„Sowjetische Boxschule genossen“

Sergej Gazembiler bringt das Kick- und Thaiboxen nach Münster

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Kampfsport-Lehrer Sergej Gazembiler kontrolliert bei zweien seiner Schüler eine Kombination aus Schlägen und Tritten. 

Vom Kampfsport in seinen vielen Facetten versteht Sergej Gazembiler jede Menge. Der 39-Jährige wuchs im heutigen Nordkasachstan auf. „Ich habe noch die sowjetische Boxschule genossen.“ 

Münster – “Als Jugendlicher kam er nach Deutschland, fand übers Vollkontakt-Karate, Jiu-Jitsu und das klassische Boxen schließlich zum Kick- und Thaiboxen. Die Kombination aus fernöstlicher Kampfkunst und modernen Kampfsport-Elementen unterrichtet Gazembiler seit Februar auch in hiesigen Gefilden: Damals eröffnete er, der schon seit vier Jahren das „Gym & Box“ in Aschaffenburg betreibt, in Münster eine Zweigstelle. Aufgrund des raschen Zulaufs an Kindern wie Erwachsenen zog die Schule vor ein paar Wochen bereits das erste Mal um und ist nun im „Grenzgebiet“ zwischen Münster und Dieburg in der (auf Dieburger Gemarkung liegenden) Lagerstraße zu finden.

Doch warum Kick- und Thaiboxen? „Die Erwachsenen, die zu mir kommen, wollen sich in erster Linie fitter, wohler und selbstsicherer fühlen“, sagt Gazembiler, der es als Ehre empfand, einst selbst als Schüler in Frankfurt von Meister Tian („Er hat das Thaiboxen in die Region gebracht“) aufgenommen und gefördert worden zu sein. Seither habe er „jeden Tag trainiert“, parallel zum Job und auch seit jener Zeit, in der er sich mit dem „Gym & Box“ selbstständig gemacht hat. Sein Wissen und Können gibt er nun an zwei Orten weiter.

Immer dienstags und donnerstags ist Gazembiler in seinem neuen Domizil in der Lagerstraße. Um 16.45 Uhr kommen zunächst die Kinder und Jugendliche, an die 20 Stück, meist zwischen acht und elf Jahre alt. „Bei ihnen läuft es etwas anders als bei den Erwachsenen, die eine Stunde später anfangen“, sagt der Lehrer. „Neben dem Kampfsport macht bei ihnen 50 Prozent die Erziehung aus.“ Disziplin ist dem Athleten extrem wichtig; wer etwa zu spät kommt oder während der Übungen zu viel quasselt, muss mit einem Satz Liegestützen rechnen. Beim Besuch unserer Zeitung kommt diese pädagogische Maßnahme einmal zum Einsatz und wird auch von Unbeteiligten klaglos akzeptiert.

Bei den Jugendlichen wie den Erwachsenen – männlich und weiblich jeweils gemischt – geht es Gazembiler nicht zuerst darum, wettkampforientierte Spitzenboxer aufzubauen. „Ich möchte Breitensport anbieten“, sagt der Lehrer. „Für Erwachsene, die ihren Alltagsstress abbauen wollen, genau so wie für Mädchen, die etwas für ihre Figur und die Selbstverteidigung tun möchten.“

Was nicht heißt, dass es nach dem Aufwärmen nicht zur Sache gehen darf: Nach dem Anlegen der Schutzkleidung, die gerade bei den ersten Probetrainings vor Ort gestellt werden kann, vermittelt Gazembiler Kombinationen aus Schlägen, Tritten, Schubsern und Abwehrhaltungen, die sowohl im Kickboxen als auch im „Muay Thai“ Anwendung finden.

Das Thaiboxen ist in Thailand Nationalsport; Gazembiler lebte eigens dafür anderthalb Jahre im Pazifikstaat („Dort haben mich im Kampf zu Beginn 14-, 15-Jährige auf den Boden der Tatsachen geholt“), um sein Wissen und seine Fertigkeiten zu verfeinern. Die meisten Techniken im Thaiboxen sind waffenlos; in Varianten können jedoch auch Stock, Degen oder Schwert zum Einsatz kommen.

Derlei spielt im „Gym & Box“ in der Lagerstraße eine absolute Nebenrolle. Der Spaß, die sportliche Selbstverwirklichung und der Zugewinn von Selbstvertrauen durch das Erlernte sind beim Training die zentralen Elemente.

Wer fleißig und interessiert ist, kann es gerade in den jüngeren Jahrgängen schon nach einigen Monaten auf den ersten Wettkämpfen probieren. „Wer bei mir anderthalb Jahre dabei ist, holt auf Turnieren fast immer eine Medaille“, verspricht Sergej Gazembiler.

JENS DÖRR

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