Naturpädagogisches Vorhaben

Münster: Projekt leidet an Sturm, Brand und Corona - Fördergelder brechen weg

Sie grasen gemütlich, die Wisente auf dem Muna-Gelände, auch ohne naturpädagogisches Projekt. Die Abgeschiedenheit hinter vielen Zäunen wird den urwüchsigen Kolossen wohl noch geraume Zeit gegönnt sein.
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Sie grasen gemütlich, die Wisente auf dem Muna-Gelände, auch ohne naturpädagogisches Projekt. Die Abgeschiedenheit hinter vielen Zäunen wird den urwüchsigen Kolossen wohl noch geraume Zeit gegönnt sein.

Zum naturpädagogischen Projekt Muna gibt es heute Abend im Rathaus für die Mitglieder einen Bericht zur Entwicklung. Er beschreibt nicht nur, warum es zu erheblichen Zeitverzögerungen kam und weiterhin kommen wird. Er wirft auch Fragen auf, ob das Millionenprojekt in seiner Gänze umsetzbar sein wird.

Münster - Bei den Verhandlungen zur Finanzierung des Projektes Muna Münster sind Gespräche mit der Förderstelle des Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Deutschen Bahn geführt worden. „Das Resultat erfordert eine Anpassung der Projektplanung und Umsetzung“, heißt es im vorgelegten Positionspapier.

Vor allem äußere Faktoren bestimmen die zeitlichen Verzögerungen im Gesamtprojekt. Da waren einmal der Sturm Fabienne am 23. September 2018, der 100 000 Kubikmeter Windwurf allein im Forstamtsbereich Dieburg zur Folge hatte und den Gemeindewald Münster mit 40 000 Kubikmetern betraf. Dann brannte der Wald nahe der Muna, rund acht Hektar Forst wurden dabei zerstört. Ein Brandkonzept des Landkreises wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten hin erstellt, ein Sonderalarmplan fürs Muna-Areal fehlt bis heute.

Und deshalb brechen auch noch fest eingeplante europäische Fördergelder weg, weil durch die Verzögerung durch Sturm und Waldbrand und die sich daraus ergebenden Maßnahmen, was Brandschutzkonzept, Wegekonzept, Betreibungskonzept, Umweltgutachten, naturpädagogische Betreuung und mehr angeht, bis zum Stichtag der Leader-Bewerbungsfrist am 11. September nicht die vom Komitee geforderte Infrastruktur vorgelegt werden kann, die für eine Bewilligung zwingend notwendig wären. Zudem ist die Verfügbarkeit von weiteren Fördermitteln „coronabedingt klärungsbedürftig“, heißt es im Situationsbericht. Die Förderperiode läuft aus und durch verschärfte Finanzlagen in allen öffentlichen Haushalten der Pandemie wegen ist die Verfügbarkeit solcher Mittel noch sehr fragwürdig.

Vor einem Jahr rechnete die Gemeinde noch mit rund 280 000 Euro Projektkosten, die auf sie entfallen sollten, aus dem Leader-Förderprogramm hätten dabei 140 000 Euro fließen können, der Rest war als Eigenfinanzierung durch die Kommune gedacht. Doch verschärft durch Einnahmeausfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sieht sich die Haushaltslage der Gemeinde heute einer verhängten Sperre gegenüber.

Das Positionspapier sieht mehrere Lösungsvorschläge vor. Beispielsweise ein Stufenmodell zur weiteren Entwicklung, das eine Trennung eines naturpädagogischen Angebotes und der historischen Bunker, in denen auch das naturpädagogische Museum seine Heimat finden sollte, vorsieht. Sicher ist, dass die Beweidung der Wisente – und irgendwann auch der Wildpferde – abgekoppelt vom Museumsprojekt im Bunker Bestand haben wird. Doch auch hier sollte eigentlich laut Plan schon die Aussichtsplattform für Besuchergruppen fertig sein.

Das laufende Projekt wird auf absehbare Zeit wohl erheblich heruntergefahren. Die potenzielle Kostenverteilung nach derzeitigem Stand sieht nurmehr Gesamtkosten von rund 98 000 Euro vor, von denen die Deutsche Bahn 83 000, den Rest die Gemeinde Münster tragen würde. Von den Baukosten eines Bunker-Museums ist nicht mehr die Rede, vielmehr flösse das nun veranschlagte Geld in eine Photovoltaikanlage mit Batteriepuffer, die Herstellung von Erlebnisstationen entlang des Gehweges zum Gehege inklusive der Beschilderung, in einen WC-Container und die Herrichtung des Naturlehrpfades.

Als „wichtige Faktoren für eine Gestaltung der Bunker durch die Deutsche Bahn“ werden einige Bedingungen genannt, deren Kosten im Bericht nicht aufgeführt sind. So wolle die DB nicht in ein Projekt investieren, das dann nicht besucht werden kann. Ein bis zwei Besuchergruppen pro Woche sollten es schon sein. Auch werde die Bahn nur eine einfache Lösung etablieren, gebe es kein hauptamtliches Personal fürs Bunkererlebnis. Der Zugang werde bei „einfacher“ Lösung auch für Münsterer Bürger kaum gewährleistet sein, orakelt der Bericht: „Im Münsterer Wald entsteht ein Angebot ohne die Gemeinde.“ Als Lösung wird den Kommunalpolitikern geraten, eine Zehn-Stunden-Stelle pro Woche hierfür in der Abteilung Kultur der Verwaltung zu schaffen.

Aufgrund der veränderten Ausgangssituation würden folgende Maßnahmen die Gemeinde rund 15 000 Euro kosten: Übernahme der allgemeinen Bauvorbereitung und eines Ausgleichsgutachtens, die Kosten von Trägerelementen für Infotafeln, ,Wegweiser, Ausbesserungsmaßnahmen des Bodens in Eigenleistung sowie das Stellen von Bänken und Stühlen aus alten Restbeständen der Gemeinde.

Auch eine Zeitschiene für das verbliebene naturpädagogische Gelände wird im Bericht aufgezeigt. Wenn noch diesen Monat die Finanzierung und Vorgehensweise geklärt würde, sollte im September das Ausgleichsgutachten erstellt, im Oktober die Bauarbeiten für den Naturlehrpfad vergeben sein, die dann im Frühjahr beginnen. Im Mai müsste dann der Naturlehrpfad gestaltet sein, damit eine „frühestmögliche Eröffnung des naturpädagogischen Erlebnisgeländes“ im Sommer nächsten Jahres realisiert werden könnte.

Von Thomas Meier

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