Was Feuer und Sturm beuteln, heilt die Natur

Münsters geschädigter Gemeindeforst wird lange keinen Profit abwerfen

Forstamtsleiter Sebastian Vocilka im von Sturmschäden geräumten Wald Münsters. Die Fläche wird vorerst der Natur überlassen.
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Forstamtsleiter Sebastian Vocilka im von Sturmschäden geräumten Wald Münsters. Die Fläche wird vorerst der Natur überlassen.

Erst kam im September 2018 der Sturm Fabienne und hinterließ eine riesige Schneise gefällter Bäume in Münsters Gemeindewald. Dann wütete im Juni 2019 der Waldbrand dicht an der Muna. Drei Kategorien der Wüstenei zeugen entlang der Tongrubenschneise noch heute beredt von den Naturgewalten: Flächen mit geräumten Sturmschäden, Areale mit ungeräumten Sturmschäden und ungeräumte Sturmschadenfelder, auf denen die Flammen tobten.

Münster – Für den noch relativ neuen Leiter des Forstamts Dieburg, Sebastian Vocilka, ist das insgesamt „eine sehr spannende, herausfordernde Fläche“. Man sei gespannt, wie sich die Areale entwickeln.

Was Wind und Feuer in kürzester Zeit an Wirtschaftswald vernichteten, wird viele Jahrzehnte des Neuaufbaus kosten. Oder: Was der Gemeinde bis vor Kurzem jährlich fünfstellige Geldbeträge via Waldwirtschaftsplan in die Gemeindekasse spülte, wird eben diese jetzt über lange Zeit belasten. Je nachdem, wie man an die Angelegenheit herangeht, falle die Höhe des Minus’ aus, so der Forstamtsleiter. Im jüngsten Waldwirtschaftsplan waren dies 20 000 Euro. Doch weiß der Experte auch, dass für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung vom Bund Fördergelder breit gestellt werden: 120 Euro pro Hektar.

Auf einer Fläche von acht Hektar liegen mächtige Kiefern mit verkohlter Rinde auf dem Waldboden, dazwischen verstreut dickes Geäst. „Hier wird die Entwicklung die meiste Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Vocilka. Hier verbrannten auch wertvolle Nährstoffe, die für eine quicke Renaturierung fehlen. Schon der Vorgänger Vocilkas, Forstamtsleiter Ronny Kolb, empfahl der Gemeinde Münster: „Einfach liegen lassen und der Natur überlassen“.

Und so zeigt sich der verkohlte Sturmbruch dem Passanten an der Tongrubenschneise wohl auch noch die nächsten Jahre. „Vom Brand geschädigtes Kiefernholz ist nicht vermarktbar. Nicht einmal als Brennholz“, meint Vocilka, auf einen zusammengeschobenen halb verkohlten Holzhaufen am Schneisenrand weisend.

Die Natur wird sich das Brandfeld zurückholen. Allerdings verrottet angekohltes Holz viel langsamer. Im Laufe der Jahrzehnte wird zwischen den toten Stämmen ein neuer Wald heranwachsen. Doch das Brandmal hält die Flammen sicher lange in Erinnerung.

Wo am 30. Juni 2019 einer der schlimmsten Waldbrände seit Menschengedenken in der Region ausbrach, liegt noch mehr im Argen, dass geräuschvoll auf sich aufmerksam machte. Erst nach vier Tagen und durch den Einsatz von 650 Feuerwehrleuten und Helfern konnte damals das Feuer gelöscht werden. Das Waldgebiet an der Tongrubenschneise grenzt an die einstige Munitionsanstalt, kurz Muna, an, die in den letzten Kriegstagen und auch noch später bei Munitionssprengungen belastet wurde. Und auch wenn der Brandherd „eigentlich“ als entmunitioniert galt, so rührten wohl doch einzelne, kleine Explosionen von solchen Munitionsresten her.

Für die Gemeinde wird vom Dieburger Forstamt, das um die 16 000 Hektar Wald im Osten des Landkreises betreut, ein Konzept zur weiteren Waldentwicklung ausarbeiten. Und das betrifft weit mehr als die verbrannte Waldung. Denn im Gemeindewald Münsters hatte bereits der Orkan „Fabienne“ auf einer Fläche von 20 bis 30 Hektar den Wald verwüstet.

In den drei Jahren seit der Zerstörungen hat sich bereits einiges getan. Etliche Hektar des Bruchwaldes wurden von den Holzstämmen geräumt, die sich anfangs auch noch gut verkaufen ließen, sagt Vocilka. Und gerade auf den geräumten Arealen, auf denen freilich noch das Geäst der abgefahrenen Baumkronen liegt und allenthalben geknickte Baumstümpfe in den Himmel ragen, kommen neue Triebe aus der Erde. Birke und Kiefer lugen vorsichtig aus dem Erdreich, was den Förster hoffnungsfroh stimmt. Vereinzelt hat er auch Buchen ausgemacht. „Und die Eiche hätte an diesem Standort auch Potenzial“, sagt er, der rät, die Flächen noch lange der Natur zu überlassen. Zumal man auf dem europäischen Markt schwerlich zu vernünftigen Preisen derzeit Jungpflanzen bekommt, die man unter Mühen anpflanzen könnte.

Warum das Kronengeäst, das die Landschaft heute noch einem Trümmerfeld gleichen lässt, nicht mit den Baumstämmen abgeräumt wurde? Weil es für die Vegetation wertvolle Nährstoffe birgt. „Früher hat man in einigen Regionen alles Holz aus dem Wald vermarktet und Kronengeäst als Brennholz verkauft. Dort, wo man so verfuhr, sind die Standorte noch heute ertragsschwach“, sagt der studierte Förster. In Franken nenne man heute solche Waldungen noch „fränkische Steckerlfelder“.

Die Sukzessivflächen links und rechts der Tungrubenschneise bieten sich als Standort für die hierzulande typischen Pflanzengesellschaften an. Überlässt man es der Natur, wird die Kiefer hier wohl keine Dominanz mehr aufweisen, wie sie einst künstlich erzeugt wurde. Was wie nachkommt, das macht es so spannend für den Förster.

Doch sicher wird man auch in diese Entwicklungen eingreifen, wo nötig und wie von der Gemeinde gewünscht. Ein erster wichtiger Eingriff steht unmittelbar bevor: Eine Brandschneise soll zwischen Muna und Gemeindewald eingerichtet werden, damit Einsatzfahrzeuge im Brandfall schnell vor Ort gelangen können. „Zwar gibt es schon genügend Zufahrtmöglichkeiten, doch für große Einsatzfahrzeuge werden die verbreitert und auch künftig von zuwachsenden Ästen freigehalten“, sagt Vocilka. Diese Woche ist dazu wieder eine Besprechung von Forstamt, Gemeinde und Wehr angesetzt. (Von Thomas Meier)

Hier tobten Sturm und Brand. Danach passierte bislang noch nichts.

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