Ortskernbegehung

Alter Leerstand hat viel Potenzial

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In Bach- und Fritzegasse gibt es neben einigen Leerständen und unattraktiven Fassaden auch positive Beispiele für gelungene Haussanierungen.

Münster - Ideen für die Entwicklung des Ortskerns zu sammeln war Intention des jüngsten Rundgangs von Kommunalpolitikern und Anwohnern. Vor allem den „sozialen Treffpunkten“ im Quartier wurde große Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Bereiche in Münsters Ortskern sind städtebaulich eine Herausforderung. Enge Gassen, dichte Bebauung, kaum Parkraum für Autos. Zudem gibt es eine optisch nicht immer ansprechende Mixtur aus teils denkmalgeschützten Altbauten und Häusern aus den 1970er und 80er Jahren. Einige Gebäude sind aufwendig und anspruchsvoll saniert worden, andere verfallen zusehends. Bei der einen oder anderen Immobilie haben die Eigentümer mit der Sanierung begonnen, die jedoch ins Stocken geriet. Die Gemeinde Münster möchte den alten Ortskern gemeinsam mit den Bürgern und insbesondere mit den Hauseigentümern entwickeln, wobei Quartierscharakter und Substanz erhalten bleiben sollen.

Dieses ambitionierte Vorhaben gelinge nur miteinander und auf freiwilliger, konstruktiver Basis, sagte Bürgermeister Gerald Frank (SPD) beim jüngsten Ortsrundgang mit interessierten Bürgern und Anwohnern. Startpunkt des Rundgangs war die Hausnummer 1 der Hintergasse, in dem sich das Eiscafé Venezia befindet. Beim ersten Bürgerworkshop zur innerörtlichen Entwicklung hatten die Teilnehmer das Eiscafé als einen wichtigen sozialen Treffpunkt bezeichnet, der in der direkten Nachbarschaft eine Ergänzung finden sollte.

Die Gruppe aus etwa einem Dutzend Münsterer Bürger sah in dem Haus „Badischer Hof“ eine gute Möglichkeit, eine Begegnungsstätte zu schaffen, in der verschiedene Generationen und Interessensgruppen zusammenkommen können. Alternativ könne Wohnraum geschaffen werden. Auch in den anderen Straßen – der Bach- und Fritzegasse, der Schulstraße und der Odenwaldstraße – gibt es relativ viel Leerstand, aber auch vorbildlich sanierte und gepflegte Häuser.

„Wir sammeln in der gegenwärtigen Phase Ideen für die Entwicklung des Ortskerns“, erklärte Joachim Linke, Professor an der TU Darmstadt, der das Projekt seit März 2017 in Münster wissenschaftlich leitet. „Ziel ist es, Entwicklungspotenziale zu identifizieren und mit den Menschen in den betreffenden Quartieren zu definieren.“ Das Projekt „AktVis“, das kurz für Aktion durch Vision steht, wird zu 100 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und soll als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden.

Bilder: Ghana-Hilfe-Tag in der Kulturhalle

„Kommune, TU und natürlich die Bürger wollen gemeinsam Lösungen erarbeiten, um innerstädtische Gebiete besser zu nutzen und attraktiver zu gestalten“, erläuterte Linke. Dabei müsse sehr sensibel vorgegangen werden, da hinter einigen unattraktiven Fassaden erhebliche familiäre oder finanzielle Schwierigkeiten stecken können. „Meist sind die Eigentümer solcher Immobilien selbst mit der Situation nicht glücklich. Es kommt vor, dass wir mit Lösungsvorschlägen buchstäblich offene Türen einrennen.“

So weit ist das Projekt in Münster noch nicht gediehen. Beim Ortsrundgang wurden nun negative wie positive Beispiele in dem entsprechenden Areal betrachtet. Bürgermeister Frank erläuterte auch, warum die Gemeinde ein offensichtlich ungepflegtes Haus, das zum Verkauf angeboten wurde, nicht erworben hat. Zwar habe jede Kommune ein Vorkaufsrecht, doch müsse sie die Immobilie zum Zwecke der Allgemeinheit kaufen. Die Baugesetzgebung sei an dieser Stelle relativ komplex, das Vorkaufsrecht selten umsetzbar. Im Anschluss an den Rundgang trafen sich die Teilnehmer im Rathaus, um aus den gesammelten Eindrücken differenziertere Ideen zu formulieren. (zeta)

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