Wildnis für Wildpferd und Wisent

In Münster sollen Bisons grasen

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Zehn Bunker gibt es wohl noch innerhalb des Muna-Areals. Einer soll zum naturpädagogischen Museum umfunktioniert, ein weiterer für logistische Aufgaben hergerichtet werden.

Münster - Die ehemaligen Bunkeranlagen sowie die Fläche des ausgedienten Munitionslagers sollen renaturiert werden. Eine Ansiedlung von freilaufenden Tieren – Wisente und Przewalskipferde – auf dem Gelände ist vorgesehen. Von Thomas Meier

Und die alten Bunker sollen zu Werkstätten und Ausstellungsflächen aus- und umgebaut werden. All dies sollen Münsters Politiker nun beschließen. Mit dem Abzug der US-Army wurde in Münster eine Fläche frei, die mit ihren rund 250 Hektar gut zwölf Prozent des Gemeindegebiets umfasst. Allerdings wird ein Großteil dieser im Wald gelegenen Fläche in absehbarer Zeit weder baulich noch für die Naherholung zu erschließen sein. Aufgrund der massiven Verseuchung mit Munitionsresten bleibt das Gelände voraussichtlich noch einige Jahrzehnte umzäunt. Darin liegen aber auch Chancen für eine Wildnisentwicklung auf der Fläche.

Vor genau acht Jahren berichtete unsere Zeitung bereits über die damals noch utopisch anmutende Idee der bundes- und hessischen Forstbetriebe, auf dem durch die langen Jahre die Militärnutzung zum einmaligen Biotop gereiften Areal der „Muna“ Wisente weiden zu lassen, um das Habitat zu erhalten. Seitdem ist viel Wasser durch die einstigen Bunker-Drainagesysteme geflossen, geschehen ist sichtbar indes nichts. Die teure und langwierige Entmunitionierung des riesigen Areals verzögerte das Projekt, auch politisch lief es nicht so rund. Dies ändert sich derzeit: Münsters Kommunalpolitiker wurden jetzt kurzfristig zu einer Sondersitzung ins Rathaus geladen und mit den neuesten Entwicklungsmöglichkeiten konfrontiert.

In solcher in jahrzehntelanger Abgeschiedenheit entstandenen Muna-Idylle sollen schon bald Wildpferde und Wisente grasen.

Zunächst freilich auch mit dem weniger erfreulichen Teil: Für die Renaturierung des ehemaligen Munitionslagers wären im ersten Schritt rund 245 .000 Euro allein zur weiteren Entwicklung des Projektes notwendig, um verschiedene bauliche Maßnahmen vorzunehmen und Personalstellen für einen Zeitraum von drei Jahren zu finanzieren. Für den weiteren Ausbau, sprich die Einrichtung eines geplanten Museums und den Ausbau ehemaliger Bunker zu Räumen für Naturpädagogik für Kinder und andere Themen, sei dann ein höherer sechsstelliger Betrag notwendig. Schmackhaft machen es die Initiatoren mit etlichen Versprechungen. Das Projekt habe eine Strahlkraft über die Gemeinde Münster hinaus und würde sowohl in den Ballungsräumen „Rhein-Main“ und „Rhein-Neckar“ touristisch beworben werden können.

Und so teuer werde es schon nicht, seien doch Finanzmittel aus öffentlichen Förderprogrammen, Gelder von Stiftungen und Soziallotterien sowie privaten Sponsoren zu generieren. Eine Akquise von Fördermitteln und Sponsoring-Partnern erscheine hochattraktiv. Dies erklärt zumindest Florian Brechtel von Dragoman, einer Firma zur Beratung von gemeinnützigen Organisationen, die mit mit Stiftungen, Vereinen und Verbänden, Kirchengemeinden und karitativen Einrichtungen und Kommunen zusammenarbeitet. Er bietet sich an, für die Finanzen alle möglichen Quellen anzuzapfen.

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Das „Beweidungskonzept Muna Münster“, das dem Projekt zugrunde liegt und nun den Politikern vorgestellt wurde, obliegt dem Bundesforst. Die 260 Hektar große Immobilie – 80 Prozent auf ihr sind Wald – gehört dem Bund. Mit einer bunten Broschüre sollen Zweifler von der Sinnhaftigkeit des Naturprojektes überzeugt werden. Da grasen Wisente und Urpferde auf Hochglanzfotos einträchtig nebeneinander auf satten Wiesen und Auen. Die positiven Auswirkungen der Beweidung mit solchen „Großherbivoren“ auf die Fledermausfauna, Käfer und Waldstruktur werden beschworen, die Schaffung eines Biotops für einzigartige Tiere aufgezeigt. Gar eine Refinanzierung über Ökopunkte sei möglich, das Projekt sei nicht risikobehaftet, versprechen die Analysten. Bereits am Montag, 27. August, soll die Gemeinde einen entsprechenden Beschluss fassen. Schon im kommenden Januar könnte dann Personal eingestellt und die Umsetzung des Konzeptes angegangen werden. Die Öffnung des „Naturpädagogischen Angebotes für das ehemalige Muna-Gelände“ solle dann 2020 sein.

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