Großprojekt in Münster kleiner als geplant

Weniger Wohnungen über neuem Netto-Markt 

Auf dem Feldkreuz-Grundstück an der Altheimer Straße baut ein Frankfurter Investor ab Ende 2021 einen Lebensmittel-Markt, auf dem sich Wohnungen befinden – künftig allerdings nur noch 22 statt 27 Stück, weil das Gebäude nur noch 12,50 statt 15 Meter hoch werden darf.
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Auf dem Feldkreuz-Grundstück an der Altheimer Straße baut ein Frankfurter Investor ab Ende 2021 einen Lebensmittel-Markt, auf dem sich Wohnungen befinden – künftig allerdings nur noch 22 statt 27 Stück, weil das Gebäude nur noch 12,50 statt 15 Meter hoch werden darf.

Das Großprojekt in Münster, einen Netto-Markt mit Wohnungen obendrauf zu bauen, wird nur 12,50 statt 15 Meter hoch. Damit entfällt auch Wohnraum.

Münster – Es war eins der größten Projekte, die Münsters Ex-Bürgermeister Gerald Frank (SPD) in seiner Amtszeit vorangebracht hatte – und dessen Durchbruch er wohl nicht ganz zufällig wenige Tage vor der Direktwahl im Frühjahr 2020 verkündete: Der Bau eines Lebensmittel-Markts samt 27 Wohnungen, davon ein Drittel sozial gefördert, auf dem Grundstück mit dem Feldkreuz im Baugebiet „Im Seerich“.

Die Nachricht rettete Frank zwar nicht das Amt, doch das Vorhaben war auf dem Weg. Allerdings wird das Bauwerk nach einem aktuellen Beschluss der Gemeindevertreter von CDU und FDP nun niedriger als geplant – wodurch auch weniger Wohnungen entstehen können.

Das Areal liegt am Münsterer Ortsausgang gen Altheim, direkt an der Landesstraße 3095. Es wird – wie alle Grundstücke im Seerich – von der Kommunalentwicklung der LBBW (Stuttgart), die formal Eigentümer des Geländes ist, vermarktet. Die Entwickler stimmen sich dabei aber in allen Schritten mit der Gemeinde Münster ab, deren Gremien das Gesicht des Baugebiets maßgeblich bestimmen.

Netto-Markt mit Wohnungen in Münster: Baubeginn Ende 2021

Als Investor für das Projekt gab das Rathaus im April 2020 die Schoofs Immobilien GmbH aus Frankfurt bekannt. Sie soll ab Ende 2021 den Markt bauen, den später – nach einer kalkulierten Bauzeit von einem Jahr – der Discounter Netto betreiben soll. Nach dem bisherigen Plan sollte der Markt 1 000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben und als Ensemble mit 27 Wohnungen in zwei Geschossen sowie 84 oberirdischen Stellplätzen daherkommen. Was sich nach dem Willen der neuen parlamentarischen, schwarz-gelben Mehrheit in Münster nun ändert.

Denn das Objekt darf nach einem entsprechenden Beschluss in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung nun maximal 12,50 Meter hoch werden. Zuvor waren 15 Meter möglich gewesen, was lange auch so im Bebauungsplan stand, aber jahrelang niemandem auffiel oder aufstieß.

Die 15 Meter standen dabei „nur“ in der textlichen Beschreibung, die rechtlich jedoch maßgeblich ist. Weil in Skizzen des B-Plans aber eine Höhe von 12 Metern angegeben war und andere Grundstücks-Käufer ringsherum von dieser geringeren Gebäudehöhe ihres Nachbarn in spe ausgegangen waren und ihrem Unmut darüber seit einem Jahr Luft machen, hielten CDU und FDP die 15 Meter nicht mehr für vertretbar.

Münster: Nach Beschluss nur noch 22 statt 27 Wohnungen auf Netto-Markt

SPD und ALMA-Die Grünen sahen das anders, wären gern bei 15 Metern geblieben. Vor allem aus einem Grund: Die nun festgelegte geringere Höhe kostet fünf Wohnungen – es werden jetzt nur noch 22 statt 27 Stück überm Netto-Markt geschaffen.

All das vor dem Hintergrund, dass der auch in Münster dringend benötigte Neubau von Wohnraum – auch in kleineren, für Singles und Alleinerziehende geeigneten Zuschnitten – an anderer Stelle ganz vom Tisch ist: CDU und FDP haben ihr Wahlversprechen per Beschluss in die Tat umgesetzt und die Verwaltung ebenfalls in der jüngsten Gemeindevertretersitzung dazu verpflichtet, das Frankenbach-Gelände gemeinsam mit der Hessischen Landgesellschaft als reines Gewerbegebiet zu vermarkten und zu entwickeln.

SPD und ALMA, bis zur Kommunalwahl im März noch in der Mehrheit, hatten lediglich ein Drittel der Fläche im Münsterer Südwesten für Gewerbe vorsehen wollen und dort gern zu einem Großteil Wohnhäuser errichten. Was die neue Kooperation aus Union und Liberalen nun einkassiert hat.

Netto-Markt mit Wohnungen in Münster: Weniger Wohnraum als gedacht

Laut Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos) hängt die Reduzierung von 27 auf 22 Wohnungen auf dem Feldkreuz-Grundstück auch mit der Parkplatz-Situation zusammen. Während man diese Reduzierung noch als nicht allzu gewichtig bewerten kann, ist die Nichtentstehung neuen Wohnraums auf dem Frankenbach-Gelände von größerer Tragweite.

CDU und FDP finden die Ansiedlung von Gewerbe dort einerseits dringlicher. Andererseits versprach CDU-Fraktionschef Thorsten Schrod im Zuge des Netto-Markt-Beschlusses: „Uns liegt der Wohnungsbau am Herzen – den wollen wir aber an anderer Stelle machen.“ Konkrete Antworten, wo das sein soll, müssen die beiden Fraktionen noch liefern. (Von Jens Dörr)

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