Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...

Münsters Arthaus erwacht online aus Pandemie-Zwangspause

Kristin Wicher, Vorstandsmitglied im das Arthaus betreibenden Verein, hofft, dass auch im ehemaligen Sitzungssaal des Ex-Rathauses schon bald wieder Bilder hängen und Kunst zu sehen sein wird.
+
Kristin Wicher, Vorstandsmitglied im das Arthaus betreibenden Verein, hofft, dass auch im ehemaligen Sitzungssaal des Ex-Rathauses schon bald wieder Bilder hängen und Kunst zu sehen sein wird.

Nicht nur Sport treibende Vereine und Chöre – auch die Kultur steckt tief im Corona-Lockdown: „Kunst schaffen. Kultur erleben – Impulse für die Gemeinschaft“ hat sich das Arthaus in Altheim nun trotzig auf seine Fahnen geschrieben. Die Kreativ-Institution geht online. Getreu Hermann Hesse im Gedicht „Stufen“, in dem es heißt: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Münster-Altheim - Mindestens bis 14. Februar hat das Coronavirus auch die kleine Künstlerklause im Würgegriff, was eine Öffnung für Kreative und Besucher angeht. Doch wurden bereits online Angebote aufgebaut und jetzt folgen auch erste Ausstellungen via Internet, anstatt in frisch renovierter Ex-Rathaus-Räumlichkeit.

Die Frage für die Betreiber des Arthauses, der Verein Kunst und Kultur Münster-Altheim, lautet: Wie gelingt Nähe in Pandemie-Zeiten? Nun machten es bereits einige große Institutionen auf nationaler und internationaler Ebene vor. Die großen Museen wollen über die Pandemie ihr Publikum nicht nur mit besonderen Präsentationen oder virtuellen Gängen durch ihre Flure unterhalten – sie wollen schlicht nicht in Vergessenheit geraten.

Britischen Museen droht das Corona-Aus, selbst die Wohltätigkeitsorganisationen sehen für eine Vielzahl unterstützter Kulturtempel kaum mehr eine Zukunft, unterstützt jetzt nicht der Staat.

In Altheim sind es laut Kristin Wicher vom Vereinsvorstand derzeit weniger die Finanzen, die das Arthaus bluten lassen – wenngleich beim Ausfall sämtlicher Einnahmen durch Konzerte, Ausstellungen, Café Hut und mehr schon die 150 Euro Pacht pro Monat an die Gemeinde auch an die Substanz gehen. Es ist mehr. Was geht der Gemeinschaft und der Kommune, was geht dem Land verloren, wenn der Gesellschaft die Kunst verloren geht?

Dem entgegen zu wirken, gilt es nun online vorzugehen. Und da wirkt Wicher, selbst Designerin von Beruf, an vorderster Front mit, denn sie ist auch verantwortlich für die Homepage des Arthauses und somit auch den virtuellen Auftritt. Die neugestaltete Startseite ist erst seit dem Wochenende freigeschaltet und kündet vom Neubeginn der lange nahezu eingestellten Aktivitäten. Es wurden und werden weitere Angebote aufgebaut, über die auch in regelmäßigen Abständen im Newsletter online informiert wird.

„Veranstaltungen in Planung (auf Grund der Corona Pandemie noch unverbindlich)“ prangt in großen Lettern über mittlerweile immerhin neun Terminen, die übers Jahr 2021 fixe Punkte sein sollen. Da werden Projekte aufgeführt wie beispielsweise eine Kunstwerker-Ferienwerkstatt für Kinder, die auch während zwei Lockdowns unter Berücksichtigung sämtlicher Coronaregeln in jüngster Vergangenheit aufrechterhalten werden konnte. Es sind Open-Air-Konzerte terminiert sowie Ausstellungseröffnungen, die Kunst-Kantine bietet Kreatives. Mehr ist in Vorbereitung.

Eine erste virtuelle Ausstellung wird von der Fotogruppe „momentART“ bereits Anfang Februar kommen. Tauchen die Lichtbildner noch ohne Vernissage aus dem Off schwarz-weiß und bunt online auf, so soll es im März zur Schau der Künstlergruppe „Art.2 (1)“ anlässlich des internationalen Frauentages eine Vernissage geben.

Aber reicht es, Kunst einfach im virtuellen Raum abzubilden? Sicher nicht. Doch ein Neuanfang ist gemacht.

Wicher, Mitstreiterin bei „Art.2 (1)“, weiß, dass in ihrer Künstlergruppe ein Gutteil an Motivation seit der Lockdowns flöten gegangen ist. Waren früher monatliche Zusammenkünfte – vor Gemeinschaftsausstellungen gar nahezu tägliche – und der Austausch untereinander usus, so läuft das in der Künstler-WhatsApp-Gruppe längst nicht so aktiv. Ab und zu mal ein Hallo. Doch die Anregungen untereinander sind nicht so intensiv wie bei den Zusammenkünften im Arthaus. Bei den Fotografen läuft es ähnlich schleppend, wenngleich die Aussicht auf eine gemeinsame Schau die Aktivitäten wieder deutlich anschob.

Und die Aktiv werdenden Kreativen machen mit ihrem Schaffen und Vorzeigen nicht nur sich selbst Mut. Sie wollen die Betrachter anstecken und zum Mitmachen auch in der Pandemie animieren. (Von Thomas Meier)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare