Tag der offenen Tür in der Moschee

Ängste vor dem Islam abbauen

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Zahlreiche Gäste auch aus der Politik besuchten die Moschee. Gemeindevorsitzender Salih Özkan, Imam Serafettin Köprübasi (Zweiter und Dritter von links) und Islamwissenschaftler Talha Taskinsoy (Zweiter von rechts) konnten unter anderem den CDU-Fraktionschef Patrick Föhl, Ersten Stadtrat Stefan Schmitt und Joachim Großpersky (CDU) begrüßen.

Neu-Isenburg - Deutschlandweit öffneten die Moscheen wieder ihre Türen. An der traditionellen Aktion beteiligte sich auch die Isenburger DITIB-Gemeinde. Das Ziel liegt vor allem darin, den Bürgern ihre meist diffuse Angst vor dem Islam zu nehmen. Von Stefan Mangold 

Die Besucher hatten auch die Gelegenheit, sich das Gebet anzuschauen, an dem sich zahlreiche Gläubige beteiligten.

Niemand käme auf die Idee, beispielsweise die Theologin Margot Käßmann oder den Mainzer Kardinal Karl Lehmann in den Kontext mit durchgeknallten Evangelikalen aus den USA zu stellen, die Ärzte erschießen oder Koran-Exemplare verbrennen. Zwar firmieren alle unter „Christentum“, aber größer könnten die Unterschiede wohl kaum sein. Der Islam hingegen wirkt in der Wahrnehmung breiter Teile der Öffentlichkeit wie ein monolithischer Block, der nichts Gutes im Schilde führt. Mit dem Tag der offenen Moschee sollen solche Ängste abgebaut werden. In die DITIB-Moschee an der Ludwigstraße lädt der Gemeindevorsitzende Salih Özkan seit 2012 die Isenburger ein. Durch die Moschee führt Talha Taskinsoy, Islamwissenschaftler und Mitglied der Gemeinde. Natürlich sind auch die Flüchtlinge, die vor allem aus Syrien kommen, Thema. Auf dem Teppichboden sitzen der Erste Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) und der langjährige FDP-Stadtverordnete Gerhard Gräber. Der spricht sich dafür aus, Bürger, die ihre Ängste formulieren, nicht sofort in die rechte Ecke zu drücken. Talha Taskinsoy stimmt Gräber zu. Der Religionswissenschaftler aus Bremen kam zum Studium an die Goethe-Universität nach Frankfurt, lebt in Isenburg und engagiert sich mit seiner Frau Elif und vielen anderen Gemeindemitgliedern in der Flüchtlingshilfe.

Wegen Aktionen wie der Verteilung des Korans durch salafistische Kreise ist bei vielen der Eindruck entstanden, Muslime seien generell darauf erpicht, jeden zu missionieren. Taskinsoy erzählt dagegen von christlichen Flüchtlingen aus Eritrea, die er kennengelernt habe: „Wir haben sofort einen Kontakt zwischen ihnen und Matthias Loesch hergestellt, dem Pfarrer der evangelisch-reformierten Gemeinde.“ Es sei egal, ob jemand Muslim, Christ oder Atheist sei, „steckt ein Mensch in Not, müssen wir helfen“. Die Besucher haben die Möglichkeit, das Gebet mit Imam Serafettin Köprübasi zu verfolgen. Ein „Rendezvous mit dem Schöpfer“, nennt Taskinsoy den Vorgang, den jeder Muslim nach Möglichkeit fünfmal täglich ausüben sollte. „Das Gebet ist dafür da, sich von der materiellen Welt zurückzuziehen“, erklärt Gemeindevorsitzender Özkan. „Es gibt Situationen, in denen man in Gemeinschaft nicht beten kann, sondern am Arbeitsplatz oder auf der Reise.“

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Taskinsoy arbeitet zudem für den Verein „Violence Prevention Network“, der versucht, mit islamistischen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Er unterhält sich mit jungen Männern, die in die Fänge religiös verbrämter Gruppen geraten sind. Das Prinzip von Neonazis und Islamisten sei ähnlich. „Simple Erklärungen und Lösungen wirken auf Jugendliche, die sich perspektivlos fühlen, besonders attraktiv.“ Er beobachte, dass sich fast alle auf theologisch äußerst dünnem Eis bewegen: „Den Koran haben sie nicht gelesen.“ Einen Muslim in Deutschland binde das Grundgesetz ebenso wie jeden anderen auch. Das sei „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ entstanden, zitiert Taskinsoy aus der Präambel.

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