Hanauer Firma erledigt unter Wasser letzte Arbeiten am Regenrückhaltebecken

Tauchgang am Münsterer Rathausplatz

An der Umbilical Cord (englisch für Nabelschnur) wird der Taucher ins Wasser gelassen. Die Sauerstoffflasche an seinem Rücken ist nur für den Notfall.
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An der Umbilical Cord (englisch für Nabelschnur) wird der Taucher ins Wasser gelassen. Die Sauerstoffflasche an seinem Rücken ist nur für den Notfall.

Um letzte Arbeiten unter Wasser zu erledigen, ist am Dienstagmorgen erneut ein ausgebildeter und hauptberuflicher Taucher der Firma Kerlen Taucher aus Hanau ins Regenrückhaltebecken vor dem Münsterer Rathaus gestiegen.

Münster – Es dauert nicht lange, dann ist der Taucher verschwunden und es sind nur noch Luftbläschen an der Oberfläche zu sehen. Zwar sieht man nicht was er im drei Meter tiefen Wasser tut, aber wichtig ist seine Arbeit trotzdem. Denn der hauptberufliche und ausgebildete Taucher – die Ausbildung dauert fünfeinhalb Jahre – der Firma Kerlen Taucher aus Hanau hat gestern Vormittag letzte Arbeiten im Regenrückhaltebecken vor dem Rathaus erledigt.

Dabei hat er unter anderem geprüft, ob die Wände sauber genug sind, damit das Becken heute mit 260 Kubikmeter – 260 000 Liter – Unterwasserbeton ausgekleidet werden kann. Ist die Wand nämlich nicht sauber, ist das ganze Becken nicht dicht, erklärt Geschäftsführer und Tauchmeister Karl Kerlen.

Diesmal war es nur ein kurzer Tauchgang von wenigen Minuten. In den vergangenen Wochen waren die Taucher schon deutlich länger unter Wasser, haben den Boden begradigt und mit Hochdruckreinigern die Wände von Dreck befreit sowie Schlamm abgesaugt. Insgesamt könnte ein Taucher bis zu sieben Stunden dort unten arbeiten. „In der Regel ist aber nach drei bis vier Stunden Schluss“, sagt Kerlen, „dann meldet sich die Biologie.“ Sprich: Die Blase. Aber auch die Konzentration lässt nach. Schließlich arbeiten die Taucher unter Wasser in vollständiger Dunkelheit. „Beim Schweißen würde man nicht mal die Funken sprühen sehen“, erklärt Kerlen.

In voller Montur wird es für den Taucher trotz der milden Temperaturen am Dienstagmorgen ganz schön warm in der Sonne.

Nichts mehr sehen wird man bald auch von der Baugrube. Wenn der Unterwasserbeton getrocknet ist, wird das Wasser abgepumpt und dann sollte das Becken dicht sein. Sobald dieser Schritt abgeschlossen ist, wird die Grube abgedeckt und dann können dort wieder Autos parken. Ende Oktober soll die gesamte Baumaßnahme abgeschlossen sein.

Wichtig ist ein Regenrückhaltebecken, um das Kanalnetz im Bereich des Rathausplatzes und der Mozartstraße zu entlasten, die derzeit umfassend saniert wird. Dabei wird dort auch der Kanal vergrößert (wir berichteten). Damit wird unter anderem verhindert, dass bei heftigem Starkregen – wie beispielsweise in den vergangenen Wochen – immer wieder Keller voll laufen.

Allein Ende Juni musste die Freiwillige Feuerwehr Münster zu 90 Einsatzstellen im Gemeindegebiet ausrücken. Denn wegen des heftigen Gewitters mit Starkregen über Münster waren eben viele Keller mit Wasser voll gelaufen. Wegen der Vielzahl an Einsatzorten mussten sogar die Feuerwehren aus Altheim und Eppertshausen zur Unterstützung anrücken.

„Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der schrecklichen Bilder aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen häufen sich derzeit bei unserer Kläranlage und Bauabteilung die Anfragen“, schreibt die Gemeinde Münster in einer Pressemitteilung zu diesem Thema und weist darauf hin, dass „die Klimaschutzkommune Münster schon seit vielen Jahren in den Ausbau des Kanalnetzes investiert“. Aktuell etwa mit dem Bau eines Regenrückhaltebeckens unter dem Rathausplatz.

Nur Luftblasen sind noch zu sehen, wenn der Taucher im drei Meter tiefen Wasser verschwindet.

Denn Starkregen-Ereignisse wie diese sind in den vergangenen Jahren häufiger geworden, belegen unter anderem Daten des Deutschen Wetterdienstes. Zwar hätten sich die Regenmengen insgesamt nicht wesentlich verändert, jedoch die Art und Weise, wie dieser Regen fällt – was am Ende entscheidend ist. Denn statt über einen längeren Zeitraum hinweg, gibt es beim Starkregen extrem viel Niederschlag in kurzer Zeit. Dadurch können Boden und Kanalisation das Wasser wesentlich schlechter aufnehmen als wenn es über einen längeren Zeitraum nur mäßig regnet.

Dabei, das viele Wasser in den Griff zu bekommen, soll nun also das Regenrückhaltebecken helfen. Insgesamt 450 000 Liter Wasser beträgt das Fassungsvermögen. Vom Becken aus wird das Wasser dann kontrolliert in die Kanalisation abgegeben, damit die nicht überlastet wird. Ungefähr noch einmal so viel Wasser können die von 30 Zentimetern auf 1,50 Meter vergrößerten Kanäle in der Mozartstraße aufnehmen.

Dass sich die Mehrausgaben lohnen, zeigt das Beispiel Darmstädter Straße: „Früher gab es in diesem Bereich bei Gewittern immer wieder Probleme mit vollgelaufenen Kellern“, erklärt Ahmed El Makthari, Leiter der Münsterer Kläranlage. Bei der umfassenden Straßensanierung zwischen 2003 und 2005 wurde ein Stauraumkanal gebaut. Der kann Regenmengen besser aufnehmen und dann kontrolliert in die Kanalisation abgeben, sodass es zu keinem Rückstau kommt. Ein solcher Kanal wurde auch 2005 unter der Eduard-Müller-Straße errichtet und entsteht nun eben in der Mozartstraße.

Denn auch der Bereich rund um das Rathaus war in den vergangenen Jahren immer wieder Hochwasser-Hotspot. Der Kanal war zu klein und überfordert mit der Menge an Haushalten. Ein weiteres Becken ist auch unter dem Bürgerpark geplant, teilt die Gemeindeverwaltung mit. Das soll in den nächsten Jahren entstehen. Auch für den Bereich Alter Ortskern sind bereits einige Maßnahmen umgesetzt worden, etwa ein Stauraumkanal An der Kirche, Im Rückert und in der Frankfurter Straße. Weitere Schritte zur Entlastung der Dammstraße und Hintergasse sind vorgesehen. (Von Lars Herd)

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