Feuerwehr bietet sich einmalige Gelegenheit

Auf Abbruchgelände geübt

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Es ist immer schwierig, ein Szenario zu finden, dass alle gleichermaßen fordert. Das ist uns heute ganz gut gelungen. Thomas Köhler stellvertretender Wehrführer An verschiedenen Stellen des Abbruchgeländes in der Rathenaustraße konnte die Freiwillige Feuerwehr unter realistischen Bedingungen üben.

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter der Freiwilligen Feuerwehr. Das Gewitter am Donnerstagabend führte zu einigen Einsätzen. Außerdem stand eine groß angelegte Übung auf dem Programm.

Neu-Isenburg – Am Donnerstagabend mussten die Einsatzkräfte insgesamt 14-mal ausrücken. Um 19.41 Uhr hatten zunächst erste Anrufer Wasser Kellern gemeldet. Im weiteren Verlauf des Abends kamen zahlreiche „Wassereinsätze“, eine Brandnachschau nach Blitzeinschlag und ein Verkehrsunfall auf der A3 dazu. Insgesamt waren an die 30 Feuerwehrleute mit sieben Fahrzeugen unterwegs.

Unter anderem stand im Anemonenweg das Wasser etwa 20 Zentimeter hoch in einem Kellerabgang. In der Hermannstraße konnte Wasser durch mehrere verstopfte Sinkkästen nicht ablaufen. Auf der Wilhelm-Leuschner-Straße lag ein abgebrochener Ast quer über den Gehweg und einen Zaun. Im Alten- und Pflegeheim „An den Platanen“ war Wasser in einen Aufzugsschacht eingedrungen. Betroffen waren auch Keller in einem Hochhaus der Alicestraße, in der Bahnhof- und der Frankfurter Straße. In der Hugenottenallee war Wasser von einem Flachdach in ein Haus eingedrungen. Die Feuerwehr setzte Pumpen ein. Berichte über Verletzte gibt es keine. Die Einsätze waren um 23.30 Uhr abgearbeitet.

An die 65 Einsatzkräfte aus Neu-Isenburg und Zeppelinheim und Helfer des DRK-Ortsvereins konnten zwei Tage zuvor zeigen, was sie während zahlreicher Ausbildungsveranstaltungen gelernt haben. Auf dem Abbruchgelände des ehemaligen Druck- und Verlagshauses in der Rathenaustraße gab es dieses Mal nicht ein gemeinsames Einsatz-Szenario, sondern mehrere Szenarien, die von kleineren Gruppen parallel beackert wurden.

„Es wird ganz schön heiß hier oben, holt uns endlich runter!“, ruft Jugendfeuerwehrmitglied Micha Gebhardt Stadtbrandinspektor Stefan Werner zu. Gemeinsam mit rund zehn weiteren Jugendfeuerwehrkollegen und anderen Angehörigen von Feuerwehrleuten, mimt er an dem Abend die Verletzten, die es zu retten gilt. „Bleibt zurück von der Dachkante, wir holen sofort alle runter!“, ruft Stefan Werner nach oben. Er ist der Einsatzleiter in diesem Szenario und weist die Kollegen mit der Drehleiter ein, die kurze Zeit später an der Übungsstelle ankommen.

Während alle Verletzten sicher vom Dach gerettet werden können, macht der Schichtleiter des Werksgeländes darauf aufmerksam, dass auch im Keller der Industriehalle ein Feuer ausgebrochen ist. Sofort rüsten sich Julian Schöndube und Bastian Anthes mit Atemschutzgeräten aus. Schließlich werden im Keller noch zwei Arbeiter vermisst und Menschenrettung hat bei der Feuerwehr immer höchste Priorität.

Etwa zeitgleich erreicht der zweite Löschzug, ein Verbund aus zwei Löschfahrzeugen und einem Teleskopmast-Fahrzeug, das Übungsgelände. Auf der Gebäuderückseite brennt es auch: im Dachbereich. Während einige Feuerwehrleute unter Atemschutz versuchen, im sogenannten „Innenangriff“ aus dem Gebäude heraus das brennende Dach zu erreichen, können von außen über den Teleskopmast Luisa Dörr, Larissa Werner und Lars Auterhoff gerade noch rechtzeitig unverletzt in Sicherheit gebracht werden.

Auf dem Parkplatz der Industriehalle ist indes dem Fahrer eines Kleintransporters ein Missgeschick passiert: Der Versuch, mit seinem Fahrzeug einen Schuttberg zu überwinden, hat eine Kettenreaktion ausgelöst. Jetzt liegt der Wagen unter Geröll begraben auf dem Parkplatz und die beiden Insassen sind eingeklemmt. Während Thomas Prager und Tahsin Shakoor mit Löschrohr und Schlauchleitung für den Fall bereitstehen, dass ein Feuer ausbricht, sägt Markus Letz die Windschutzscheibe heraus. Auch diese beiden Verletzten (in diesem Fall Dummies) können „gerettet“ werden.

Auf dem Weg in den brennenden Keller erleben in der Zwischenzeit die Feuerwehrleute im ersten Löschzug noch eine „Überraschung“. Auf dem Rückweg vom Keller sprühen plötzlich Funken von der Decke. Im Bereich eines Zwischenbodens hat sich ein Arbeiter einen mächtigen Stromschlag eingefangen. Mit einer sogenannten Schleifkorbtrage kann über eine Steckleiter auch dieser Dummy aus der Halle gebracht werden.

Nach rund zwei Stunden wird die Ausrüstung wieder auf die Feuerwehrfahrzeuge geladen. Der stellvertretende Wehrführer Thomas Köhler, der die Übung gemeinsam mit Dominik Büttner, Jens Multer und Sebastian Morawe organisiert hat, ist zufrieden: „Es ist immer schwierig, ein Szenario zu finden, dass alle gleichermaßen fordert. Das ist uns heute, denke ich, ganz gut gelungen.“

Für die Dauer der Übung standen Kollegen der Freiwilligen Feuerwehren Offenthal und Langen für wirkliche Einsätze bereit. Der Dank ging auch an diejenigen, die die Übung auf dem Abbruchgelände ermöglichten.

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