Interview

Die Künstlerin aus Münster hat einen Traum: „... vielleicht nicht reich – aber glücklich“

Künstlerischer Tausendsassa: Die Münstererin Jutta Neubecker. Foto: Dörr
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Künstlerischer Tausendsassa: Die Münstererin Jutta Neubecker. 

Die Münstererin Jutta Neubecker ist ein künstlerischer Tausendsassa. Sie gründete ihre Kreativwerkstatt „Julis Art“ und hat den Traum, von ihrer Kunst zu leben. Davon und von ihren Kunstvorstellungen erzählte sie uns im Interview.

Münster – Ihr erstes Licht der Welt erblickte Jutta Neu-becker 1968 im südafrikanischen Germiston, „ich fühle mich insgeheim aber wie eine Ur-Münstererin“. Seit 2009 lebt sie mit ihren Liebsten in der Gemeinde, ist aktuell in Familien-Pflegezeit. „Wir sind echte Bastler, hier wird ständig irgendwas gemalt, gehämmert oder geschliffen“, sagt sie. Ihr Haus im alten Ortskern bietet viel Freiraum und ist im Sommer ein Paradies aus wilden Blumen und Rosenstöcken, „sie treiben unsere Inspirationen immer weiter voran“.

Im Interview mit unserer Zeitung erzählt die mannigfaltig begabte Künstlerin, deren Kreativwerkstatt seit kurzem unter „Julis Art“ firmiert und in Münster einigen auch als Geschäftsbetreiberin ein Begriff ist, von sich, ihrem Schaffen und ihrem großen Traum.

Frau Neubecker, womit befasst sich Ihre kreative Ader besonders?

Ich bin wahrscheinlich so etwas wie ein Tausendsassa: Ständig kommen mir neue Ideen oder Geistesblitze zu Techniken, die ich probieren möchte. Darunter sind sowohl sehr feine und filigrane Ansätze als auch raue und handwerkliche Arbeiten. Das Malen und Zeichnen – von abstrakten Werken über Auftragsarbeiten bis hin zu Porträts – begleitet mich am längsten.

Doch Sie malen nicht „nur“ ...

Nein, ich restauriere auch antike Möbel oder Wohnaccessoires und veredle sie künstlerisch. Ich nähe Kuscheltiere oder Puppen, filze ganze Fantasiewelten. Ich modelliere Figuren aus verschiedensten Materialien wie Fimo, Kalkstein oder Gips, kreiere Schmuck aus antiken Bestecken oder aber auch aus feinen Perlen. Meine neuesten Projekte sind Holzarbeiten: Ich baue meist Hunde oder Katzen individuell nach Fotos nach, die das Haus von Herrchen und Frauchen dann als „Lieblingswächter“ beschützen. Ich liebe das Gefühl, wenn ich Menschen mit meinen Arbeiten glücklich machen kann.

Klingt nach enormer Produktivität. Kein Corona-Loch gehabt?

Corona hat unsere Familie sehr zusammengebracht – wir haben noch mehr Zeit als sonst miteinander verbracht und viele Ideen geschmiedet und getüftelt. Klar, wir konnten auch nicht viele andere Dinge tun. Die Idee mit den Holzhunden ist mir eigentlich während der Corona-Phase gekommen und hat mir wirklich Motivation gegeben. Die Kunst hat mir schon immer sehr stark dabei geholfen, Sorgen und Ängste zu verarbeiten.

Hat Ihnen das Virus Angst gemacht?

Ich muss gestehen, dass ich Corona von Beginn an sehr ernst genommen habe – auch weil ich gemeinsam mit meiner 80-jährigen Mutter wohne und einen Schutzauftrag für sie habe. Wir sind in dieser Zeit noch enger zusammengerückt und auch sie hat große Freude an meiner Kunst – vielleicht ist sie sogar mein allergrößter Fan. Kunst und Handwerk machen uns glücklich. Die letzten drei Monate seit dem Lockdown vergingen so für mich persönlich bestimmt schneller als für viele andere Menschen, da ich das Glück habe, mich mit meiner künstlerischen Betätigung mental und geistig quasi in eine eigene Welt zu beamen. Eine Welt, die mich selbst sehr glücklich stimmt und als eine Art „Seelenbalsam“ fungiert. So empfand ich persönlich die Corona-Zeit trotz der Ängste und Unruhen auch irgendwie als entschleunigend.

Sie haben einen Traum ...

Mein Traum war es immer, von meiner Kunst zu leben, doch das ist definitiv die Königsdisziplin. So versuchte ich „zweigleisig“ zu fahren: Um mir den Traum eines eigenen Ladens zu ermöglichen, lernte ich, nachdem ich zuvor eine Ausbildung zur Raumausstatterin absolviert hatte, ein zweites Handwerk: das Nageldesign. Das ist für viele verrufen und irgendwie negativ behaftet – unbegründet und für mich über Jahre eine gute Möglichkeit, Handwerk und Kunst zu verbinden und mich über Wasser zu halten. Aber allem voran eine Möglichkeit, meinen Ladenbesuchern meine Kunst, Bilder und selbst gemachten Erzeugnisse zu präsentieren. So eröffnete ich 2008 meinen ersten Laden „KuCos“ (Kunst & Cosmetics) in der Neu-Isenburger Fußgängerzone und später meinen zweiten Laden „Hand und Fuß“ auf der Frankfurter Straße in Münster.

Kann die Kunst beruflich also Ihr zweites Standbein werden?

Das Geschäft mit der Kunst musste ich aus persönlichen Gründen eine ganze Zeit lang zurückschrauben. Aktuell betreibe ich in meiner „Gartenwerkstatt“ primär Hobbyarbeiten, oft auch gemeinsam mit meiner Tochter. Ich habe sie mit meiner Leidenschaft infiziert und als gemeinsames Projekt haben wir nun die Kreativwerkstatt „Julis Art“ gegründet – quasi als Plattform, um unsere Werke zu präsentieren, aber auch zu verkaufen. „Julis Art“ steht für JUtta und LIsa. Wir machen das ganz pragmatisch im kleinen Stil, aktuell über Facebook. Mal schauen, wo unser Weg lang führt. Mit „Julis Art“ werden wir vielleicht nicht reich – aber ganz bestimmt glücklich.

Das Gespräch führte Jens Dörr

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