Nyckelharpa im ARThaus

Besinnliches zur Sonnenwende

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Viel Andächtiges hatte das Konzert mit Sue Ferrers und Steffen Huther für die Gäste im dunklen ARThaus parat.

Altheim - In unserem Einzugsbereich werden in vielen Orten im Sommer Sonnenwendfeiern abgehalten. Von Peter Panknin 

Es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht (astronomisch gesehen), ein herrliches Ereignis, sich im Sommer mit Freunden im Freien zu treffen, um mit einem fröhlichen Fest die Sonnenwende zu feiern. Im Winter gibt es auch eine Sonnenwende, aber über eine Feier wie der jetzt im ARThaus mit einem außergewöhnlichen Konzert dazu ist eher selten zu berichten. Die Gründe dafür sind mannigfaltig.

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember fällt in eine Zeit, in der man auf Grund des üblichen Wettergeschehens eher nicht im Freien feiert. Außerdem stehen alle unter Stress, verursacht durch Weihnachtsfeiern in Firmen, Vereinen und sonstigen Organisationen. Nicht zu vergessen die Vorbereitungen für das Fest zu Hause. Niemand denkt an oder über Sonnenwenden nach.

Früher war das anders, aber warum? Zur Wintersonnenwende erreicht die Sonne auf der Nordhalbkugel der Erde die geringste Mittagshöhe über dem Horizont, auf der Südhalbkugel sind die Verhältnisse umgekehrt. Sie markiert den Beginn des astronomischen Winters. Zu diesem Zeitpunkt herrscht der kürzeste Tag und die längste Nacht, weil der größere Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizonts liegt.

Weshalb aber nun feiern? Da die Tage wieder länger werden, war die Wintersonnenwende in vielen antiken und frühmittelalterlichen Kulturen ein wichtiges Fest, das oft ein paar Tage vor oder nach dem Datum der tatsächlichen Sonnenwende gefeiert wurde. Schon steinzeitliche Kultstätten wie Stonehenge erfassten diesen Zeitpunkt mittels der relativ leicht feststellbaren Auf- und Untergangspunkte der Sonne.

Mit Einführung des Julianischen Kalenders lag dieser Zeitpunkt um den 25. Dezember herum, hat sich aber durch Veränderungen im Lauf der Gestirne auf den 21./22. Dezember heutiger Zeit verschoben. Nicht im Freien, aber im ARThaus zu Altheim wurde dieser besondere Tag gefeiert. Um die längste Nacht des Jahres zu ehren, haben Sue Ferrers und Steffen Huther, die sich „AROHA“ nennen, das letzte Konzert für das Jahr in fast vollständiger Dunkelheit gespielt. Ein Konzert für die Ohren, nicht für die Augen. Zu sehen gab es im bis auf den letzten Platz besetzten Saal eigentlich nichts, aber die Gäste bekamen viel zu hören. Ruhige, ausgeglichene Töne, hervorgebracht von Sue Ferrers Nyckelharpa und Steffen Huthers Gitarre, durchwirkten die Dunkelheit.

Das Publikum war absolut still und genoss Lieder wie zum Beispiel „Mull of Kentyre“, 1970 von Paul McCartney und dem Wings-Mitglied Denny Laine geschrieben, aber erst 1977 veröffentlicht. Bei seiner Ankündigung der Künstler hob ARThaus-Vorstand Roger Rigorth hervor, dass nur Instrumentales zu hören sein wird. Sue Ferrers griff das während des Konzertes auf und meinte, niemand hätte das Mitsingen des Publikums verboten, wenn es denn wolle.

Und es wollte. Bei dem ebenfalls von Paul McCartney komponierten Beatles-Lied „Let it be“ begannen die Zuhörer, zunächst verhalten, dann aber kräftiger mitzusummen. Eine eher in England bekannte weihnachtliche Weise erklang mit „God Rest Ye Merry Gentlemaen“, während mit „Mary Young and Fair“ nicht unbedingt die Heilige Maria gemeint war. Abschließend ertönte das „Hallelujah“ von Leonard Cohen, wobei viele Zuhörer wieder mitgesummt haben.

Ein Zuhörer, beim Verlassen des Raums gefragt, wie er sich denn nach diesem musikalischen Erlebnis fühlen würde, antwortete nur kurz, aber treffend: „Angenehm besinnlich“.

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