Weitere Zeitzeugenberichte gesucht

Alte Flakstellung wird unter Denkmalschutz gestellt

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Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen: Wilhelm Ott hat sich der Erforschung von Grenzsteinen und anderen Relikten aus vergangenen Zeiten verschrieben. Er ist in den eingezäunten Überresten der Flakstellung am Brüllochsenweg zu sehen.

Neu-Isenburg - Neues von der ehemaligen Flakstellung in der Ostgemarkung: Das noch gut erhaltene betonierte Zeitzeugnis am Brüllochsenweg wird unter Denkmalschutz gestellt. Oberkonservator Dr. Dieter Griesbach-Maisant vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege spricht von einem Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, das „einzigartig in Hessen, wenn nicht sogar in Deutschland“ sei.

Dem Deutschen Haus in der Bahnhofstraße blieb der Denkmalschutzstatus jüngst versagt. Es wird, allen Bemühungen der Stadt zum Trotz, daher in Kürze fallen. An anderer Stelle in Neu-Isenburg hingegen sind sich die Stadt, der Dreieicher Heimatforscher Wilhelm Ott und das Landesamt für Denkmalpflege einig geworden: Die am besten erhaltene Flakstellung am Brüllochsenweg, die seit einiger Zeit eingezäunt ist, kommt unter Denkmalschutz.

Die Flakstellungen aus dem Zweiten Weltkrieg und ihre Wiederentdeckung sind wohl eines der spannendsten Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte. Ihre Existenz war zwar bekannt, trotzdem gerieten die insgesamt 18 Bunker – angeordnet in drei Kreisen mit jeweils sechs Stellungen – viele Jahre lang in Vergessenheit. Die Überreste der Anlagen verfielen, wurden zurückgebaut, von Gestrüpp überwuchert oder ganz pragmatisch anderweitig genutzt. Eine Stellung am Brüllochsenweg wurde als Außenwand eines Pferdestalls benutzt. Zwei sind heute von der Geschwister-Scholl-Halle verdeckt.

Das Bild zeigt den Einmannbunker.

Die Entscheidung, eine Flakstellung unter Denkmalschutz zu stellen, fiel nach einem Ortstermin am 23. März, bei dem sich Dr. Dieter Griesbach-Maisant die Überreste der Flakstellungen in der Ostgemarkung anschaute. Der Mann vom Landesamt für Denkmalpflege, der den Amtstitel Oberkonservator trägt und hessenweit zuständig ist für die die Entscheidung über die Aufnahme eines Objektes in die Denkmalschutzliste, habe sich nach ausführlicher Begutachtung der Stellung am Brüllochsenweg in der Luderbachaue sehr beeindruckt gezeigt: „Eine solch gut erhaltene Flakstellung habe ich noch nie gesehen.“ Dieses Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg sei „einzigartig in Hessen, wenn nicht sogar in Deutschland“. Sie werde daher nun in das in Form einer Datenbank geführte Denkmalverzeichnis des Landes Hessen aufgenommen und demnächst auch im DenkXweb im Internet zu sehen sein. Griesbach-Maisant dankte der Stadt, dass die Flakstellung gesäubert und eingezäunt wurde. „Es ist Dr. Wilhelm Ott zu verdanken, dass wir jetzt so viel über die Flakstellungen wissen und dass die am besten erhaltene Flakstellung nun unter Baudenkmalschutz gestellt wird“, gibt Bürgermeister Herbert Hunkel das Lob gestern auch gleich weiter.

Wie berichtet, stieß der Dreieicher Heimatforscher bei seinen Recherchen über die Überreste der Flakbatterien auf hochaufgelöste Luftbilder aus dem Jahr 1944, aus denen eindeutig die Lage der drei Batterien mit je sechs kreisförmig angeordneten Flakstellungen zu ersehen war.

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Natürlich habe man auch die Diskussion geführt, ob Weltkriegsrelikte überhaupt denkmalgeschützt sein sollten, berichtet Ott. In dieser Frage habe in der jüngeren Vergangenheit ein Umdenken stattgefunden. Es sei „wichtig für die Erinnerungskultur – etwa auch für Schulen“, solche Relikte aus dem Krieg zu bewahren: „Begreifbare Geschichte, nichts Abstraktes.“ Auch Hunkel findet es wichtig, mit Zeitzeugnissen wie der Flakstellung konkret an die Schrecken des Bombenkriegs zu erinnern. Und zu mahnen, dass sich so etwas nicht wiederholen dürfe – „da sind schließlich junge Menschen umgekommen, diese Sinnlosigkeit darf nicht in Vergessenheit geraten“.

Zur Zeit bereitet der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) auch eine Broschüre zum Thema vor. Dafür werden weitere Berichte von Zeitzeugen gesucht, die sich im Rathaus (s 06102 241-70) melden können.

Bewusst sei auch die Entscheidung gefallen, dass nur eine Flakstellung unter Denkmalschutz gestellt wird, „die anderen Überreste sollen in Würde verfallen“. Dass der Einmannbunker, der in der Nähe der Geschwister-Scholl-Halle entdeckt wurde, ebenfalls nicht unter Denkmalschutz kommt, liegt daran, dass er nicht mehr auf dem Originalstandplatz ist. Er soll aber ebenfalls zur eingezäunten Anlage am Brüllochsenweg gebracht werden. (hov)

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