Kinder bauen bei der Ferienwerkstatt im Arthaus verschiedenes mit Kisten

Wie Minecraft, nur in echt

Pyramide und vieles mehr: Der Kreativität der Kinder war bei der Ferienwerkstatt keine Grenzen gesetzt.
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Pyramide und vieles mehr: Der Kreativität der Kinder war bei der Ferienwerkstatt keine Grenzen gesetzt.

In der Ferienwerkstatt des Altheimer Arthauses haben Kinder Weinkartons bemalt und aus den bunten Kisten anschließend verschiedene Bauwerke erstellt.

Altheim – Ein Quader auf den anderen: Im Altheimer Arthaus, dem 2015 sanierten Mollerbau von 1862, wurde wieder gebaut. Allerdings nur in ihm und nicht an ihm. Die kleinen Kunstwerker der Ferienwerkstatt haben erneut zugeschlagen. Vier mal vier Stunden lang. Ihr Ziel dieses Mal: ein Bauwerk aus angemalten Weinkartons. Als Gemeinschaftsleistung aller Kinder zusammen.

Neun kamen zusammen. Deutlich weniger als vergangenen Herbst, als 16 Kids in verschiedenen Gruppen herumwerkelten, – und damit ideal klein, um im Team Hand anzulegen. „Teamwork üben“, war denn auch einer der Lerngedanken hinter der Aktion. Die Arthaus-Frauen Anja Haus und Kristin Wicher – Haus ist Kunst- und Werklehrerin an der Regenbogenschule und Wicher Designerin – leiteten den quirligen Haufen an. Von Haus stammen die vielen stabilen Kartons.

Mittwoch war Starttag. „Da haben wir die Kastenseiten unifarben gewalzt“, berichtet Künstlerin Haus. Jeder der 70 Quader hatte danach eine weiße, eine schwarze, eine blaue, eine grüne und eine rote Seite. Fließbandarbeit rhythmisch zur Musik lautete das Tagesmotto. Die Kinder wurden aufgeteilt in ihre Wahlfarben, und los ging‘s. Die Schwarzmaler färbten eine Seite nach der anderen schwarz. Zack! Ein Karton fertig. Zack! Weg damit zur Seite. Zack! Der nächste. Genauso die Weiß- und Buntmaler.

Wer mitgezählt hat – fünf Seiten waren das pro Kasten. Die übrig gebliebenen kamen am Donnerstag dran. Da hieß es: „Freie Selbstgestaltung“. Die einzige Vorgabe: „Vorher mit Kreppband ein Muster kleben“, sagt Haus. Und nachdem die Kunst vollbracht war, sollte das Band wieder runter. Kreativität pur also. Ob Sterne, Punkte, ein großes X, ein Herz oder ein Fantasiemuster – die Kinder waren erfinderisch. Sieben bis acht Kartons durfte jedes auf diese Weise bemalen.

Am Freitag: Diesmal keine von der Decke baumelnden Kittel, keine aufgestellten Tische, keine strikte Positionsarbeit wie am Mittwoch und nix mit Farbe. Am Freitag war endlich Bautag. Bauen mit Klötzen – wie die meisten Kinder es vom Videospiel Minecraft kennen. Der Sohn von Haus war es auch, der seiner Mutter den Tipp gab, was sie mit ihren vielen Kästen und den Kindern anstellen könnte. Minecraft in echt sozusagen. Physisch anfassbar. Und eben als richtiges, reales Team.

Was aber sollte das Team bauen? Den Eiffelturm! Der zehn Jahre alte Josua hatte den Vorschlag. Oder eine Pyramide. Man einigte sich, die Pyramide zu testen. Josua wurde zum Bauherrn ernannt, der bestimmen durfte, welcher Karton wohin kam, und die anderen legten los. Die anderen: Samantha (8), Sophie (9), Gabriel (9), Jo (9), Josuas kleiner Bruder Lenny (7), Gideon (10) und Marilena (10). Tilda (8) fehlte. Bald darauf füllte eine riesige Pyramide den Raum. „Der oberste Block ist meiner“, jubelte Gideon. Und Sophie sah ihren mit dem großen roten Herz. Gut, und jetzt? Ein halb offener Turm, schlug Haus vor. Die weißen Seiten nach außen.

Kurze Zeit später standen alle im Turminneren. Blau müsste da die Wand eigentlich sein – zumindest dann, wenn die konsequente Fließbandarbeit mit Aufnotieren, auf welche Seite welche Farbe soll, gefruchtet hätte. Nun ja, fast hatte sie das. Und wen stören schon einzelne Ausrutscher? Immerhin ist das Ganze ja Kunst. Schließlich steht das frühere Rathaus heute für einen Ort des künstlerischen Schaffens. Und an dem folgte dem offenen Turm einen Moment später eine gerade Mauer mit roter Treppe – Wichers Idee – und dieser noch einige weitere Kunstbauten.

Am Samstag wurde der Turm, das Lieblingsbauwerk, ein zweites Mal aufgetürmt. Nun jedoch mit Bewegungen, passend zu aufgelegter Musik. Eine Performance quasi – eine situationsbezogene, handlungsbetonte und vergängliche künstlerische Darbietung. Um sie nicht ganz vergänglich werden zu lassen, nahm Wicher die Bau-Szene auf. So konnten die Eltern sie am Sonntag ab 16 Uhr – bei frisch warmen Waffeln – auf Bildschirmen in den Arthaus-Fenstern bewundern. Und bei aller Corona-Vorsicht, die Kinder waren alle getestet, durften sie das Werk natürlich ebenso in natura anschauen. (zkn)

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