„Wir sind alle nur auf Zeit gewählt“

Würdevoller Bürgermeisterwechsel zur Corona-Zeit in Münster

Bürgermeister Gerald Frank nimmt seine Entlassungsurkunde in der Kulturhalle entgegen.
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Bürgermeister Gerald Frank nimmt seine Entlassungsurkunde in der Kulturhalle entgegen.

Verabschiedung von Bürgermeister Gerald Frank und Amtseinführung seines Nachfolgers Joachim Schledt: Genau 100 Zuschauer verfolgten in der Kulturhalle diese beiden für die Gemeinde wichtigen Zeremonien, die geprägt waren voller lobender, zurückschauender und zukunftsweisender Reden.

Münster – Nein, es gab ausnahmsweise mal keinen Dissens in dieser Versammlung der Gemeindevertretung, die coronabedingt in der großen, guten Stube des Ortes stattfand und große Lücken in den Zuschauerreihen aufwies. Schnell waren die von der Verwaltung vor Wochen ausgeschriebenen, kontingentierten Einlass-Tickets vergeben, mehr waren wegen der Abstandsregeln nicht drin.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Klaus Rainer Bulang, führte durch die redelastige Sitzung, die allerdings durch CDU-Gemeindevorstand Norbert Schewe musikalisch bereichert und aufgelockert wurde. Mit 34 anwesenden Mitglieder der Fraktionen war das Parlament laut Bulang auch „beschlussfähig, aber das brauchen wir ja heute nicht sein.“

„Nun bist Du wieder ein freien Mann“, wandte sich der sozialdemokratische Versammlungschef an den scheidenden SPD-Bürgermeister Frank, „kannst Dich Deinen Hobbys, der Familie, villeicht bald einer neuen Arbeit widmen.“ Und Bulang betonte, was zahlreiche Redner nach ihm wiederholen sollten: „Frank war mit Leib und Seele Bürgermeister für alle Bürger Münsters.“ Und er zollte dem parteilosen, unionsunterstützten Joachim Schledt Respekt, habe der bei der pandemiebedingten Briefwahl doch ein „respektables Ergebnis“ erzielt. Am 5. Oktober, seinem ersten Arbeitstag im Rathaus, werde er unter Beweis stellen müssen, was er zu leisten in der Lage sei mit den über 100 Mitarbeitern in der über 14 000 Seelen fassenden Gemeinde. Eine „große Aufgabe“ erwarte ihn.

Erstem Beigeordneten Jan Stemme oblag es, Frank, den er im Amt bei Urlauben und anderen Anlässen vertrat, die Entlassungsurkunde zu überreichen. Erster Moment, der mit lang anhaltendem Applaus bedacht wurde.

Und Stemme überreichte Schledt, den er „ebenfalls vertreten“ wird, die Ernennungsurkunde, bevor ihm Bulang den Amtseid abnahm, was den zweiten großen Beifall hervorrief. „Wie Phönix aus der Asche“ sei Schledt, bis dahin nur aus den Zuschauerbänken dem Parlament bekannt, aufgetaucht, „ein Vogel aus der Mythologie, der für Freiheit, Kraft und Wahrheit steht.

Nach 35 Minuten endete bereits die offizielle Sitzung, der sich die wesentlich länger währenden Grußworte anschlossen. Deren Reigen eröffnete Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück (SPD) in Vertretung für Kreisausschuss und Landrat. Immer habe sich Frank für die Beteiligung der Bürger bei politischen Entscheidungen eingesetzt, lobte sie, immer habe er Haltung gezeigt, über den Tellerrand geschaut und noch viel vorgehabt: „Sechs Jahre sind zu kurz dafür.“ Schledt wünschte sie, dass er seinen eigenen Bekundungen zufolge „großen Kindheitstraum“ nun leben und umsetzen könne. Sie sicherte ihm gute Zusammenarbeit mit dem Kreis und seinen 23 Kommunen zu.

Christels Sprößler schloss sich dem als Sprecherin für die Bürgermeister im Kreis an. Und Frank als „hochgeschätztem Kollegen“ wünschte sie, dass er über die Niederlage schnell hinwegkomme: „Wir sind auf Zeit gewählt.“

David Rauber vom Hessischen Städte- und Gemeindebund und Karl-Christian Schelzke vom Verband der kommunalen Wahlbeamten schlossen sich mit Dankesworten an.

„Sechs Jahre nach bestem Wissen und Gewissen“ gearbeitet zu haben, bescheinigte CDU-FRaktionschef Thorsten Schrod dem scheidenden Bürgermeister. Nicht immer habe seine Partei mit dem SPD-Mann übereingestimmt, oft habe man um die Sache gestritten, „doch das alles soll heute Abend hier keine Rolle spielen“. Dem „lieben Joachim“ gratulierte Schrod für dessen Sieg mit einem Ergebnis, das sicher auch Frank überrascht habe. „Nicht so uns, die wir mit Dir den Wahlkampf gestalteten.“

SPD-FRaktionsvorsitzende Elke Müller holte weit aus und erinnerte an Franks Verdienste um die Gemeinde, die er „mit Lust, Leistung und Leidenschaft“ erreicht habe. Gemeistert worden seien Flüchtlingskrise und Kita-Sanierungen, sie erinnerte ans Arthaus in Altheim, die Entwicklung vom Muna-Gelände, den Waldbrand dort, die Aktion 555 Bäume für Münster und mehr. „Dem neu gewählten Bürgermeister Schledt wünschen wir nicht so viele Katastrophen und Überraschungen wie in den letzten sechs Jahren“, sagte Mülle, und „Auf eine gute Zusammenarbeit im Parlament, um angefangene Projekte zu beenden.“

Gerhard Bonifer-Dörr dankte von der ALMA dankte Frank für die gute, konstruktive Zusammenarbeit Und zu den gemeinsamen Projekten: „Versprochen, wir bleiben dran.“ Dem neuen Bürgermeister bot der Redner faire und konstruktive Zusammenarbeit an. (Von Thomas Meier)

Erster Beigeordneter Jan Stemme (links) überreicht Bürgermeister Joachim Schledt die Ernennungsurkunde.

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