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Tischtennis: Schneller lernen mit dem „Flippomat“

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Von: Jens Dörr

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Horst Heckwolf verfolgt, wie in der Münsterer DJK-Halle Nachwuchsspieler Lars Schledt mithilfe des „Flippomats“ einen „Bananen-Flip“ ausführt – und dem Zehnjährigen der Schlag auf Anhieb gelingt.
Horst Heckwolf verfolgt, wie in der Münsterer DJK-Halle Nachwuchsspieler Lars Schledt mithilfe des „Flippomats“ einen „Bananen-Flip“ ausführt – und dem Zehnjährigen der Schlag auf Anhieb gelingt. © Dörr

Der Münsterer Tischtennis-Coach Horst Heckwolf hat neues Trainingsgerät entwickelt: Den „Flippomaten“.

Münster – Seinen „Flippomat“ hat Horst Heckwolf bisher nicht patentieren lassen – „zu aufwändig“, sagt der Münsterer. Dass jenes Trainingsgerät, das der frühere Bundesliga-Spieler, Ex-Jugend-Bundestrainer und aktuelle Coach des Tischtennis-Nachwuchses von DJK Blau-Weiß Münster und TSV Langstadt zwei Jahre lang mit der Dieburger Firma Solidtec entwickelt hat, seinen Siegeszug durch die Hallen der Republik also auch via Imitaten finden könnte, ist ihm bewusst. „Mir kommt es aber nicht drauf an, damit Geld zu machen“, betont Heckwolf. Der Antrieb sei ein anderer: „Ich will, dass die Kinder schneller vorankommen.“

Dass er mit Blick auf bestimmte Schlagtechniken dafür einen neuen Weg gefunden zu haben glaubt, nahm seinen Anfang ganz zufällig. „Meine Frau hat das hier auf einem Markt gekauft“, lacht Heckwolf und zeigt auf ein Ding, das man wahlweise als Deko-Artikel oder Nippes bezeichnen kann: Eine Halbkugel aus Holz, in der ein gebogener Draht steckt, an dessen oberem Ende sich ein Vögelchen vom Winde tragen zu lassen scheint.

Diese Prototypen entwickelte Horst Heckwolf, ehe der „Flippomat“ aus seiner Sicht perfekt war.
Diese Prototypen entwickelte Horst Heckwolf, ehe der „Flippomat“ aus seiner Sicht perfekt war. © Dörr, Jens

Der wippende, nach Berührung in seine Ausgangsposition zurückfedernde Draht brachte den Münsterer auf eine Idee: Was wäre, wenn man die Konstruktion dahingehend ändern könnte, dass auf dem Draht eine kleine Schale ist, in die man einen Tischtennis-Ball zum Abschlag legen könnte? Und was, wenn dies ein Puzzleteil zur effektiveren Ausbildung von Kindern in zentralen Techniken des Rückschlagsports werden könnte? „Ich habe erst mal mit verschiedenen Materialien und Größen experimentiert“, blickt Heckwolf zurück und zeigt auf eine Reihe von Prototypen, die er in der Münsterer DJK-Halle ausgebreitet hat. Um vom nächsten Zufall zu berichten, der ihn wieder einen Schritt weiterbrachte.

Unter den Kindern, die Heckwolf in Langstadt trainiert, ist auch die Tochter von Thomas Rößner. Der Gründer und Eigentümer der Solidtec GmbH aus dem Dieburger Industriegebiet-Nord entwickelt mit seinem Unternehmen Prototypen sowie Vor- und Kleinserien aus Kunststoff. Rößner sah eines Tages beim Training, was Heckwolf kreiert hatte. „Er hat mich gefragt: Wie viele von diesen Teilen soll ich dir machen?“, erinnert sich der Trainer. Mit Unterstützung des Dieburger Unternehmens verfeinerte der Münsterer seinen „Flippomat“, der seit einem Jahr zum Einsatz kommt und von dem er mittlerweile „mehrere Hundert Stück“ verkauft hat.

Entsprechend erhalte er auch mehr und mehr Feedback, „durchweg positiv“. Der Erfinder selbst schwärmt regelrecht vom kleinen Trainingshelfer in seinen unterschiedlichen Ausformungen, vor allem mit unterschiedlich langen Drähten. „Der ,Flippomat’ hat sich in allen Altersstufen und unterschiedlichen Leistungsklassen bewährt“, sagt Heckwolf. „Das gilt nicht nur für Vereinsspieler, sondern auch für die Schul-AGs und Kindergarten-Projekte.“ Wenn Corona den Betrieb nicht gerade lahmlegt, vermittelt Heckwolf allein in fünf Münsterer und Altheimer Kitas spielerisch die Grundlagen des Tischtennis’ – und führt so auch das ein oder andere Kind an die DJK Blau-Weiß heran.

Der „Flippomat“ ist insbesondere zum Lernen der Fliptechniken gedacht. Ein „Flip“ ist ein Angriffsball als Reaktion auf einen kurz gespielten Ball des Gegners. „Oft wird ein solch kurzer Ball nur zurückgeschupft“, weiß der Trainer. Gefährlicher als diese Sicherheitsvariante sei für den Kontrahenten aber die Gegenattacke per Flip – auch wenn der recht anspruchsvoll scheine. Was Heckwolf mithilfe des „Flippomaten“ widerlegen könne: „Sogar pure Anfänger lernen die Fliptechniken damit in kürzester Zeit“, sagt er. Selbst der „Bananenflip“ und die zugehörige Beinarbeit sei für sie dann „in kürzester Zeit eine ganz normale Rückschlagtechnik“. Dabei herrsche im Gegensatz zum Spiel mit einem Gegenüber und der Ausführung aus dem Ballwechsel heraus „kein Druck“.

Darüber hinaus könne der „Flippomat“ kann auch für Spintechniken eingesetzt werden, egal aus welcher Platzierungssituation heraus. „Es können halblange und noch kürzere Platzierungen sein, wobei sich der Spieler mit seinem Oberkörper leicht über Tischniveau begibt und gut spürt, wie er halblange Bälle zukünftig auch anziehen kann, anstatt jeden Ball in dieser Situation nur zu schupfen“, schwärmt Horst Heckwolf von seiner Innovation. Manche Fortschritte gelängen „nun in zwei, drei Wochen statt in zwei Jahren“, sagt er gar. „Schnelle Erfolgserlebnisse sind garantiert.“ Auch der aus Münster stammende Bundestrainer Jörg Roßkopf und Weltklasse-Spieler Timo Boll (Höchst im Odenwald) sowie die in Dieburg geborene und bei Bundesligist TSV Langstadt spielende Mannschaftseuropameisterin Chantal Mantz hätten den „Flippomat“ „schon bei mir ausprobiert und sehr positive Rückmeldungen gegeben“. (Von Jens Dörr)

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