Kreistierheim: Münsters neuer Bürgermeister Joachim Schledt übernimmt Vereinsvorsitz

Zahl der Fundtiere in Breitefeld halbiert sich

Blick über die Spielwiese für die Fundhunde. Hinten die Zwinger (linkes Bild). Räumlich getrennt sind in Breitefeld Kreistierheim und Tierpension (rechts) . Das
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Blick über die Spielwiese für die Fundhunde. Hinten die Zwinger (linkes Bild). Räumlich getrennt sind in Breitefeld Kreistierheim und Tierpension (rechts) . Das

Münster – Der Trägerverein des Kreistierheims in Breitefeld hat einen neuen Vorstand für die nächsten drei Jahre gewählt: Wieder führt ein Münsterer Bürgermeister den Verein an. Auf Gerald Frank (SPD) folgte wie schon als Rathaus-Chef auch als Vereinsvorsitzender Joachim Schledt (parteilos).

„Hier finden herrenlose oder sichergestellte Fundtiere eine Bleibe und werden versorgt, überdies waren meine Vorgänger in der Regel auch im Vorstand“, erläuterte Schledt bei einem Pressegespräch mit anschließendem Tierheim-Rundgang sein Engagement für Haustiere. Privat hält Schledts Familie zwei Meerschweinchen.

Betrieben wird das Tierheim, das über den Trägerverein von den Kommunen Münster, Eppertshausen, Dieburg, Groß-Zimmern, Schaafheim, Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Otzberg, Roßdorf und Rödermark finanziert wird, seit Ende 2015 von Barbara Mosch-Schlösser. Ins Breitefeld, wo sich auf demselben Gelände auch das (räumlich abgetrennte) privatwirtschaftlich betriebene Tierhotel Rhein-Main von Mosch-Schlösser befindet, werden bis Ende des Corona-Jahrs 2020 deutlich weniger Tiere gebracht worden sein als 2019.

Schledt und Mosch-Schlösser zogen nicht nur eine Bilanz der vergangenen zwei Jahre, sondern nahmen auch Stellung zu einigen Fragen kritischer Tierschützerinnen, die diese in den vergangenen Wochen an unsere Zeitung gerichtet hatten (siehe Infokasten). Schledt ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass sein Amtsvorgänger, seine Vorstandskollegen (darunter auch sein Stellvertreter, der schon länger in die Vereinsarbeit involvierte Otzberger Bürgermeister Matthias Weber) und er Vertrauen in die Arbeit von Mosch-Schlösser und ihrem Team haben. Man baue weiterhin auf sie, „die Kombination mit dem Tierhotel und der Regelung ihrer Kreistierheim-Aufgaben über einen Dienstleistungsvertrag sind ideal“, meinte Schledt.

Denn mit Blick aufs Kreistierheim werde des Öfteren nicht verstanden, dass „entsprechend der Satzung die Kernaufgabe in der Aufnahme und Beherbergung von Fundtieren“ bestehe. Sei ein Fundtier verletzt, werde es durch die (bei der Tierpension angestellte) Tierärztin versorgt. Insgesamt sind im Breitefeld neben Barbara Mosch-Schlösser und der Tierärztin vier weitere Frauen und ein Hausmeister beschäftigt. Zwei Mitarbeiterinnen sind dabei mit den Aufgaben im Tierheim-Bereich betraut. In Abgrenzung zu gefundenen Hunden, Katzen, Nagern und Vögeln – für diese Tierarten hat das Kreistierheim Breitefeld eine Betriebserlaubnis –ist das Kreistierheim nicht zur Aufnahme von Tieren verpflichtet, die die Halter zum Beispiel wegen Überforderung abgeben wollen. „Zum Beispiel hier kann dann das Tierhotel einspringen“, erläuterte Schledt. Auch von der Polizei und den Behörden beschlagnahmte Tiere nimmt die Tierpension auf.

Mosch-Schlösser wies darauf hin, dass andere Tierheime, die teils zugleich auch Tierschutz-Vereine seien, derweil auch Abgabetiere und aus dem Ausland importierte Tiere aufnähmen, die dann oft monatelang auf ein neues Zuhause warteten. Dies erkläre auch, weshalb andernorts Zwinger voller seien als im Kreistierheim: „Die Fundtiere bleiben bei uns oft nur einen Tag lang, vielleicht mal zwei oder drei Tage.“ Denn die Besitzer meldeten sich meist sehr rasch, nachdem sie den Verlust eines Tieres bemerkt hätten. Am Tag des Rundganges waren weder in der Quarantäne-Station im ehemaligen Wohnhaus noch in den Zwingern, Räumen und Freigeländen des Tierheim-Bereichs Hunde oder Katzen untergebracht. Pensionstiere beherbergt Mosch-Schlösser im separaten Bereich aktuell hingegen, „aber deutlich weniger als sonst, weil wegen Corona kaum jemand in den Urlaub fährt“.

2019 wurden im Kreistierheim 169 Fundtiere aufgenommen, davon 42 Hunde, 102 Katzen, neun Vögel und 16 Nager. Bis Mitte November belief sich die Zahl auf 82 Fundtiere, davon 29 Hunde, 38 Katzen, elf Ziervögel und vier Nager – im Corona-Jahr also eine Halbierung.

Wie hoch der aktuelle Kreistierheims-Beitrag der Kommunen pro Jahr und Einwohner ist, wollte Joachim Schledt für den Trägerverein nicht beziffern. Nach Informationen unserer Zeitung liegt er bei rund 70 Cent und damit niedriger als noch nach einer Erhöhung auf 80 Cent vor wenigen Jahren. Eine Gemeinde in der Größenordnung Münsters trägt jährlich also mit rund 10 000 Euro zum Betrieb des Kreistierheims bei.

An investiven Maßnahmen sind 2021 die Modernisierung des Zauns zur Straße hin und die Ertüchtigung der elektrischen Anlagen geplant. Den ursprünglichen Plan, im Dieburger Industriegebiet-Nord einen größeren Komplex für Tierpension, Tierarzt, Tierphysiotherapie und auch ein neues Kreistierheim zu bauen, verfolgt Tierheim-Leiterin, Tierhotel-Betreiberin und Doggen-Züchterin Barbara Mosch-Schlösser inzwischen nicht mehr. Die Eigentümerin des ins Visier genommenen Baugrundstücks will es offenbar anderweitig verkaufen.

Von Jens Dörr

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