatte und sich um die notwendigen Landesfördermittel kümmerte. Falls Corona nämlich auch dafür einen Strich durch die Rechnung macht, soll es wenigstens einen kurzen Dokumentarfilm geben, der aus den vier Teilen ein gemeinsames Nachtküchen-Süppchen kocht.

Mit einer Videofilmerin hat Arthaus-Vorstand Petermann bereits Kontakt aufgenommen. Zumindest bei den Trommlern und den Theaterkindern, die weiter im Musikraum der Regenbogen-Grundschule proben, hat sie was zu sehen. Bei den Capoeira-Schülern nicht. Die mussten ihr Training vorerst beenden, da die Gemeinde im November Corona-bedingt nicht nur die Turnhalle, sondern ebenso den Sportplatz geschlossen hat. Und die Kids übten vorher dort draußen auf dem Fußballplatz.

Bei den kleinen Köchen lässt sich dagegen gut etwas filmen, auch wenn ihre Anzahl geschrumpft ist und zurzeit nur fünf aus der Einstein-Klasse, der einzigen zweiten Klasse der Regenbogenschule, an die Töpfe dürfen. In den Topf kommt auch schon mal erwärmtes Kokosöl und eine Körner-Früchte-Nuss-Mischung. „Wir machen Vogelfutter“, sagt Schäfer, die in Dieburg die Kinderkochschule „Wir kochen mit“ betreibt und von Petermann für sein Projekt ins Boot geholt wurde. Für Tiere kochen dürfen sie auch zu Corona. „Überhaupt ist das Thema ,Ernährung‘ sehr vielschichtig, denn Nachhaltung und Gesundheit gehören ja ebenfalls dazu“, findet die ausgebildete Ernährungsberaterin für Kinder. Da könne ein Kochkurs locker mal eine Zeit lang ohne echtes Kochen auskommen, obwohl sie das gemeinsame Brutzeln und Backen mit den Kids schon sehr vermisse.

Im September durften Luis (7), Emilia (7), Greta (7), Emma (8) und Jean-Luca (8), wie die fünf Nachtküchenköche heißen, zumindest noch mit Lebensmitteln arbeiten, wenn auch nicht wirklich kochen. So konnte jedes Kind mit dem eigenen Messer seine eigenen Gemüse- und Obstspalten schnippeln und daraus farbenfrohe Gesichter auf den eigenen Teller legen – und das Kunstwerk hinterher auf eigene Faust vernaschen. Als das nicht mehr ging, druckten sie mit Stempeln aus Kartoffeln lustige Bildchen. Und jetzt werden eben Meisenknödel geknetet – nachhaltig nicht im Plastikbecher, sondern in Muffinbackformen. Für den Schulhof gibt es gar ein großes Herz zum Picken mit vielen Eisstielstäbchen, auf denen die Vögel sitzen sollen. Und über die Wirkung der einzelnen Körner und Nüsse – auch auf den Menschen – lernen sie ganz nebenher etwas. Nächstes Mal will Schäfer Futterspender aus alten Trinkflaschen bauen.

Genau wie die jungen Köche sind die anderen froh, trotz aller Einschränkungen weiterzumachen – die Capoeiras vielleicht im Dezember. Wenn die Finanzierung klappt, sollen alle vier von September bis Dezember laufenden Ateliers im nächsten Jahr fortgeführt werden. Und irgendwann, wenn Corona vorbei ist, steigt dann auch die große Inszenierung für alle Sinne. Petermann mag schließlich nicht umsonst die ganzen Requisiten besorgt haben. Kontakt: E-Mail max.petermann@gmx.de. (ZKN)

Infos im Internet

modernmusicschool.com/de/dieburg,

capoeira-dadi.de

wirkochenmit.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare