Schule auf der Aue in Münster

Provisorium soll keine Dauerlösung werden

Viel Kritik musste sich Landrat Klaus Peter Schellhaas (links) bei seinem Besuch in der Schule auf der Aue von Lehrern und Eltern anhören.
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Viel Kritik musste sich Landrat Klaus Peter Schellhaas (links) bei seinem Besuch in der Schule auf der Aue in Münster von Lehrern und Eltern anhören.

Seit zehn Jahren lebt die Gemeinde der 1 000 Schüler zählenden Münsterer „Schule auf der Aue“ auf einer Baustelle. Es geht nur schleppend voran – man hinkt dem Zeitplan hinterher.

Münster - Doch eine aktuelle Nachricht bereitet dem Lehrerkollegium, Schülern und Eltern nun zusätzliche Sorgen: Die Bauabschnitte 4 und 5, die Lernlandschaften beziehungsweise Klassenräume für die Jahrgänge 9 und 10 sowie eine Modernisierung des Verwaltungstraktes mitsamt Mediathek, Schulleitungs-Büros und Verwaltung umfassen, wurden vom Schulträger, dem Landkreis, gestoppt.

Der Elternbeiratsvorstand der hat daher Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) um Hilfe gebeten. Bei einem Vororttermin an der Kooperative Gesamtschule informierte er sich nun über die Bauarbeiten und stellte sich den Fragen der Eltern, Schulleitung, des Lehrerkollegiums und der Schülerschaft.

Die Elternbeiräte Thomas Gensert, Martina Plieske und Stephanie Christoph hatten in einem Brief dem Chef der Kreisverwaltung ihr Unverständnis darüber mitgeteilt, dass im Falle einer Streichung der Bauabschnitte 4 und 5 die Aueschule für viele Jahre „unvollendet bleiben“ werde. Mindestens 16 Klassen verbleiben im Provisorium der „MobiSkul“, in der aktuell die achten bis zehnten Klassen untergebracht sind. Es sei dringend erforderlich, den vierten Bauabschnitt zu planen und zu bauen. Aus dem Provisorium dürfe auf keinen Fall eine „Dauerlösung“ werden, zumal die Räume dort weder über W-LAN noch über digitale Tafeln, geschweige denn über geeignete Heizungs- und Lüftungsanlagen verfügen würden. Zudem gebe es nicht genügend Toiletten. „Wir als Vertreter der Eltern möchten daher in aller Form protestieren und Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass die Sanierung der Schule wie geplant fortgesetzt und abgeschlossen wird“, schließen die Elternbeiräte ihren Brief.

An einem heißen Tag konnte sich Schellhaas dann gleich von den „miserablen klimatischen Bedingungen“ in der „MobiSkul“ selbst überzeugen: Die Schulgemeinde lud ihn in einen Klassenraum an deren Südseite zu einer Powerpräsentation ein, durch die Schulleiterin Sabine Behling führte. Neben Schellhaas und den Elternvertretern saßen Mitglieder der Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer, zwei Zehntklässlerinnen sowie Münsters Bürgermeister Joachim Schledt in einem überhitzten Klassenraum, in dem eigentlich bis zu 30 Schüler lernen.

Direktorin Behling erinnerte während ihrer Präsentation noch einmal ans Jahr 2017, als die Schule beim Landkreis einen Mehrbedarf von zehn Klassenräumen, Büros für Sozialpädagogik und Ganztag, Konferenz- und Besprechungsräumen angemeldet hatte: „Diese Räumlichkeiten wurden aber nie geplant“, monierte die Schulleiterin. Geplant, aber nicht gebaut werden fünf Klassenräume aus den Lernlandschaften (Bauabschnitt 1 und 2), ein zweiter Musiksaal, ein Lehrerzimmer, eine Lehrmittelbibliothek, Konferenz- und Besprechungsräume sowie Sozialräume für Lernbegleiter. Die Grafiken und Ausführungen der Schulleiterin machten deutlich: Der Landkreis plante um, verschob – und strich nun einen kompletten Bauabschnitt.

Schellhaas hörte aufmerksam zu und beantwortete geduldig Fragen. Er versprach, die Ausstattung der „MobiSkul“ mit W-LAN zu beschleunigen, konnte sich aber nicht zu einem konkreten Termin äußern. Die Frage, warum die Bauabschnitte 4 und 5 nicht umgesetzt würden, wolle er schnell klären: „Vermutlich ist der Verwaltungstrakt der Aueschule noch nicht komplett finanziert, weswegen man dort nichts Neues errichten kann“, mutmaßte er. Die Klagen über miserable klimatische und sanitäre Einrichtungen rund um die „MobiSkul“ nahm der Landrat zur Kenntnis, konnte aber nichts versprechen. Bei einem Rundgang durch die vor zwei Jahren eröffneten Lernlandschaften staunte er über die offene, verglaste Bauweise der Klassenräume, deren Innenleben man von außen beobachten kann. Bei einem Besuch des vor wenigen Wochen eröffneten Spielgeländes inspizierte Schellhaas einige Spielgeräte, die zwar optisch sehr reizvoll wirken, nach Hinweisen der Pädagogen jedoch gefährlich sein können.

Der Chef der Kreisverwaltung versprach schließlich, sich um die Angelegenheit zu kümmern, verwies aber gleichfalls an seinen Schuldezernenten, dessen Aufgabe dies eigentlich sei. (nkö)

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