„Sicherheit geht vor“

Eppertshäuser reagieren beim Kerbumzug auch auf Unfall in Münster

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Bei den Wagen, die Personen beförderten, wurde noch am Samstagvormittag die Brüstungshöhe von einem KFZ-Sachverständigen geprüft.

Trockenen Fußes haben mehrere hundert Teilnehmer des Eppertshäuser Kerbumzugs am frühen Samstagabend die Route vom Haus Westermann zur Bürgerhalle genommen – vor allem aber: mit Vorsicht und Bedacht. 

Eppertshausen – Der Unfall im September beim Umzug in Münster beeinflusste auch das Ereignis in der Nachbarkommune. „Sicherheit geht vor“, gab Stadtchef Carsten Helfmann als Sprecher des Kerbkomitees die Devise aus.

21 Nummern waren dabei: einerseits diverse Kerbjahrgänge auf ihren Wagen, andererseits Eppertshäuser Gruppen und Vereine wie der TAV, die „Mofa Trottel“ und die Settchen. Letztere, vom Settchesball am Fastnachtsonntag bekannt für Schwung und Akrobatik, trugen manche ihrer Tänzerinnen auf Händen durch die Straßen und ließen sie den Umzug „fliegen“. Angeführt wurde der bunte, direkt nach dem Kerb-Gottesdienst am Haus Westermann gestartete Lindwurm vom „Dreigestirn“ Helfmann, Pfarrer Harald Christian Röper und Kerbmutter Katharina Schröder. Sie sollte am Sonntagnachmittag letztmals den Kerbspruch halten und zugleich ihren Nachfolger für 2020 präsentieren (separater Artikel). Dahinter folgte der aktuelle Jahrgang mit acht Kerbmädels (Oberkerbmädel: Marie-Sophie Schledt) und vier Burschen (Oberkerbbursche: Leopold Schröder).

Es hätten auch närrische 22 Zugnummern sein können, doch einer Gruppe von Reitern erteilte das Komitee eine Absage: „So schön Pferde beim Umzug natürlich wären, haben wir das abgelehnt“, sagte Helfmann und verwies auf das Risiko, dass die Tiere ausbrechen oder im Trubel andere Dinge machen könnten, die Teilnehmer und Zuschauer gefährden.

Fußballer und Fastnachter gehören beide dem FV Eppertshausen an und liefen entsprechend als gemeinsame Gruppe mit. 

Überhaupt sollte die Gefahr am Wochenende so gut wie möglich gebannt sein, was sich schon am Freitag beim Kerbbaumaufstellen niederschlug. Helfmann: „Bei der Gedenkminute für Manfred Beckmann fing der Himmel ein wenig an zu weinen“: Nachdem die Eppertshäuser im Vorjahr ein Malheur mit dem umstürzenden, rund 17 Meter hohen Kerbbaum erlebten, war das aktuelle Exemplar nicht nur fünf Meter kürzer und exakt 11,83 Meter hoch (Eppertshausen wurde 836, also vor 1 183 Jahren, erstmals urkundlich erwähnt). Auch die Verankerung für den Baum war modifiziert, sodass er nur noch in die Aufstellrichtung umkippen konnte. Darüber hinaus wurde die Fläche rund um den Baum mit Flatterband abgesperrt und bis zum vollendeten Werk herrschte für die Beteiligten Alkoholverbot.

Auch beim Umzug galt es für die Teilnehmer, eine Reihe von Vorschriften aus einem 15-seitigen Werk mit „Auflagen für die Kerb 2019“ zu beachten. Verboten waren beim Umzug nicht nur Pferde, sondern auch Konfettiregen. Im Vorjahr hatten die Papierschnipsel einige Anwohner des Zugwegs verärgert – auch weil die Verursacher später nicht für die Beseitigung des Unrats sorgten.

Die Wagen checkte ein KFZ-Sachverständiger – besonders die Höhe der Brüstung, hinter der die Mitfahrenden feierten. „Schon nach dem Unfall beim Kerbumzug in Groß-Zimmern hatten wir unsere Sicherheitsauflagen verschärft – nach dem Unfall in Münster nun nochmals“, so Helfmann. In Münster war ein Stromaggregat in Brand geraten und hatte einen Teilnehmer schwer verletzt. In Eppertshausen war das Öffnen und Nachfüllen der Aggregate während des Umzugs verboten. Was leer war, blieb leer. Zudem hielten sich Einsatzkräfte der Feuerwehr für den Fall der Fälle bereit.

VON JENS DÖRR

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