Der geringen Vergütung wegen bewirbt sich niemand um den Dienst

Ohne Wahlhelfer kein Urnengang in Münster

Münster jüngste Wahlhelferin Aylin Marquas.
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Münster jüngste Wahlhelferin Aylin Marquas.

Es sind mindestens fünf, höchstens neun Wahlhelfer in einem Wahlbezirk. Und einem jeden von ihnen kommt in der Demokratie große Bedeutung und Verantwortung zu. Auch wenn niemand davon Aufhebens macht: Ohne Helfer liefe bei einer Wahl nichts. Ab 8 Uhr Wohllokal-Öffnung bis Wahllokal-Schließung um 18 Uhr sind sie (in zwei Schichten) auf den Beinen (oder auf dem Stuhl), und danach kommt auch noch die wichtige Aufgabe der Auszählung auf sie zu.

Münster – Dafür gibt es zwar eine kleine Vergütung, doch deshalb tut sich diesen freiwilligen Dienst niemand an. In Münster gaben die älteste und erfahrenste sowie die jüngste Wahlhelferin Auskunft, warum sie dieses Amt ausüben möchten.

Vor jeder Wahl ist für jeden Wahlbezirk ein Wahlvorstand zu berufen. In Münster sind es deren neun, sieben für die Wahllokale und zwei für die beiden Briefwahlbezirke. Ein Wahlvorstand besteht aus einer Wahlvorsteherin oder einem Wahlvorsteher, deren Stellvertreter und weiteren drei bis sieben Wahlberechtigten als Beisitzer. Damit ist die Mindestzahl der Mitglieder des Wahlvorstands mindestens fünf und höchstens neun.

Vor über 20 Jahren stieß die heute 72-jährige Margot Wilpert zum Kreis der Wahlhelfer, seitdem hat sie keinen Urnengang in diesem Amt in ihrem Ortsteil Altheim ausgelassen. Ob Bundestags- oder Bürgermeisterwahl, ob es um Europa oder die Kommune ging: Wilpert stand im Wahllokal parat. Und zwar in beiden Altheimer Lokalitäten: „Im Gustav-Schoeltzke-Haus war ich einige Male, lieber aber im evangelischen Kindergarten. Der ist näher zu meinem Heim“, sagt sie. In diesem Jahr steht sie in der Kita ihre Wahlhelferin.

Wie sie zum Amte kam? „Mein Schwiegersohn arbeitet auf der Gemeindeverwaltung. Er fragte damals und ich stellte mir das interessant vor. Also machte ich mit.“

Sie ist parteilos, aber politisch interessiert und auch Stammwählerin einer Volkspartei, doch tritt dies freilich bei ihrer Amtsausführung in den Hintergrund. Alle Wahlabläufe, die vor jedem neuen Urnengang geschult werden, sind der Altheimerin schon längst in Fleisch und Blut übergegangen. Ob sie schon einmal eine ganz besondere Situation an den Wahlkabinen erlebt hat? „Bislang lief alles stets reibungslos und glatt. Nur einmal verzählte sich einer in unserem Lokall. Da musste wir alle nochmals mit der Zettelklauberei starten“, lacht sie. Eine Kleinigkeit. Und früher, als „die Wahlkabinen auch unten herum geschlossen waren und keine Beine zu sehen, wie heute“, da habe man schon mal übereifrige Wähler zurückhalten müssen in ihrem Drang der Kreuzchenabgabe. Nur so etwas wie jetzt, eine Pandemie, habe man glücklicherweise bislang nicht gehabt: „Es gibt halt auch hier immer wieder mal was Neues.“

Für Aylin Marquas wird am 14. März alles neu sein. Deshalb hat sich die 20-Jährige auch ums Amt beworben. Und weil die jüngste Wahlhelferin Münsters selbst politisch aktiv ist. Ihre Mutter ist Spitzenkandidatin bei den Alternativen, und auch sie ist bei ALMA/Die Grünen. Zur Wahlhelferin allerdings trieb sie der Wissensdurst: „Ich möchte wissen, wie das alles vonstatten geht. Von außen habe ich die Abläufe nur in der Theorie gelernt. Um aber andere Menschen zum Wahlgang zu bewegen, will ich genau wissen, was läuft“, sagt die Demokratin aus Überzeugung. Sie möchte Argumente sammeln und dabei gleichgesinnte Leute treffen. „Und das ist als Wahlhelferin sicher möglich“, sagt die Studentin des Umweltingenieurwesens, die in der John-F-_Kennedy-Schule ihren Wahl-Dienst versehen wird. (Von Thomas Meier )

Wahlhelferin Margot Wilpert bringt viel Erfahrung mit.

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