INTERVIEW: Arthaus holt Kunstmesse aufs Land

Roger Rigorth über die „Tausch! 2019“ und den Bürgerkontakt

Roger Rigorth, hier bei der Arbeit an einer seiner Skulpturen in Altheim, spricht über das Festival „Tausch!“ und die Chancen für Künstler im ländlichen Raum. Foto: Th. Meier

Zum viertägigen Kunstfestival „Tausch! Contemporary Art Fair 2019 – Kunst in ruralen Räumen“ lädt das Arthaus an der Hauptstraße 2 ein. Eröffnung ist heute um 18 Uhr.

Altheim – Es will vieles zugleich sein: Werkgespräch bildender Künstler, dazu Musikdarstellungen, Tanztheater, oder auch Kreativworkshops. In einem Gespräch mit Roger Rigorth erläutert der Mit-Kurator die Ziele dieser ersten nicht-kommerziellen Kunstmesse im Arthaus und ihre besondere Bedeutung auch für Altheim. Die Veranstaltungsreihe widmet sich ländlichen (ruralen) Räumen und ist somit im gerade frisch sanierten Fachwerkbau von 1862 sicher trefflich angesiedelt. Die damit verbundene Kunstmesse „Tausch! 2019“ wird bestückt von 27 zeitgenössischen Künstlern, mehreren regionalen Akteuren, Bands und Musikern im kulturellen Zentrum der Gemeinde. Dazu gibt es ein Begleitprogramm mit Musik und Tanz, das dem Ganzen eine besondere Note verleiht.

Das klingt nach ganz großer Kunstschau. Wie soll die im feinen, aber kleinen Arthaus ablaufen?
Die Tausch-Teilnehmer sind alle mit Werken in einer gemeinsamen Ausstellung im ehemaligen großen Ratssaal im Obergeschoss vertreten. Besucher können in Werkgesprächen mit den Künstlern in einen direkten Dialog treten und sich austauschen. Jeder Künstler ist angehalten, einen eigenen Beitrag von etwa einer Stunde zu performen. Das macht es lebendig. Interaktiv werden die Besucher dabei eingebunden. Die Präsentationen und Gespräche der bildenden Künstler werden in den Nebenräumen, unseren „Cabinets“ sein. Dies sind die Räume zur Selbstdarstellung der Kreativen.

Und was bringen die Künstler mit ins Altheimer Landleben?
Zeitgenössische Kunst wird in verschiedener Art und Form präsentiert. Von traditioneller Ölmalerei und Tuschzeichnungen bis zu Happenings und Installationen ist alles vertreten. Das Ziel ist nicht das einer konventionellen Messe, etwas zu verkaufen, sondern vielmehr zu Erforschen, zu Erfahren, und dabei Fragen nachzugehen wie beispielsweise nach Anerkennung von Künstler und Werk, der Beziehung von Kunst und Markt oder dem scheinbaren Kontrast von Stadt und Land. Die Quintessenz ist der AusTausch zwischen Künstler und Besucher.

Großes Thema ist der rurale, ländliche Raum, den sich überwiegend Künstler aus den großen Städten unseres Ballungsraumes Rhein-Main erschließen wollen. Wie geht das?
Vor allem über die Round-Table-Gespräche. Wir haben beispielsweise den Landrat zu Gast, der aufzeigen wird, was Kunst für die Region bedeutet und wo Ansatzpunkte für Künstler liegen. Aus Berlin vom Institut für internationalen Kulturaustausch kommt eine hochkarätige Referentin, Philosophieprofessor Alfred Nordmann aus Darmstadt wird aufzeigen, wo Chancen und Grenzen im Ländlichen liegen.

Gibt es Höhepunkte im viertägigen Kunstfestival-Verlauf?
Man schliddert von einem Glanzpunkt zum nächsten.
Am Freitag um 18 Uhr heißt es etwa „look @ the world through my eyes“. Mit einer Videoprojektion von Fotoporträts zeigen Corinna Zürcher und Martin Böttcher ihre Aktion, die die Besucher die Welt durch die Augen eines anderen sehen lässt. Samstag präsentieren Katharina Eckert und Yuhao Tong gemeinsam großformatige Tuschzeichnungen. Dabei laden sie die Besucher ein, selbst mit Tusche zu zeichnen. Sonntag ab 17 Uhr werden Carolyn Krüger und Brigitte Kottwitz mit einem Kunstfilm und einer Hörcollage eine neue Atmosphäre für die Besucher kreieren. Darauf folgt eine Diskussion zu den vorher erlebten Empfindungen und Vorstellungen vom ländlichen Raum. Und es gibt noch viel mehr zu sehen und zu hören. Das muss man erleben.

Gibt es auch lokale Aspekter, die beleuchtet werden?
Ich werde am Sonntag um 16 Uhr mit Fundstücken aus der Renovierungsphase des Arthauses die Geschichte der Anhäufung der Fiktion und Realität beleuchten. Es geht dabei auch um die Mystifizierung in der Kunst.

Das Gespräch führte Thomas Meier

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