„Strategisch und logisch als Teamplayer“

Münsterer Unternehmer Tom Volkert will als Linken-Kandidat Landrat werden

Will Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg werden: der Münsterer Tom Volkert, der bei der Direktwahl am 30. Mai für die Linke kandidiert.
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Will Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg werden: der Münsterer Tom Volkert, der bei der Direktwahl am 30. Mai für die Linke kandidiert.

Münster – „Es geht nicht um einen Job mit Gehalt und Status, es geht um den Bürger!“

Das Wort „Bürger“ betont Tom Volkert klar und deutlich, und es kommt auch im weiteren mit jenem Mann zur Sprache, der am 30. Mai Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg werden will. Seit ein paar Wochen ist der 54-Jährige aus Münster nicht nur Kreisvorsitzender der Linken, sondern von der Partei auch als Kandidat für die Direktwahl im Frühsommer nominiert. Unter anderem seine lange Selbstständigen-Vita möchte der gebürtige Frankfurter, der seit 1993 in der Gersprenz-Gemeinde lebt, im Landkreis nützlich einbringen.

„Ich war mein ganzes Leben lang Unternehmer, habe mehrere Firmen gegründet“, sagt Volkert. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker arbeitete zunächst für Nixdorf und bei einer Grundig-Tochter, „dabei habe ich viele schnell wachsende Firmen gesehen“. Deren Bedarf an Personalcomputern erkannte Volkert schon „zu einer Zeit, als es noch keine Computertechniker gab und das alles Nerds waren“. Er begann, sich mit Computern zu beschäftigen, gründete, vertrieb Hardware, entwickelte über die Jahre Software mit und war am Aufbau eines Rechenzentrums beteiligt. Zeitweise beschäftigte Volkert 100 Menschen; zuletzt arbeiteten noch 20 für seinen Software-Vertrieb Lovosoft. Der existiert weiterhin, der Münsterer hat ihn vor einiger Zeit aber freiwillig zur One-Man-Show verkleinert. Finanziell hat ihn seine Arbeit inzwischen unabhängig gemacht, „und wenn Sie merken, dass Sie im Hamsterrad sitzen, stellen Sie eines Tages fest, dass Sie nur einmal leben und einmal sterben können“. Also zurück auf Los, und los in der Kreispolitik.

In die fühlt sich der verheiratete Vater zweier Kinder, der sich in Münster unter anderem im Einsatznachsorge-Team der Feuerwehr und als Ehrenamts-Lotse engagiert, in letzterer Funktion das Reparatur-Café initiierte, ein Stück weit berufen. „Es ist immer mein Ziel gewesen, die bisherige Lebenserfahrung in meine Arbeit einbringen zu können. Daher gehe ich auch davon aus, dass es eine Bereicherung für den Landkreis ist, wenn ein Mensch mit meinen Grundeinstellungen hier für den Bürger tätig werden darf.“

Womit Volkert nicht nur seine strukturierte unternehmerische Denkweise und ein ausgeprägtes Demokratieverständnis („Im Kreistag ist man oft leider aus reiner Ideologie dagegen“) meint, sondern auch, dass er „schon immer sozial eingestellt“ gewesen sei. Prägend für ihn sei etwa die Zeit als Zivildienstleistender in den 80ern gewesen, als er unter anderem Essen auf Rädern ausfuhr. „Da war ich erstmals in ganz anderen gesellschaftlichen Klassen unterwegs.“

Die Offenheit, auf Menschen aller Schichten und politischer Einstellungen zuzugehen, habe er sich bis heute bewahrt. Zur Linkspartei fand er im Vorfeld der hessischen Landtags-Wahl 2018, als er Wahlkampf-Stände aller Parteien abklapperte. „Dort hatte ich eins meiner Schlüsselerlebnisse. Bei den Linken habe ich einfach den meisten Bezug zur Realität festgestellt. Und gesehen, dass die meisten Leute einen anderen Hintergrund haben als ich und ich als Unternehmer deshalb eine gute Ergänzung bin, einen Mehrwert einbringen kann.“

Gleichwohl betont Volkert mehrfach, dass es im politischen Spektrum „überall gute Leute“ gebe. Auch auf Kreisebene setze sich seiner Auffassung nach aber „oft nicht die beste Lösung durch, weil ein Vorschlag von der falschen Partei kommt. Der Bürger ist dann der Leidtragende.“ Generell fehlten ihm im Kreis in einigen Bereichen die Konzepte („Was nützt es mir, wenn ich Laptops in den Schulen, aber kein Konzept für ihre Nutzung habe“) und die Weitsicht, letztere etwa bei der Schönheitsklinik im Jugenheimer Schloss Heiligenberg.

Mitunter sei der Kreis auch zu verschwenderisch im Umgang mit Steuergeld. „Dauernd werden neue Firmen gegründet, zum Beispiel kürzlich eine, um eine Straßenbahn zu planen“. Das führe zu überbordenden Ausgaben, „da brauche ich alles neu, vom Geschäftsführer bis zum Firmenwagen“, und könne stattdessen „von Heag Mobilo mitgemacht werden“. In jeder Firma, auch in allen Bereichen der Kreisverwaltung und den Eigenbetrieben des Kreises gebe es „gute Leute - dann lasst sie doch auch mal was bewegen!“

Aus dieser Perspektive gestaltet Tom Volkert seinen Wahlkampf, will „über Sozialwohnungen reden statt über Wölfe“, wie er eine weitere Spitze ob einer kürzlichen Kreistags-Debatte fährt, will pragmatisch die richtigen Prioritäten (um)setzen, „denn wir machen uns im Kreis Gedanken darüber, wo in fünf Jahren die Straßenbahn lang fährt, aber nicht, wo wir in ein oder zwei Jahren wohnen“.

Bei alldem wolle er „den Bürger als Souverän sowie den Staat als Dienstleister“ stärker verankern. „Strategisch und logisch denkend, als anpackender Teamplayer“, so die Selbstbeschreibung des Münsterers. Der freilich keinen Hehl aus seiner Außenseiter-Rolle bei der Landrats-Wahl am 30. Mai macht. Sein Wahlziel formuliert er dann auch unabhängig von einer bestimmten Prozentzahl: „Für mich wäre es ein Erfolg, wenn durch meine Kandidatur mehr Bürger erkennen, welche Partei wofür steht.“ (Von Jens Dörr)

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