Posaunistin Julia Jaschek hat bei „Jugend musiziert“ alle Wettbewerbe gewonnen

„Dann war Party in Omas Küche!“

Mit Barock-Sonate und „Fantasia“-Solo auf Platz eins: Posaunistin Julia Jaschek hat bei „Jugend musiziert“ Siege auf allen Ebenen abgeräumt. Im Musikverein Münster spielt sie in beiden Orchestern.
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Mit Barock-Sonate und „Fantasia“-Solo auf Platz eins: Posaunistin Julia Jaschek hat bei „Jugend musiziert“ Siege auf allen Ebenen abgeräumt. Im Musikverein Münster spielt sie in beiden Orchestern.

Posaunistin Julia Jaschek hat bei „Jugend musiziert“ alle Wettbewerbe gewonnen. Im Musikverein Münster spielt sie in beiden Orchestern.

Münster – Julia Jaschek ist der lebende Beweis, dass man auch unter Pandemiebedingungen künstlerische Spitzenleistungen erbringen kann. Beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ hat die 16-Jährige aus Münster mit der Posaune Siege auf allen Ebenen abgeräumt. Der Ursprung ihrer vielversprechenden Entwicklung liegt im Münsterer Musikverein.

Dort begann Julia als Neunjährige mit dem tiefen Blechblasinstrument. „Mein Papa spielt auch Posaune, und ich bin damals zu den Schnuppertagen des Musikvereins gegangen“, erzählt sie. Der (mittlerweile verstorbene) Leiter des Jugendorchesters, Matthias Jäger, stellte damals die Posaune vor. „Ich habe direkt einen Ton getroffen“, schildert die junge Frau sieben Jahre und tausende Stunden des Übens später ihre erste Begegnung mit dem Aerofon. Julia trat ein; heute spielt sie sowohl im Jugend- als auch im Großen Orchester des Vereins.

Dabei blieb es aber nicht. Die Elftklässlerin, die auf der Dieburger Alfred-Delp-Schule das Abitur anpeilt, hinterließ bei ihrem ersten Förderer offenbar einen talentierten wie motivierten Eindruck: Jäger empfahl ihr eine zusätzliche musikalische Ausbildung an der renommierten Akademie für Tonkunst in Darmstadt. Seit vier Jahren verfeinert sie ihr Posaunenspiel dort bei Markus Wagemann.

Wagemann war es auch, der Julia die Anmeldung bei „Jugend musiziert“ schmackhaft machte. In der Gruppe „Posaune bis 18 Jahre“ stieg die Münstererin im Januar im Regionalwettbewerb ein. „Ich war ziemlich überrascht, dass ich ein Tonband einschicken sollte“, berichtet sie von den speziellen Corona-Umständen. Normalerweise präsentieren die Musiker ihre Stücke live vor der Jury; stattdessen nahm sie nun mithilfe eines Tonmeisters im großen Saal der Akademie drei Stücke auf. Bei einer Sonate aus dem Barock und einem Posaunenkonzert aus der Romantik begleitete sie Pianist Luis Richter; hinzu kam das moderne Solostück „Fantasia“ von Frigyes Hidas.

Das sei zwar „etwas ganz anderes gewesen als ein Live-Auftritt und hat den Wettbewerb etwas verfremdet“, meint Julia. Dennoch waren die Bedingungen letztlich für alle Teilnehmer gleich. Ein paar Tage nach der Auswertung der Tonbänder wurde das Ergebnis des Regionalentscheids „ziemlich unspektakulär auf der Website veröffentlicht“, erzählt die Posaunistin. „Das war vom Rahmen her ein bisschen schade, doch damit komme ich klar“, fügt sie augenzwinkernd an. Zumal das Ergebnis kaum besser hätte lauten können: 23 von 25 möglichen Punkten, erster Preis. Und nur der Anfang der Erfolgsstory.

Denn im März ging es mit der nächsten Stufe von „Jugend musiziert“ weiter, dem Landeswettbewerb. Erneut per Aufnahme, wieder zu den drei selben Stücken. „Ich habe sie weiter verfeinert und noch mal einen Riesensprung gemacht“, blickt Julia zurück. Einen Monat später die Gewissheit: wieder 23 Punkte, wieder Platz eins. „Bei 24 oder 25 Punkten kommt man automatisch weiter auf Bundesebene“, sagt sie. Darunter liege dies im Ermessen der Jury. „Sie hat mich weitergelassen.“ Eine weise Entscheidung.

Denn beim Bundeswettbewerb im Mai, wieder nicht live, wieder dieselben Stücke, stets von Luis Richter begleitet, reüssierte Julia Jaschek ein drittes Mal. Das physische Bundesfinale in Bremerhaven fiel zwar noch der virulenten Lage zum Opfer, die Preisverleihung fand per Videostream statt. An einem Dienstag nach der Schule, als die Münstererin gerade bei ihrer Großmutter zu Mittag gegessen hatte, machte sich trotzdem Euphorie breit: „Als das Ergebnis bekannt gegeben wurde, war Party in Omas Küche!“

Ein Preisgeld war mit dem Bundessieg bei „Jugend musiziert“ zwar nicht verbunden, „aber er ist gut für den Lebenslauf“, ist sich Julia sicher. Für sie werde „Musik immer wichtiger“, zunehmend reife der Plan, die Leidenschaft nach der Schule zum Beruf zu machen. „Im Moment finde ich den Musikkorps der Bundeswehr am attraktivsten“, sagt sie. Dort könnte sie sich ganz auf das Posaunenspiel konzentrieren, „und dort ist es am sichersten“.

Noch ist das – im wahrsten Wortsinn – Zukunftsmusik. Näher liegen da die nächsten Proben mit den Münsterer Orchestern und weitere kreative wie handwerkliche Fortschritte an der Akademie. Eine Hoffnung hat Julia Jaschek nach 16 Monaten, in denen die staatlichen Corona-Vorgaben auch dem Musikverein Münster die Wahrung seiner Daseinsberechtigung erschwert haben, besonders: „Ich wünsche mir, dass wir bald wieder unser festliches Konzert in der Kulturhalle spielen können.“ (Von Jens Dörr)

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